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Chris Lehane Wie ein Ex-Präsidentenberater die schwerste Krise von Airbnb managt

Chris Lehane ist geübt darin, seine Auftraggeber durch Katastrophen zu navigieren. Der Ex-Berater von Bill Clinton soll nun AirbnB helfen, die Corona-Pandemie zu überleben.
14.04.2020 - 14:11 Uhr Kommentieren
Der Cheflobbist von Airbnb hat beste Drähte nach Washington. Quelle: REUTERS
Chris Lehane

Der Cheflobbist von Airbnb hat beste Drähte nach Washington.

(Foto: REUTERS)

San Francisco Wie sieht ein Mann, der schon so viele Krisen erlebt hat, die aktuelle? Keine Regierung, kein Unternehmen allein könne die Ausbreitung von Corona und die wirtschaftlichen Schäden aufhalten, sagt Chris Lehane. „Sie zwingt uns zu gegenseitiger Hilfe.“ In einem solchen Moment sei es am wichtigsten, das Vertrauen der Menschen aufrechtzuerhalten, sagt Lehane.

Der Mann muss es wissen, der er hat schon so viele Katastrophen navigiert, dass ihn das US-Magazin „Newsweek“ einmal „Master of Disaster“ taufte. Der 52-Jährige steckt wieder mitten in einem Desaster. Als Cheflobbyist von Airbnb arbeitet Lehane für eine Firma, die die Krise in einem besonders ungünstigen Moment erwischt. Eigentlich wollte die Zimmervermietungs-Plattform aus San Francisco in diesem Jahr einen der größten Börsengänge hinlegen.

Stattdessen bricht ihr wegen weltweiter Reise- und Ausgangsbeschränkungen das Geschäft weg. Ein erfolgreicher Börsengang in den nächsten Monaten scheint ausgeschlossen.

Um durch die Krise zu kommen, hat Airbnb gerade eine Milliarde Dollar bei Investoren eingeworben und dabei seine Bewertung von 31 auf 18 Milliarden Dollar fast halbiert. Ein Teil des Geldes soll als Kredit fließen, mit einem Zinssatz von mehr als zehn Prozent.

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    Zudem hat Airbnb die Vermieter auf seiner Plattform verärgert. Eigentlich definieren diese ihre Stornierungsbedingungen selbst. Immerhin besteht Airbnb darauf, nur eine Plattform zu sein, die selbstständigen Gastwirten ihr Geschäft ermöglicht.

    Doch als Mitte März immer deutlicher wurde, wie schnell sich das Virus ausbreitet, erlaubte Airbnb den meisten Gästen, Buchungen kostenlos zu stornieren. Den Großteil der Kosten trugen die Vermieter.

    Erst als die in Scharen ihrer Wut Luft machten, reagierte Airbnb und stellte 250 Millionen Dollar zur Verfügung, um betroffene Gastgeber für ein Viertel der entgangenen Summe zu entschädigen. „Wir hatten Szenarien für viele Krisen, aber niemand hatte einen Pandemie-Plan“, sagt Lehane. Airbnb habe Sicherheit und Gesundheit priorisiert und dann erst den Plan für die Vermieter entwickelt.

    Mit 28 Jahren zum Präsidentenberater

    Auch wenn die Pandemie eine neue Herausforderung ist, im Krisenmanagement kennt sich Lehane hervorragend aus. 1995 begann er als 28-jähriger, frisch graduierter Harvard-Jurist seine Karriere beim damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, Spezialgebiet Gegneranalyse.

    Als Spezialermittler Kenneth Starr den demokratischen US-Präsidenten wegen der Lewinsky-Affäre ins Fadenkreuz nahm, brachte er Informationen in Umlauf, die die Nähe des formell unabhängigen Starr zu den Republikanern zeigte. Später wurde Lehane Pressesprecher von Vizepräsident Al Gore.

    Als Gore 2000 Clinton nachfolgen wollte, wäre Lehane mit 33 Jahren beinahe Pressesprecher des Weißen Hauses geworden. Das extrem knappe Wahlergebnis in Florida zog eine juristische Schlacht um eine Neuauszählung der Stimmen bis vor den Obersten Gerichtshof nach sich.

    Lehane riet Gore, bis zum Letzten um seine Chance auf die Präsidentschaft zu kämpfen. Gore fürchtete einen schmutzigen Krieg, der die politische Kultur der USA beschädigen würde. Karl Rove, der Rasputin von Gores Kontrahenten George W. Bush, nannte Lehane später „einen der besten Gegneranalysten der Demokraten“.

    Lehane beschrieb seine Philosophie Jahre später mit einer Football-Metapher: „Die Devise war: Setz deinen Helm auf und geh ins Spiel. In einer Krisensituation wechselst du in den Kriegermodus.“

    Nachdem Bush gewonnen hatte, zog Lehane nach Kalifornien und beriet von dort Politiker, Unternehmen oder Prominente in Krisensituationen: vom Rad-Superstar Lance Armstrong, der in einen Dopingskandal verwickelt war, bis zu Goldman Sachs in der Finanzkrise.

    Airbnb-Vermieter bekommen Geld von US-Regierung

    2015 holte Airbnb Lehane, um die diffizilen politischen Beziehungen eines Unternehmens zu managen, dem viele vorwerfen, mit seinem Geschäftsmodell Wohnraum in überfüllten Großstädten zu verknappen.

    Seit dem globalen Corona-Ausbruch sind die Probleme der Plattform aber andere – und Lehane ist wieder im Kriegermodus.

    Zuletzt kämpfte er dafür, Airbnb-Vermieter in das Hilfspaket der US-Regierung aufzunehmen, die in der ersten Version des Gesetzes weder Arbeitslosenhilfe noch Unterstützung für Kleinunternehmer bekommen sollten. Lehane orchestrierte eine Aktion, in der 105.000 Airbnb-Vermieter in den USA an ihre Abgeordneten schrieben.

    Als Lehane mit einem Politiker aus der Fraktionsführung einer der beiden Parteien über das Problem gesprochen habe, habe der sich an eine Vermieterin in San Diego erinnert, in deren Ferienhaus er mal übernachtet habe. „Er kannte noch ihre ganze Geschichte. Dass sie Lehrerin war, kürzlich geschieden, zwei Kinder, die sie nun alleine großzog.“

    Ob letztlich der politische Druck oder die persönlichen Schicksale den Ausschlag gaben: Die Vermieter bekommen nun Geld vom Staat.

    Mehr: Der als größter Tech-Börsengang 2020 geplante IPO steht auf der Kippe. Denn laut exklusiven Daten ist der Umsatz von Airbnb wegen der Coronakrise eingebrochen.

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