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Consulting Roland Berger greift an: Beratungsfirma plant mehrere Zukäufe

Die Partner von Roland Berger wollen die wiedergewonnene Finanzkraft für Übernahmen nutzen – möglicherweise auch mit Hilfe externer Investoren.
13.07.2021 - 10:07 Uhr Kommentieren
Nach dem schwierigen Jahr 2020 hat Roland Berger nun die neue Strategie abgesegnet. Quelle: www.imago-images.de
Unternehmensberater

Nach dem schwierigen Jahr 2020 hat Roland Berger nun die neue Strategie abgesegnet.

(Foto: www.imago-images.de)

Düsseldorf Die Unternehmensberatung Roland Berger geht in den Angriffsmodus und peilt mehrere Übernahmen kleinerer Consultingfirmen an. „Wir wollen in den nächsten Jahren alle Wachstumsoptionen nutzen“, sagte Stefan Schaible, Global Managing Partner von Roland Berger, dem Handelsblatt. „Auch Akquisitionen sind auf dem Tisch.“

Auf dem Partnertreffen der Münchener Beratung am vergangenen Wochenende wurde die neue Strategie abgesegnet. Bei den Zukäufen setzt Roland Berger auf die wiedergewonnene Finanzkraft. Die Gesellschaft schließt aber auch nicht aus, externe Investoren an Bord zu holen, um größere Projekte zu finanzieren.

„Bei allem ist absolute Maßgabe, unsere Unabhängigkeit zu sichern“, sagt Schaible. „Daran wird nicht gerüttelt.“ Das Unternehmen soll also dauerhaft mehrheitlich in Besitz der aktuell 265 Partner bleiben. Als externe Geldgeber könnten Private Equity oder Familiy Offices in Frage kommen.

Diesen Schritt würde Roland Berger aber nur bei einem größeren Zukauf gehen, den man nicht allein stemmen möchte. Im ersten Schritt will das Unternehmen die Transaktionen aus dem eigenen Cashflow und über Banken oder Anleihen finanzieren.

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    Die Münchener verfügen über Kreditmöglichkeiten in Höhe von 180 Millionen Euro. Einen größeren Zusammenschluss mit einem Konkurrenten schließt Schaible aus, gleichwohl seien Akquisitionen von Firmen mit einem Umsatzvolumen bis 30 Millionen Euro denkbar.

    Wo Roland Berger Schwerpunkte für die Zukunft sieht

    Für die Stoßrichtung beim Wachstum hat die Beratungsgesellschaft mehrere Segmente ausgemacht. Zum einen geht es um Beratung bei neuen Technologien für die digital gesteuerte Produktion in der Industrie. Verstärkt werden soll auch die Expertise bei Datenanalyse und Diensten wie Software-Anwendungen über das Internet.

    Dazu kommt ESG als neues Hype-Thema in der Branche – man begleitet seine Mandanten also dabei, sozial-ökologische Maßnahmen sowie Prinzipien umzusetzen und einzuhalten. Berater nutzen hier neue Technologien, um etwa die Lieferketten von Industriefirmen mit Blick auf ihren CO2-Fußabdruck zu analysieren und zu verbessern. Auf derartige Beratung setzen auch Konkurrenten wie Kearney aus Düsseldorf.

    „Bei allem ist absolute Maßgabe, unsere Unabhängigkeit zu sichern“, sagt Schaible. Quelle: Jan Voth / Roland Berger
    Stefan Schaible

    „Bei allem ist absolute Maßgabe, unsere Unabhängigkeit zu sichern“, sagt Schaible.

    (Foto: Jan Voth / Roland Berger)

    Ein weiterer Schwerpunkt soll die „Robuste Organisation“ sein, also die Neuausrichtung von Unternehmen mit dem Ziel, diese weniger anfällig für künftige Krisen zu machen. Berger dürfte hier seine Expertise in der Restrukturierung nutzen und ausbauen.

    Angetrieben wird Berger von der aktuell starken Konjunktur. Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie und dem branchenweiten Umsatzrückgang im Jahr 2020 boomt das Geschäft der Unternehmensberater wieder. Laut dem Branchenverband BDU erwarten die Beratungen in diesem Jahr ein Wachstum von neun Prozent.

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    Als eine der wenigen Beratungsgesellschaften publiziert Roland Berger exakte Geschäftszahlen, die im Bundesanzeiger einsehbar sind. Danach erlebte die Beratung 2020 ein schwieriges Jahr mit einem Umsatzrückgang von neun Prozent auf 586 Millionen Euro.

    Die Corona-Pandemie und der Beratungsstopp vieler Firmen hinterließen bei Berger somit deutlichere Spuren als bei einigen Konkurrenten. So konnten McKinsey und Boston Consulting 2020 eigenen Angaben zufolge weiter zulegen, allerdings fehlen hier exakte Umsatzzahlen.

    Roland Berger will Milliardengrenze beim Umsatz durchbrechen

    In diesem Jahr will Roland Berger aber wieder das Niveau von 2019 überschreiten. Geplant ist es, den Umsatz um 15 Prozent zu steigern – die Zielmarke liegt bei mindestens 640 Millionen Euro. Schaible hat als weiteres Ziel bis zum Jahr 2024 die Umsatzmarke von einer Milliarde Dollar ausgegeben, also zu aktuellen Kursen umgerechnet 840 Millionen Euro.

    Dazu sollen die Zukäufe kleinerer Beratungen beitragen, für die sich die Münchener finanziell gut gerüstet sehen. Schaible unterstreicht, dass die Profitabilität auch im Krisenjahr 2020 hoch gewesen sei. Laut Geschäftsbericht kam die Gesellschaft 2020 auf eine Marge beim bereinigten Gewinn (Ebitda) von rund zehn Prozent.

    Im Boomjahr 2021 dürfte der Wert in Richtung 15 Prozent gehen. Schaible will keinen konkreten Ziele nennen, sagt aber: „Wir werden das Margenniveau, das wir uns für 2024 vorgenommen haben, nun schon in diesem Jahr erreichen.“

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    Aus den Geschäftsberichten der vergangenen Jahre lässt sich errechnen, dass Roland Berger in der Bilanz aufgeräumt hat. Die Finanzverpflichtungen lagen 2020 bei 52 Millionen Euro und damit unterhalb des Nettoumlaufvermögens. 2017 wies die Bilanz noch einen fast drei Mal so hohen Wert aus.

    Das Eigenkapital ist seit 2018 von 147 Millionen auf 168 Millionen Euro gestiegen. Das Unternehmen hat in den Jahren den Großteil des Jahresüberschusses ins Eigenkapital transferiert. Wichtiger noch: 80 Prozent des Eigenkapitals werden den aktiven Partnern zugerechnet, nur noch 20 Prozent fallen auf das Mezzanine-Kapital.

    Letzteres wurde einst von der Roland Berger Stiftung des Firmengründers eingebracht. 2015 machte das Mezzanine-Kapital noch 66 Prozent aus. Es handelt sich dabei um eine Kapital-Mischform, bei der Geldgebern meist keine weitere Stimmrechte eingeräumt werden.

    Dennoch: Das Krisenjahr 2020 hat die Arbeit der Berater von Roland Berger dauerhaft verändert. „Die Corona-Pandemie hat sich auch in unserer Branche disruptiv ausgewirkt. Vorher war es praktisch kaum denkbar, dass Akquise und Projektarbeit bei den Kunden über Videoplattformen erfolgen“, sagt Schaible. „Das ist nun akzeptiert. Uns gibt das die Möglichkeit, mit den Kernteams global präsent zu sein, ohne ständig hin- und herfliegen zu müssen.“

    Mehr: Die Berater-Lücke: Consultants und Wirtschaftsprüfer wollen fast 27.000 Stellen neu besetzen

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