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Charles-Édouard Bouée im Interview Roland-Berger-Chef vermeldet Rekordjahr – „Die Firma ist nun schlank und richtig aufgestellt“

Nach schwerer Krise melden die Berater von Roland Berger ein Rekordjahr. Ein Gespräch mit dem CEO über Sanierung, China und Gefahren durch Roboter.
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„Keiner kann eine Technologie stoppen. Menschen sind zu neugierig.“ Quelle:  Thomas Dashuber für Handelsblatt
Vorstandschef Bouée (vor Lüpertz-Bild)

„Keiner kann eine Technologie stoppen. Menschen sind zu neugierig.“

(Foto:  Thomas Dashuber für Handelsblatt)

Sein Büro am Englischen Garten in München wird von zwei Polen beherrscht: der Macht und der Natur. Für den Faktor Macht bei Charles-Édouard Bouée steht eine Wand voller gerahmter Fotos, die ihn wahlweise mit Emmanuel Macron, Gerhard Schröder oder chinesischen Politikern zeigen. Den Gegenpart bildet ein abstraktes Bild von Markus Lüpertz aus den wilden, frühen 1980er-Jahren, an Afrika erinnernd und das Abenteuer, das Wirtschaft auch bietet. Auf dem Schreibtisch: Bücher, die der CEO geschrieben hat.

Monsieur Bouée, die Bundesregierung hat jüngst Eckpunkte beschlossen, damit Deutschland bei künstlicher Intelligenz (KI) künftig führend sein soll. Wie viele Chancen geben Sie der Aktion?
Das ist eine wichtige Initiative, aber wir wissen heute nicht, wer einmal auf diesem Feld den Ton angeben wird. Gut möglich, dass der neue Champion durch Zufall entsteht.

In Ihrem jüngsten Roman über KI sind die Helden ein Roboter namens Lucie und Paul, ein unsterblicher Mensch dank Chips. Ist das die Zukunft?
Mir ging es darum, neue Entwicklungen begreifbar zu machen. Und ja, wir werden eine Konvergenz menschlicher und maschineller Intelligenz erleben. Und wir werden an den Punkt der „Singularität“ kommen, wenn Maschinen anfangen zu denken, ein Bewusstsein entwickeln, womöglich auch für Deals mit Menschen. Vielleicht 2038, vielleicht früher, vielleicht später.

Noch ist Deutschland mit 106 spezialisierten Start-ups in Sachen KI nur Achter auf der Welt.
Wir brauchen 300 Start-ups – und zwar solche, die mithilfe von Universitäten, Venture-Capital und auch staatlicher Unterstützung eine neue Technologie lancieren. Um hier wirklich erfolgreich zu sein, muss man das neue Google, Apple oder Amazon formen. Das wird nicht mit einem rein kommerziellen Ansatz gelingen, sondern nur als Gemeinschaftsprojekt. Abgesehen davon: Ich möchte, dass die Eltern dieser Projekte, also auch von Lucie, französisch und deutsch sind. Dann wären die jüngsten Regierungs-Initiativen ein Erfolg gewesen.

Also als Teil der viel beschworenen deutsch-französischen Freundschaft?
Das ist die beste aller möglichen Achsen, auch wenn die Institutionen in beiden Ländern sehr unterschiedlich sind. Wir ergänzen uns gut – und sollten große Themen finden, auf die wir gemeinsam wetten, wie eben zum Beispiel auf KI. Eckstein Nummer eins dafür ist die neue Datenschutz-Grundverordnung, sie bringt Europa große Vorteile. Ich halte sie für einen echten Standortvorteil.

Einige Manager haben sich Chips unter die Haut einpflanzen lassen. Würden Sie das auch tun?
Vielleicht ist das bald gar nicht mehr nötig, schon jetzt gibt es interessante Entwicklungen rund um sogenannten Transhumanismus oder Stammzellenforschung. Warten wir es ab!

Offenbar persönlich kein Thema für Sie.
Auf mich kommt es nicht an. Fakt ist: Viele Menschen haben Angst, dass sich die Intelligenz von Maschinen und Menschen mischt. Deshalb ist eine Entwicklung zur „human augmented intelligence“ nötig, eine durch Prozessoren verbesserte menschliche Intelligenz. Nur diese wird es uns erlauben, Maschinen weiterhin zu kontrollieren. Das ist eine wirkliche wichtige Entwicklung, daher spreche ich darüber in China, den USA und Europa. Übrigens sind auch die Folgen für Konsumenten erheblich: In Handys wird „portable“, also tragbare KI bald für jeden Realität sein.

Ist Dominanz durch Roboter das größte Risiko?
Nein, die größte Gefahr derzeit ist mangelhafte Cyber-Security. Mit jeder neuen Technik gibt es Kriminelle, die sie auch nutzen. Was Roboter betrifft: Niemand kann eine Technologie stoppen. Menschen sind einfach zu neugierig. Nicht umsonst hat Augustinus von Hippo gesagt: Die Hölle ist für die Neugierigen gemacht. Das Risiko besteht, dass der Einsatz von Daten und Algorithmen die Menschen in ein neues Imperium führt. Um das zu verhindern, braucht es einen Mittelweg zwischen Laisser-faire und totaler Regulierung.

Sind eher die großen Internetkonzerne aus den USA oder aus China die treibenden Digitalisierungskräfte im Markt?
Zurzeit gewinnen alle, die eine Plattform haben und so Geschäfte und Kunden anziehen. Unter den chinesischen Riesen ist Tencent dank seiner Spiele- und Entertainmentkompetenz sehr stark.

Immer mehr chinesische Onlinefirmen – von JD.com bis Alibaba – drängen nach Deutschland und Europa. Mit großen Chancen?
Man muss China immer in einem geschichtlichen Zusammenhang betrachten. Die dortigen Herrscher hatten über Jahrtausende das Ziel souveräner Autarkie. Nur um 1500 gab es einen kurzen Expansionsversuch. Ich bin also persönlich skeptisch, ob der Expansionsansatz dieser Firmen wirklich in die chinesische DNA passt, denn diese ist eher auf Transfer von Gütern oder Wissen nach China angelegt. Amerika dagegen hatte immer das Motto, die Welt zu retten, sei es mit Coca-Cola, Hollywood oder der US Army.

Dabei haben Sie vor einigen Jahren die Datengiganten aus China und den USA als „Siebten Kontinent“ bezeichnet. Werden sie nicht auch die nächste digitale Revolution beherrschen?
Damals habe ich versucht, eine neue Weltordnung zu beschreiben. Sie wird sich durch künstliche Intelligenz komplett verändern. Neue Player werden kommen, und sie werden keine Ableger von Amazon oder Alibaba sein. Marktführer sind häufig smart und reich, kleben aber am Geschäftsmodell. Ein Konzern wie Microsoft musste viele Trends nachholen: Gaming, Handys, Tablets. Sie haben später LinkedIn gekauft, um mitzuhalten. Aber das war keine Disruption. Ich kenne schon jetzt kleine unbekannte Firmen, etwa in New York, die an vielversprechenden Technologien arbeiten und gut finanziert sind. Vielleicht sind das die Champions von morgen? Ob sie Erfolg haben, hängt von Glück, Timing und dem richtigen Standort ab.

„Le Figaro“ nennt Sie, nach einem Science-Fiction-Film, den „Robocop der Berater“. Geschmeichelt?
Nun ja. Die Zeitung wollte vermutlich ausdrücken, dass ich systematisch vorgehe. Meine Kollegen nennen mich übrigens aggressiv geduldig.

„Mit den Zahlen für 2018 fühle ich mich wohl“
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