David Fattal

Sein Geld verdient der Unternehmer hauptsächlich in Deutschland.

(Foto: Amin Akhtar/laif)

David Fattal Vom Rezeptionisten zum Milliardär – Leonardo-Gründer auf Expansionskurs

Den ersten Hotel-Job besorgte David Fattal ein Freund. Heute gehört dem „Leonardo“-Gründer eine ganze Hotelkette. Wert? Fast eine Milliarde Euro.
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BerlinAuf seine Vorstandsbezüge von 2,14 Millionen Euro könnte David Fattal, Gründer der Hotelkette „Leonardo“, spielend verzichten. Allein seit Mitte Februar ist der Wert seines Aktienpakets um 159 Millionen Euro gestiegen. Eine gewaltige Leistung für den 61 Jahre alten Israeli, der einst als Rezeptionist begonnen hatte – ein Job, den ihm ein Freund im Hotel seines Onkels vermittelt hatte.

Die Millionen scheinen im Rückblick wie leicht verdientes Geld. Kurz nach dem Jahreswechsel hatte sich der stets braun gebrannte Entrepreneur, der dem „Kojak“-Darsteller Telly Savalas ähnlich sieht, entschieden, per Kapitalerhöhung einen Teil seiner Hotel-Firma in Tel Aviv an die Börse zu bringen. 

Am Ende wurden es 11,5 Prozent, was der 1998 gegründeten Fattal Holdings frisches Kapital von umgerechnet 119 Millionen Euro einbrachte – und den Konzern mit 1,04 Milliarden Euro bewertete.

Die Hotels der deutschen Milliardäre
Öschberghof in Donaueschingen
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Nach zweijähriger Bauzeit soll das Luxushotel „Öschberghof“ in Donaueschingen im Mai neu eröffnen. Mehr als 55 Millionen Euro haben die Betreiber in den Umbau gesteckt – entstanden sind eine neue Halle, neue Zimmer in einem neu gebauten Gebäude (siehe Modellabbildung) sowie ein neues Spa und ein Golfplatz. Hinter dem „Öschberghof“ stehen vermögende Eigentümer: Der Gründer der Discount-Kette Aldi Süd, der 2014 verstorbene Karl Albrecht, ließ das Hotel 1976 bauen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Brenners Park-Hotel in Baden-Baden
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Albrecht ist nicht der einzige deutsche Milliardär, der sich neben seinem Hauptberuf in der Luxus-Hotellerie versucht hat. Auch der inzwischen verstorbene Lebensmittel-König Rudolf-August Oetker erwarb während des Zweiten Weltkriegs das „Brenners Park-Hotel“ in Baden-Baden. Mit sieben weiteren Luxusherbergen, allesamt im Ausland, ist die „Oetker Collection“ heute Teil des Bielefelder Puddingkonzerns.

The Fontenay in Hamburg
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Der Ende der 60er-Jahre von Hamburg an den Zürichsee übergesiedelte Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne („Kühne + Nagel“) startet soeben mit dem „The Fontenay“ in Hamburg. Der 80-jährige Milliardär will es zum „besten Hotel Deutschlands“ machen, glaubt aber selbst kaum noch an eine ordentliche Rendite. Kühne besitzt außerdem das kleine Luxus-Boutiquehotel „Castell Son Claret“ auf Mallorca.

Vila Vita in Portugal
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Reinfried Pohl, der Gründer des Versicherungsvertriebs DVAG, fügte vor seinem Tod im Jahr 2014 die Hotelkette „Vila Vita“ zusammen. Dazu gehört das „Vila Vita Parc“ an der Algarve, von der Zeitschrift „Geo Saison“ zum zweitbesten Strandresort Europas gewählt, aber auch das Fünf-Sterne-Haus „Vila Vita Rosenpark“ an Pohls langjährigem Wohnort Marburg.

Grand Elysée in Hamburg
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Mit dem Hamburger Luxus-Hotel „Grand Elysée“ hat sich der Gründer der Steakhauskette „Blockhouse“, Eugen Block, einen Lebenstraum erfüllt.

Tschuggen in der Schweiz
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Karl-Heinz Klipp, der Gründer der einst börsennotierten „Massa“-Supermärkte, die später von Metro gekauft und zum Großteil unter der Marke „Real“ weitergeführt wurden, verstarb im Oktober 2017. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer hinterließ Luxushotels wie das „Tschuggen“ im Schweizer Arosa, das Sporthotel „Valsana“, ebenfalls in Arosa, oder das „The Carlton“ in St. Moritz.

Louis C. Jacob in Hamburg
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Der Erfinder der Aida-Kreuzfahrten betreibt über seine Deutsche Seereederei (DSR) die Nobelherberge „Louis C. Jacob“ in Hamburg. In Horst Rahes Reich befinden sich ebenso die „A-Rosa-Resort Hotels“ auf Sylt, in Travemünde, Kitzbühel und am Scharmützelsee.

Schon den Ausgabepreis hielten die begleitenden Banken, die kurz vor dem IPO noch einmal die Erwartungen zurückschraubten, für gewagt. In nur vier Monaten aber bewegten sich die Papiere um stattliche 24 Prozent nach oben, wozu auch die Veröffentlichung des Vorjahresgewinns beigetragen haben dürfte. Bei einem Umsatz von 622 Millionen Euro blieben 2017 netto 46 Millionen Euro hängen. Zum Vergleich: Europas größter Hotelbetreiber Accor („Ibis“, „Mercure“, „Pullman“) bietet 19-mal so viele Zimmer wie Fattal, erzielte damit vergangenes Jahr aber gerade einmal das Neunfache an Gewinn.

Hauptnutznießer ist der Gründer selbst. Denn selbst nach dem Börsengang hält der Israeli mit 63,5 Prozent die Mehrheit. Neben dem israelischen Versicherungskonzern Migdal (16,4 Prozent) muss er als Großaktionärin lediglich seine Ex-Gattin Hadassah Fattal dulden, deren Anteil durch den Börsengang auf 8,5 Prozent schrumpfte.

Geld verdient David Fattal ansonsten vorzugsweise in Deutschland. Dort befinden sich 49 seiner 170 Häuser (69 in Eigenbesitz), in der Bundesrepublik setzte Fattal vergangenes Jahr 274 der konzernweit 622 Millionen Euro um.

Dass ihn der Verdienst zum Milliardär machte, verdankt er einer cleveren Idee: Nach dem Vorbild von Aldi oder dm schmiedete er vor zwölf Jahren eine No-Name-Strategie. Die Erkenntnis kam spät. Lange hatte der israelische Hotelbetreiber, um Gäste zu locken, Marken wie „Le Meridien“, „Holiday Inn“ oder „Best Western“ lizenziert. Für Label und Konzept zahlte er den Franchisegebern rund sieben Prozent vom Umsatz. 2006 steuerte er um. Fattal übernahm in Nürnberg das „Leonardo“, um fortan unter dieser Eigenmarke eine Kette aufzubauen. Besser gesagt: massiv zuzukaufen.

2013 übernahm Fattal Holdings für 300 Millionen Euro die Queens Moat Houses Holding, deren 20 „Holiday Inn“- „Best Western“- und „Queens“-Häuser er auf das „Leonardo“-Konzept umstellte. Gleichzeitig entwickelte der Chef ein Gespür für lukrative Deals. In München verkaufte er neulich ein „Leonardo Royal“ mit 424 Zimmern zum Traumpreis von 157 Millionen Euro an Invest Corp., um es für 30 Jahre zurückzupachten. In den eigenen Büchern hatte Fattal die Immobilien um 25 Millionen Euro niedriger bewertet. „Das Geld stecken wir fast komplett in die Expansion“, sagte Europachef Daniel Roger jetzt dem Handelsblatt.

Auf bis zu 220 Häuser wolle man in den nächsten Jahren kommen. „Mit jedem erfolgreichen neuen Haus zahlt Fattal auf die eigene Marke ein“, hält Moritz Dietl, Geschäftsführer der Beratungsfirma Treugast, die Strategie für durchdacht. „Er kreiert damit Extrawert und spart zudem die Franchisegebühr.“

Am Donnerstag folgte dazu per Vertragsabschluss ein weiterer Schritt. Für 160 Millionen Euro wird der „Leonardo“-Mutterkonzern danach in den Niederlanden die European Hotel Management B.V. übernehmen, die ihre 13 Häuser derzeit vorzugsweise unter der Marke „Apollo“ betreibt.

Wachstum dank massiver Zukäufe

Ende 2017 hatte Fattal einen noch größeren Coup gelandet. Dem Finanzinvestor Lonestar kaufte er gemeinsam mit der schwedischen Hotelkette Pandox den irisch-britischen Wettbewerber Jury’s Inn ab, der europaweit 36 Herbergen betreibt. An dem 900 Millionen Euro schweren Deal war der Unternehmer aus Haifa mit 120 Millionen Euro beteiligt.

Seine Firma wird dort nun das komplette Hotelmanagement leisten, was den Konzernumsatz 2018 um fast 50 Prozent nach oben treibt. „Ob wir weiter mit der Marke Jury’s Inn gehen oder ein Rebranding vornehmen, um den Bekanntheitsgrad der Leonardo Hotels in UK zu stärken, muss noch entschieden werden“, sagt Europachef Roger.

Fest steht allerdings: Allein auf seine Marke „Leonardo“ will sich Fattal in Europa nicht mehr verlassen. So eröffnet nächsten Monat das erste deutsche Haus des Patriarchen, das unter dem Namen „Nyx“ ein jugendlicheres Publikum anziehen soll. Nach erfolgreichen Anläufen in Tel Aviv, Mailand, Madrid und Prag gehen in München 220 Zimmer mit Vier-Sterne-Komfort an den Start. „Auch in Düsseldorf wollen wir 2019 loslegen“, hofft Roger. Hamburg soll ein Jahr später folgen, an der Kölner Messe ist der Start für 2021/22 geplant.

Mit den Lifestyle-Herbergen steht der „Leonardo“-Mutterkonzern allerdings im harten Wettbewerb. Ein ähnliches Konzept lässt derzeit die Hotelkette „25hours“, an der sich Accor beteiligt hat, kräftig expandieren. Elf Häuser im deutschsprachigen Europa gibt es schon, eine Eröffnung in Paris soll bald schon folgen. Auch die Hamburger Novum Hotel Group prescht seit Februar mit der Marke „Niu“ in die Lifestyle-Hotelerie. Man habe deutschlandweit bereits 27 Standorte gesichert, erzählen die Betreiber.

Dass es für die „Leonardo“-Schwester nicht ganz so schnell vorangeht, liegt teilweise an fehlenden behördlichen Genehmigungen. Einer der Gründe: „Nyx“, benannt nach der griechischen Göttin der Nacht, will nicht nur mit Kunst innerhalb der Herbergen überzeugen, sondern auch an den Außenfassaden, etwa in Form von Graffiti oder Street Art.

Allerdings fand Fattal einen attraktiven Gastronomiepartner: In München startet das „Nyx“ mit dem hippen Burger-Restaurant „Hans im Glück“. Auch für Düsseldorf ist diese Kombination geplant. Vorangetrieben wird das erstmals vor drei Jahren in Tel Aviv getestete „Nyx“-Konzept von Assaf Fattal, einem der drei Söhne des Firmengründers, die allesamt im Hotelkonzern beschäftigt sind.

Auf die Gelegenheit, den Vater an der Spitze ablösen zu können, wird das Trio freilich warten müssen. „David Fattal hat noch so viel Freude am Hotelgeschäft, dass es absolut keine Option für ihn ist, sich zur Ruhe zu setzen“, sagt Daniel Roger. Der in Chile geborene Europachef dürfte dafür Verständnis haben. Er selbst ist 72.

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