Club Med wird 65 Der Neustart des All-Inclusive-Erfinders

Zwei Kommunisten gründeten vor 65 Jahren den Club Med. Aus dem Feriendorf wurde eine große Resortkette. Im Frühjahr legten Chinesen 900 Millionen Euro auf den Tisch – jetzt soll der Angriff im Reich der Mitte folgen.
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Club Med will nach dem Eigentümerwechsel den chinesischen Markt erobern. Quelle: Reuters
Touristen in Qingdao im Osten Chinas

Club Med will nach dem Eigentümerwechsel den chinesischen Markt erobern.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAm Anfang stand ein kommunistisches Experiment. Ob arm, ob reich, dick oder dünn – jeden hießen Gérard Blitz und Gilbert Trigano am Strand des mallorquinischen Städtchens Alcúdia willkommen. Gemeinsam baute man auf dem sandigen Boden Zelte auf, nagelte Holzhütten zusammen – mit stets dem einen Ziel: die Standesschranken zu überwinden und so viel Spaß zu haben wie möglich.

2500 Urlauber kamen im ersten Jahr, der Club Méditerranée wurde zum Erfolg. Man schrieb das Jahr 1950, der große Krieg war erst fünf Jahre aus. Ganz Europa suchte nach neuen Gesellschaftsentwürfen, fernab von Faschismus, Bolschewismus und Kapitalismus.

Von den einstigen Träumen der beiden Feriendorfgründern – des belgischen Wasserballspielers Blitz, der als Jude den Krieg im Widerstand überlebt hatte, und des algerischstämmigen Juden Trigano, der wie Blitz für den Kommunismus schwärmte – ist am 65. Firmengeburtstag kaum noch etwas übrig. Der inzwischen in „Club Med“ umgetaufte Konzern sorgte in den vergangenen zwei Jahren eher für Schlagzeilen, weil er zum Spielball von Börse und Finanzinvestoren wurde.

Was als kommunistisches Experiment begann, wurde spätestens seit dem Frühjahr 2013 zum Lehrstück in Kapitalismus. Inzwischen steht fest: Schon bald wird nicht mehr französisches „savoire vivre“ die 66 Feriendörfer von Club Med regieren, sondern ein Konglomerat aus China.

Fosun International, groß geworden mit Gewinnen aus dem Pharma- und Bergwerksgeschäft, sicherte sich per Bietergefecht 93 Prozent der Aktien und steuert auf einen Squeeze-out zu, um sich Club Med komplett einzuverleiben. Ein Abschied der längst zum Luxusanbieter mutierten Ferienresort-Kette von der Börse rückt damit in greifbare Nähe – nach 49 Jahren auf dem Parkett.

Angestoßen hatte dies der Vorstandschef selbst. Henri Giscard d’Estaing, Sohn des einstigen französischen Staatspräsidenten und seit bald 13 Jahren an der Führungsspitze von Club Med, rief die Chinesen Anfang 2013 um Hilfe.

Schon beim Amtsantritt des heute 58-Jährigen galt Club Med, einst Erfinder des All-Inclusive-Urlaubs, als schwerer Sanierungsfall. Wettbewerber wie die Tui-Tochter Robinson Club oder die Neckermann-Gründung Aldiana setzten den Franzosen zu, bei denen die Urlauber zunehmend ausblieben.

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