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Consulting Boom der Unternehmensberater geht ungebrochen weiter

Die Consultants lassen sich von einer möglichen Konjunkturschwäche nicht irritieren. Sie fürchten aber Imageschäden im Geschäft mit der öffentlichen Hand.
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Big-Data-News: Nachrichten zur digitalen Technologien der Zukunft Quelle: Getty Images for Somerset House
Projektion von Programmzeilen

Gutes Geschäft mit Datenverarbeitung und -analyse.

(Foto: Getty Images for Somerset House)

Düsseldorf Seit mehr als zehn Jahren eilen die Unternehmensberater von einem Rekordjahr zum nächsten. 2018 machte da keine Ausnahme: Der Umsatz der Branche in Deutschland ist vergangenen Jahr um rund sieben Prozent auf 33,8 Milliarden Euro gestiegen, wie der Branchenverband BDU am Donnerstag bekannt gab.

Der Zuwachs war erwartet worden, waren die Berater doch vor allem wegen Digital-Themen bei den Kunden aus Industrie und Dienstleistungen gut gebucht. Überraschend aber ist die Prognose fürs laufende Jahr: Während sich die Wirtschaft insgesamt angesichts geopolitischer Risiken und Konjunktureintrübung eher zurückhaltend zeigt, bleiben die Beratungen optimistisch.

Die Branche erwartet auch für 2019 ein Marktwachstum von sieben Prozent und würden damit ein Volumen von mehr als 36 Milliarden Euro erreichen. Die Berater gehen davon aus, dass ihre Dienste auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt bleiben.

Dazu zählt zum einen die digitale Transformation der Unternehmen, die so tiefgreifend ist, dass sie auch bei nachlassender Konjunktur nicht einfach gestoppt werden kann. Der BDU beobachtet, dass dabei die nächste Evolutionsstufe ansteht und die Themen Künstliche Intelligenz, Big Data und Datensicherheit zum großem Beratungsbedarf führen.

Zugleich wächst die Nachfrage von einer anderen Seite. „Es ist spürbar, dass die Kunden wieder stärker auf Kostensenkungs- und Effizienzprogramme gehen und dafür Berater engagieren“, sagte BDU-Präsident Ralf Strehlau. Die Firmen wollen sich damit robuster machen für einen möglichen Konjunkturabschwung.

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Das Wachstum im vergangenen Jahr hätte noch höher ausfallen können, wenn die Beratungen mehr Personal gefunden hätten. Bis zu zehn Prozent der Stellen in der Branche sind nach Angaben des BDU unbesetzt. „Die Mitarbeitersuche wird auch 2019 der limitierende Faktor bleiben“, sagte Strehlau.

Beim Buhlen um die besten Talente liefern sich die Dienstleister seit Jahren einen harten Wettbewerb, sie haben ihre Recruiting-Abteilungen ausgebaut und versuchen, mit neuen Arbeitszeitmodellen mehr Nachwuchs an sich zu binden. So will allein McKinsey im laufenden Jahr 500 neue Berater engagieren – die Hälfte davon sollen Frauen sein.

Politische Diskussion irritiert die Berater

Mehr Frauen, mehr Spezialisten aus Fachrichtungen wie IT und Naturwissenschaftlern – das wünschen sich offenbar auch die Kunden in den Teams ihrer Berater. Nach Angaben des BDU verlangen Kunden unterschiedlichen Blickwinkel. Jüngst seien in Auswahlprozessen Berater deswegen gescheitert, weil die Diversität fehlte – etwa, wenn sie nur Männer oder Betriebswirte vorweisen konnten.

Das größte Wachstum im vergangenen verzeichneten die Berater in der Konsumgüterindustrie, gefolgt von der Versicherungsbranche – bei beiden spielen Digitalisierungsthemen eine große Rolle. Das gilt auch für die Medizintechnik- und Pharmabranche, die in diesem Jahr nach Erwartung des BDU zu den nachfragestärksten Industrien zählen wird.

In den kommenden Wochen wird der Fokus aber auf ein anderes Segment gerichtet sein: dem öffentlichen Sektor. Über das Engagement von Beratern durch Bund, Länder und Kommunen wird seit Monaten erhitzt diskutiert – Auslöser waren die Vorgänge im Bundesverteidigungsministerium, dem „Überberatung“ und Fehlverhalten bei der Auftragsvergabe angelastet wird.

Ab kommende Woche wird ein Untersuchungssauschuss des Bundestages diese Vorwürfe prüfen. Die Branche blickt darauf mit gemischten Gefühlen. BDU-Präsident Strehlau gibt sich überzeugt, dass die öffentliche Hand weiterhin hohen Beratungsbedarf hat – schlicht, weil ihr das betriebswirtschaftliche und technologische Know-how fehle.

Doch die Vorwürfe müssten auch im Interesse der Branche selbst sorgfältig untersucht werden. Projektvergabe durch so genannte Buddy-Systeme passten nicht in das Bild einer seriösen Beratung, sagte Strehlau – also wenn Aufträge ohne Ausschreibung oder Auswahlprozesse allein aufgrund persönlicher Beziehungen vergeben werden.

Umsatzeinbußen fürs Geschäft erwartet der BDU durch die Vorfälle in Berlin zwar nicht – wohl aber könnte das Image der ganzen Branche angekratzt werden. „Viele Beratungen fürchten, dass potenzielle Mitarbeiter abgeschreckt werden“, sagte Strehlau.

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