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Coworking-Unternehmen WeWork-Gründer Neumann treibt Börsengang voran, hat aber ein Problem

Ex-Offizier Neumann will seine Firma „We Company“ an die Börse bringen. Der Büroraum-Vermieter ist zwar mit 47 Milliarden Dollar bewertet, macht aber noch immer Verluste.
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Ursprünglich wollte er mit Babykleidung reich werden. Doch es kam anders. Quelle: Reuters
Adam Neumann

Ursprünglich wollte er mit Babykleidung reich werden. Doch es kam anders.

(Foto: Reuters)

New York Dass Adam Neumann kein Langweiler ist, davon zeugen Biografie und Erscheinungsbild gleichermaßen: Der zum Teil im Kibbuz aufgewachsene Israeli und Ex-Marineoffizier mit dem schwarzen welligen Haar ist groß gewachsen, meist schwarz gekleidet und hat Hollywood-Glamour. Schließlich ist er mit der Cousine der Schauspielerin Gwyneth Paltrow, Rebekah Paltrow, verheiratet. Mit ihren fünf Kindern lebt die Familie im teuren New Yorker Viertel Greenwich Village.

Ohne Frage, Adam Neumann hat außerdem noch das Unternehmer-Gen: Der 40-Jährige bringt demnächst seine weltweite Co-Working-Kette We Company an die Börse; mit der Einreichung des sogenannten S1-Formulars bei der Börsenaufsicht SEC legte das Start-up diese Woche erste grundlegende Geschäftsinformationen für potenzielle Investoren offen. Nach Uber und Lyft könnte es einer der größten Börsengänge des Jahres werden.

Gegründet hat Neumann das Unternehmen unter dem Namen WeWork zusammen mit dem Architekten Miguel McKelvey. Die beiden hatten sich in Brooklyn kennen gelernt, wo sie Büros im gleichen Gebäude gemietet hatten.

Damals wollte Neumann mit seiner Firma „Krawlers“ noch mit gepolsterten Baby-Hosen Geld verdienen. Als Büronachbarn fiel ihnen auf, dass viele Büros leer standen. Gemeinsam überredeten sie den Hausbesitzer, ihnen die Flächen zu vermieten, damit sie diese mit Recycling-Möbeln und Ökostrom aufpeppen und untervermieten konnten.

Ihr Start-up nannten sie „Green Desk“ und verkauften es zwei Jahre später, im Jahr 2010, für ein paar Millionen. Damit legten sie den Grundstein für WeWork: Ökologie stand nicht mehr im Mittelpunkt, dafür aber das Wir-Gefühl. Bei WeWork gibt es hippe, flexible Büros mit Gemeinschaftsräumen, Gratis-Kaffee und Zitronenwasser.

Die Kunden können sich monats-, wochen- oder tageweise einmieten. Die beiden Start-up-Unternehmer fanden schnell Investoren für ihre Idee und expandierten rasant. Mittlerweile hat Neumann den Namen des Unternehmens in „We Company“ geändert.

Wie aus dem Prospekt für den Börsengang hervorgeht, ist das Unternehmen derzeit in 111 Städten der Welt mit 528 Standorten präsent, insgesamt 527.000 Menschen nutzen die Büros. Der größte Investor, die japanische Softbank, bewertete das Unternehmen bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar mit 47 Milliarden Dollar.

Neumanns Name taucht 169-mal im Börsenprospekt auf

Neumann ist bekannt für sein philosophisches Pathos. Er wolle „das Bewusstsein der Welt“ auf eine neue Stufe bringen, sagt er zum Beispiel. „WeWork hat immer geglaubt, dass wir gemeinsam besser sind.“ Wie zentral Neumann für WeWork ist, wird auch beim Lesen des Börsenprospekts klar: Sein Name wird dort 169-mal erwähnt. Das hat selbst Tesla-Chef Elon Musk nicht geschafft.

Doch von Gewinnen fehlt derzeit noch jede Spur. Im vergangenen Jahr hat WeWork bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar netto 1,6 Milliarden Dollar verloren. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag der Umsatz bei 1,5 Milliarden Dollar und der Verlust bei 690 Millionen Dollar.

„Ein Großteil von Adams Genie ist seine Fähigkeit, enorme Mengen Geld einzusammeln“, sagte Cheni Yerushalmi, ein Freund, dessen eigenes Coworking-Unternehmen von WeWork aus dem Markt gedrängt wurde. Neumann hängt zudem der Ruf an, mit dem Geld anderer recht lax umzugehen.

So hat er sich gleich mehrfach über das Unternehmen mit günstigen Krediten versorgt: Im Jahr 2016 lieh er sich sieben Millionen Dollar zu einem extrem niedrigen Zinssatz von 0,64 Prozent, was er ein Jahr später zurückzahlte.

Auch sonst werden Neumann Interessenkonflikte vorgeworfen: Er ist unter anderem in die Kritik geraten, weil sein Unternehmen Immobilien mietete, die ihm gehören. Nun muss er die Investoren überzeugen, dass sein Unternehmen transparent und die vielen Milliarden auch wert ist.

Mehr: Obwohl WeWork auf absehbare Zeit keine Gewinne plant, nimmt er Kurs auf die Wall Street. Die Aktienemission soll 3,5 Milliarden US-Dollar umfassen.

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