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Charles-Édouard Bouée im Interview Roland-Berger-Chef vermeldet Rekordjahr – „Die Firma ist nun schlank und richtig aufgestellt“

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„Mit den Zahlen für 2018 fühle ich mich wohl“

Tatsache ist, dass viele CEOs, Geschäftsführer und Mittelständler täglich viermal „Disruption“ hören, verunsichert sind und Rat suchen. Das beschert den Beratungsfirmen einen Umsatzboom.
Wir sind hier, um unseren Kunden zu helfen. Und die Zukunft ist nun mal sehr ungewiss, viele rasante technologische Umbrüche treten auf einmal auf. Darüber können Sie jede Stunde einen anderen Artikel schreiben. Es gibt viele Fragen und damit viel Arbeit für uns.

Wie können Sie in diesem Dschungel ein guter Guide sein?
Wir betrachten die Geschäfte unseres Auftraggebers genau und prüfen, wo wir Wert schaffen können, auch mit neuen digitalen Mitteln. Sonst hätten wir es ja nur mit Schlagwörtern zu tun! Vielleicht bin ich ein simpler Typ, aber ich glaube, dass man Menschen zuerst mit einfachen Worten die Gegenwart erklären und ihnen dann einen Pfad in die Zukunft weisen muss.

Sorry, das klingt jetzt zu einfach, um wahr zu sein.
Gute Dinge sind oft einfach. Es ist unsere Aufgabe als Berater, das richtige Bewusstsein für Werte zu fördern. Ich glaube, die Mitarbeiter der Firmen, die wir beraten, wissen das zu schätzen. Häufig sind wir Vermittler. Nehmen Sie nur das Paradox, dass viele Menschen privat oft die neuesten Systeme nutzen und es am Arbeitsplatz dann mit Geräten von gestern zu tun haben.

„Marktführer kleben am Geschäftsmodell.“ Quelle:  Thomas Dashuber für Handelsblatt
Bouée (links) im Gespräch mit Hans-Jürgen Jakobs

„Marktführer kleben am Geschäftsmodell.“

(Foto:  Thomas Dashuber für Handelsblatt)

Die deutsche Beraterbranche legte 2017 um 12,5 Prozent zu. Und Roland Berger?
War besser. Wir sind sogar weltweit um 13 Prozent gewachsen, was deutlich über Markt ist, denn der Markt hat sich nicht überall in gleichem Maße gesteigert wie in Deutschland. In diesem Jahr werden wir rund 600 Millionen Euro erlösen. 2018 wird damit das beste Jahr in der Geschichte von Roland Berger. Wir haben nach einigen Reparaturarbeiten zu alter Stärke gefunden. Das spricht sich herum. 65 frühere Kollegen sind zurückgekommen. 2018 stellen wir insgesamt 500 bis 600 neue Mitarbeiter ein.

Rekordstimmung? Vor Jahren hieß es bereits, Berger setze 750 Millionen Euro um.
Das waren unbestätigte Spekulationen im Markt. Wir sind ein sehr konservatives Management und bewerten den Auftragseingang extrem vorsichtig. Mit den genannten Zahlen für 2018 fühle ich mich wohl. Früher waren wir zuweilen schlechter als der Markt, heute sind wir durchweg besser.

Wenn der Boom ausläuft, wird Berger dann auch noch stark sein?
Ja, denn wir sind durch den schlimmsten Sturm gegangen, den man sich vorstellen kann – und stärker wieder herausgekommen. Die Firma ist nun schlank und richtig aufgestellt. In einem wirtschaftlichen Abschwung wird sich die neue Einstellung der Mitarbeiter bewähren. Als führende Restrukturierungsberatung wissen wir: Jede Minute zählt, und jede Idee zählt. Und was Cashflow und Reserven sind, wissen wir auch. Vergessen Sie bitte nicht: Ich habe als Investmentbanker begonnen.

Der Beratermarkt teilt sich auf in multinationale Allroundkönner wie McKinsey, Wirtschaftsprüfer wie Deloitte, Spezialisten wie Alix und kleine Nischenfirmen. Wo positioniert sich Berger?
Als einzige europäische Firma mit starker Industrie- und Performance-Improvement-Kompetenz, die deutsche Wurzeln hat und global tätig ist. Vor ein paar Jahren war das vielleicht eine Nischenpositionierung. Aber in einer Zeit mit Handelskriegen zwischen USA und China hat das einen eigenen Wert. Talente von der Universität stoßen heute in vielen Ländern zu uns. Das hilft unserem Geschäftsmodell: Wir sind die Maschine zwischen Talent und Klient. Bringen wir die beiden gut zusammen, entsteht Wert, der sich unmittelbar in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung niederschlägt.

Wer sind dabei die Hauptrivalen?
McKinsey und Boston Consulting Group (BCG). Diese Firmen treffe ich bei meinen Geschäftsterminen am häufigsten. Dann nehme ich im Alltag die „Big Four“ wahr, die vier großen Wirtschaftsprüferkonzerne. Auch IT-Konzerne versuchen, in unseren Markt zu kommen. Wir haben für meine zweite Amtszeit eine detaillierte Zukunftsstrategie mit dem Titel„B 22“ aufgestellt. Ziel ist, uns weiter zu transformieren und stark zu wachsen.

Hin zu einem Milliardenunternehmen?
Hin zu der Beratung, die von ihren Kunden am meisten geschätzt wird. Wir haben ehrgeizige Ziele, die machbar sind. Wichtig ist, Kapazitäten für die digitale Entwicklung zu schaffen. Wir setzen auf Analytics, auf neue Dateninstrumente. Mittelfristig sollen Berater, die nahtlos mit digitalen Analysesystemen arbeiten, unser Ökosystem prägen, eben „human augmented intelligence“.

So wie bei „Terra Numerata“, einem digitalen Netzwerk mit 100 angeschlossenen Firmen, das Sie geschaffen haben. Ist das alles ein riesiger Thinktank oder reales Geschäft?
Niemand kann heutzutage allein die besten Programmierer, Software-Leute und KI-Spezialisten für sich gewinnen. Daher teilen wir die Dienste in diesem Netzwerk zum Wohl der Kunden. Thinktank? Mais non. Der Beitrag zum Umsatz liegt bei circa 50 Millionen Euro.

2014 beim Start als CEO haben Sie Roland Berger als „House of Brands“ gesehen. Was ist aus den einst geplanten Plattformen für Kommunikation und Immobilien geworden?
Die Vision bot Chancen, auch wenn manches dann in der Ausführung korrigiert wurde. Sehr gut lief es bei „Spielfeld“ in Berlin, einem Joint Venture mit dem Kreditkartenkonzern Visa. Die waren sehr schnell. Von Boston, Paris und Schanghai aus werden wir dieses Modell mit weiteren Partnern an weitere Standorte in der ganzen Welt bringen.

Herr Bouée, was ist in der Rückschau der wichtigste Grund für das Comeback, das Sie hier schildern? Roland Berger hatte immerhin vor Jahren Partner, Umsatz und Gewinn eingebüßt und ist zweimal mit Fusionen gescheitert.
Wenn Sie wollen, dass ein Baum zum Himmel wächst, müssen Sie sich zunächst um die Wurzeln kümmern. Das war für mich die Frage: Wer sind wir eigentlich? Und dann gilt es, Zweige und Äste in die richtige Richtung wachsen zu lassen. Viele dachten doch, wir seien aus dem Rennen. Nun können wir stolz darauf sein, wieder den Anschluss geschafft zu haben – im Geiste des Gründers Roland Berger, der vor 50 Jahren die Firma aufgebaut hat. In harten Zeiten halten wir zusammen.

Hatten Sie nie Zweifel, dass die Firma scheitert?
Jeder sollte Zweifel haben, denn wer keine Zweifel hat, versagt. Andererseits habe ich oft über den Satz nachgedacht: „Wer beginnt, über Plan B nachzudenken, ist mit Plan A schon gescheitert.“ Nach einem Jahr haben sich erste Erfolge gezeigt.

Die Restrukturierung von Roland Berger dauerte länger als gedacht?
Wir mussten mit vielen Gewohnheiten Schluss machen, selbst mit dem alten Format der Partnertreffen. Die waren nicht mehr zeitgemäß. Wir sind dann an einen neutralen Ort gegangen, Dublin, wo Roland Berger kein Geschäft hat, und dachten über alles neu nach. Uns half der glückliche Zufall, dass die Deutschen an jenem Wochenende Fußball-Weltmeister wurden. Ich trug das deutsche Trikot, Nummer zehn, und habe als Motivation ein Video gezeigt, wie „La Mannschaft“ in den Himmel kam.

Nun sind die Deutschen in der Hölle zurück. Vielleicht zeigen Sie als Franzose demnächst ja Videos der französischen Fußballer. Die sind, nach Jahren in der Hölle, Weltmeister geworden.
Sie haben recht. Vielleicht ist das ein Zeichen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Bouée.

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