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CEO Stephen Kaufer Tripadvisor will zum sozialen Netzwerk für Reisen werden

Das Online-Reiseportal plant eine Verlagerung seines Schwerpunkts. Künftig sollen Empfehlungen viel persönlicher werden – in Form eines Netzwerks.
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Die mobilen Nutzer stehen auch bei der neuen sozialen Plattform im Mittelpunkt. Schließlich brauchen die Menschen die Tipps von Freunden und Bloggern, wenn sie auf Reisen sind. Quelle: picture alliance/dpa
Tripadvisor-App

Die mobilen Nutzer stehen auch bei der neuen sozialen Plattform im Mittelpunkt. Schließlich brauchen die Menschen die Tipps von Freunden und Bloggern, wenn sie auf Reisen sind.

(Foto: picture alliance/dpa)

New York Das Online-Reiseportal Tripadvisor will mehr sein als ein Bewertungsportal oder eine Website für Preisvergleiche. In Zukunft sollen Nutzer ihre Reise-Erfahrungen mit ihren Freunden auf der Seite austauschen. Zum Jahresende will das US-Unternehmen mit seiner neuen Version online gehen – auch in Deutschland.

„Wir wollen Facebook oder Instagram nicht ersetzen. Aber wir wollen das soziale Netzwerk für Reisen sein “ erklärt Co-Gründer und Vorstandschef Stephen Kaufer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Deutschland sei dabei einer der wichtigsten Märkte. „Wir rekrutieren in Deutschland gerade Influencer und Blogger, damit sie ihre Inhalte bei uns online stellen und taggen“, sagt Kaufer.

Noch befinden sich die neuen Anwendungen in der Testphase. Aber in Zukunft sollen alle angemeldeten Nutzer bei der Planung einer Reise automatisch Fotos und Videos von ihren Freunden zu dem jeweiligen Ort eingespielt bekommen. Hinzu kommen Inhalte von Partnern wie National Geographic oder Condé Nast Traveller.

Dabei fließen die Inhalte von Freunden, Bloggern oder National Geographic ganz unabhängig davon ein, wann diese Inhalte ins Netz gestellt worden. Das ist anders als bei Facebook, wo alte Einträge schnell in digitale Vergessenheit geraten.

Mit diesem neuen Ansatz zieht Tripadvisor die Konsequenz aus Umfragen. Demnach ist die Empfehlung von Freunden und Familie bei 62 Prozent der Kunden nach den Online-Bewertungen immer noch der wichtigste Entscheidungsgrund, ein Hotel, Restaurant oder Reiseziel aufzusuchen.

„Wir rekrutieren in Deutschland gerade Influencer und Blogger, damit sie ihre Inhalte bei uns online stellen und taggen.“ Quelle: AFP
Stephen Kaufer

„Wir rekrutieren in Deutschland gerade Influencer und Blogger, damit sie ihre Inhalte bei uns online stellen und taggen.“

(Foto: AFP)

„Ich war letztes Jahr in Asien und hatte noch ein Papier-Notizbuch dabei, wo ich mir die Empfehlungen meiner Freunde aufgeschrieben habe“, erzählt Kaufer. „Da dachte ich mir: Das müssen wir doch lösen können.“ Er geht davon aus, dass im kommenden Jahr „zig oder auch Hunderte Millionen die neuen sozialen Netzwerkangebote aktiviert haben werden“.

Tripadvisor ist seit 18 Jahren auf dem Markt und war eines der ersten großen Bewertungsportale überhaupt. 2004 haben die Gründer das Unternehmen verkauft, heute gehört das börsennotierte Unternehmen zum Medienkonzern Liberty.

Google macht der Plattform Konkurrenz

In den vergangenen Jahren ist Tripadvisor enorm gewachsen und setzte zuletzt 1,6 Milliarden Dollar um. Mittlerweile ist die Seite ein Mix aus Online-Reiseagentur und Reiseforum mit 600 Millionen Kritiken zu 7,5 Millionen Unterkünften, Restaurants, Fluggesellschaften und Attraktionen. Jede Minute werden weltweit 255 neue Beiträge gepostet. Fast alle großen Onlineportale arbeiten mit Tripadvisor zusammen. Laut dem Jahresbericht stammen mehr als 40 Prozent des Umsatzes von Booking und Expedia.

Das Wachstum hat sich aber in den vergangenen zwei Jahren deutlich verlangsamt. Außerdem stand 2017 nach mehreren profitablen Jahren ein Minus von 19 Millionen Dollar unterm Strich. Grund für das zuletzt schwächere Wachstum ist zum einen die wachsende Konkurrenz von Google. Der Suchmaschinenriese ist ebenfalls ins Reisegeschäft eingestiegen. Zum anderen ist der Smartphone-Auftritt von Tripadvisor bisher noch recht spartanisch und bringt nicht die gleichen Einnahmen wie die Suchen am Desktop.

Das Hauptproblem ist, dass Tripadvisor nicht direkt Reisen verkauft, sondern nur weiterleitet. Damit lässt sich nicht so leicht Geld verdienen. Schließlich kann eine Suche nach einem Flug im Internet bei Google beginnen, dann über Tripadvisor bei Expedia landen und schließlich bei United Airlines direkt gebucht werden. Oft informieren sich die Nutzer auch nur auf Tripadvisor und buchen dann zu einem späteren Zeitpunkt woanders. Deshalb sind für Tripadvisor die Werbeinnahmen extrem wichtig. So schalten fast alle großen Reiseseiten auch Werbung bei Tripadvisor.

Ein Versuch, direkt ins Hotelbuchungsgeschäft einzusteigen floppte dagegen; „Instant Booking“ wurde wieder gestrichen. Nun soll das neue soziale Netzwerk innerhalb von Tripadvisor den erhofften Schub bringen Außerdem hoffen Beobachter, dass das Unternehmen seinen mobilen Auftritt bald verbessert.

Dazu gehört auch Analyst Deepak Mathivanan von Barclays. „Wir erwarten, dass das Geschäft auf den mobilen Geräten sich bald vom Gegenwind zum Rückenwind wandelt, was die Monetarisierung betrifft, wenn die mobilen Shopper die Desktop-Shopper irgendwann Anfang 2019 überholen“, schreibt Mathivanan.

Er lobt in seiner Studie, dass Tripadvisor einer der wenigen Anbieter sei, die „bedeutenden organischen Traffic haben“, also Nutzer, die direkt auf ihre Seite gehen und nicht dorthin geleitet werden müssen. Die mobilen Nutzer stehen auch bei der neuen sozialen Plattform im Mittelpunkt. Schließlich brauchen die Menschen die Tipps von Freunden und Bloggern, wenn sie auf Reisen sind.

Eine der größten Herausforderungen bei Tripadvisor bleibt, dass auch Menschen Rezensionen schreiben können, die in Wirklichkeit nicht in dem Hotel geschlafen oder in dem Restaurant gegessen haben. Das unterscheidet sich von den Bewertungen auf Booking oder Expedia, wo Kunden, die dort ein Hotel buchen, dieses auch später bewerten.

In Italien ist erst vor wenigen Tagen ein Mensch zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurden, weil er mit seinem Unternehmen gegen Geld falsche Rezensionen geschrieben hat. „Wir sind sehr froh, dass dieser Kerl ins Gefängnis geht“, stellt Kaufer gegenüber dem Handelsblatt klar. „Wir haben den Behörden dabei geholfen, ihn dingfest zu machen“, betont er.

Nach Angaben von Kaufer hat Tripadvisor nach dem Urteil in Italien ein Schreiben an Hotels und Restaurants geschickt und diese erneut gebeten, mögliche Angebote dieser bezahlten Schreiber an Tripadvisor zu melden.

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