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Deutsche Bahn Scheuer plant Trans-Europa-Express – aber der Bahn geht das Geld aus

Der Aufsichtsrat des Konzerns muss sich mit den Folgen der Pandemie beschäftigen. Das Unternehmen wird nicht einmal seine ICE selbst bezahlen können.
08.12.2020 - 16:43 Uhr Kommentieren
Im Kerngeschäft verdient der Konzern zu wenig, um die bestellten Züge bezahlen zu können. Quelle: dpa
ICE der Deutschen Bahn

Im Kerngeschäft verdient der Konzern zu wenig, um die bestellten Züge bezahlen zu können.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit Monaten trommelt Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für seinen Trans-Europa-Express 2.0. Schnelle, grenzüberschreitende Zugverbindungen sollen die europäischen Metropolen verbinden. Immerhin konnten sich die vier Staatsbahnen Deutsche Bahn, ÖBB, SNCF und SBB jetzt auf sieben neue Nachtzugverbindungen verständigen.

Das kündigten die Unternehmen am Dienstag am Rande der EU-Verkehrsministerkonferenz unter Leitung von Scheuer an: „Abends in München oder Berlin in den Zug steigen und morgens entspannt in Paris oder Brüssel ankommen – mit unserem Trans-Europ-Express TEE 2.0 und attraktiven Nachtzugangeboten auf der Schiene sind wir künftig in Europa noch klima- und umweltfreundlicher unterwegs“, sagte Scheuer.

Noch offen dürfte die Finanzierung sein. Die Deutsche Bahn hat vor Jahren ihre Nachtzüge eingestellt, weil sie hohe Verluste einfuhren. Seitdem dominiert die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) mit ihrem Nightjet das Geschäft in Europa. Auslandslinien werden schon heute in Kooperation mit anderen Bahngesellschaften betrieben.

Für Bahnchef Richard Lutz gibt es dazu wohl auch keine Alternative. „Der Nachtzug ist ein Geschäft unter Partnern“, sagte Lutz bei der Vertragsunterzeichnung. „Wenn jede Bahn ein bisschen Nachtzug machen würde, wäre niemandem geholfen. Die Lösung ist eine klare Arbeitsteilung, eingebettet in echtes Teamplay.“

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    Lutz hat ohnehin größere Sorgen, als jetzt auch noch ein transeuropäisches Zugnetz mit Priorität aufzuziehen. Die Corona-Pandemie hat den größten europäischen Eisenbahnkonzern tief in die Krise gestürzt. Und die Zweifel wachsen, ob die Deutsche Bahn jemals wieder herausfinden wird.

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    Rechnete Vorstandschef Lutz noch zu Beginn der Coronakrise damit, nach 2021 langsam wieder zum Normalbetrieb übergehen zu können, so sieht er heute, dass sich die Krise länger hinziehen wird. Das muss Lutz am Mittwoch auch dem Aufsichtsrat erklären, dem er die neue mittelfristige Finanzplanung vorlegt.

    Fernverkehrsflotte soll wachsen

    Dieses Jahr wird das dunkelste in der Geschichte des Konzerns. Die Bahn wird den Unterlagen zufolge 5,6 Milliarden Euro Gesamtverlust ausweisen. Allein 3,3 Milliarden Euro Defizit entstehen im operativen Eisenbahngeschäft. Der Rest sind Wertberichtigungen, vor allem auf die britische Tochter Arriva. Im kommenden Jahr rechnet Lutz mit einer Halbierung des operativen Ergebnisses, ein Jahr darauf mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

    Nicht alle Bahnkontrolleure teilen diesen Optimismus. Aufsichtsratsvize Klaus-Dieter Hommel ist wesentlich skeptischer. „Kommen die Berufsfahrer zurück, brauchen wir neue Geschäftsmodelle?“ Das fragt der neue Chef der Bahngewerkschaft EVG. Hommel will die Planungen des Bahnvorstands nicht einfach akzeptieren und kündigte an, das Thema auf der Sitzung des Aufsichtsrates auf den Tisch zu bringen. Für den Gewerkschafter steht jedenfalls fest: „Eine Verdoppelung der Beförderungszahlen ist derzeit unrealistisch.“

    Genau daran allerdings hält der Bahnvorstand weiterhin fest. Bahnchef Lutz hatte sich mit seiner Dachstrategie für den Staatskonzern, genannt „Starke Schiene“, im Juni 2019 darauf festgelegt, die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr bis 2030 auf 260 Millionen zu steigern. Zum Vergleich: Im letzten Normaljahr 2019 nutzten rund 150 Millionen Fahrgäste die Fernzüge.

    Mit diesem Ziel verbunden ist auch ein gigantisches Investitionsprogramm in neue ICE und Intercity-Fahrzeuge. Alle drei Wochen rollt derzeit ein neuer ICE an. Die Flotte soll auf 421 ICE aufgestockt werden, plus neue Intercitys wächst die Fernverkehrsflotte auf mehr als 600 Einheiten. Das erfordert Milliarden Euro an Investitionen. Geld, das die Bahn bislang selbst verdienen wollte. Der Staat finanziert nur Investitionen in die Infrastruktur.

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    Doch genau an dieser Stelle öffnet sich im Finanzplan der Deutschen Bahn eine Riesenlücke. Der Fernverkehr wird auf Jahre als Finanzierungsquelle für Investitionen ausfallen. Und auch die anderen Geschäftsbereiche der Bahn werden das nicht ausgleichen können.

    Schulden könnten auf 32 Milliarden ansteigen

    Im Kerngeschäft verdient der Staatskonzern schlicht zu wenig, um die bestellten Züge in einem Gesamtwert von fast zehn Milliarden Euro bezahlen zu können. Die recht zuverlässig fließenden Gewinne aus der Infrastruktur von zuletzt rund einer Milliarde Euro (2019) darf die Bahn wieder in die Infrastruktur stecken, um wettbewerbsneutral zu sein. Die Güterbahn DB Cargo wird noch auf Jahre tiefrote Zahlen schreiben. Und der Regionalverkehr ist hoch subventioniert und wenig profitabel.

    ICEs und ICs fuhren dagegen mit wachsenden Reisendenzahlen auch wachsende Gewinne ein. Über eine halbe Milliarde Euro hätten es in diesem Jahr werden sollen. Tatsächlich brach das Ergebnis (Ebit) aber schon zum Halbjahr auf minus 720 Millionen Euro ein.

    Bahn und Bund sehen daher keine andere Lösung als die im Mai vereinbarte Kapitalspritze des Staates über fünf Milliarden Euro für die Corona-Schäden (bis 2024) plus der insgesamt elf Milliarden Euro Eigenkapital (bis 2030) aus dem Klimapaket. Doch die Mittel sind bislang noch nicht einmal bei der Brüsseler Wettbewerbsbehörde notifiziert.

    Scheuer verhandelt nach Aussagen vor dem Finanzausschuss des Bundestages noch die Bedingungen. Und da sieht es so aus, als werde Brüssel die Milliarden aus der Staatskasse nicht einfach durchwinken. Schon gar nicht mehr in diesem Jahr.

    Der Aufsichtsrat der Bahn wird deshalb auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Schulden der Bahn im Coronajahr 2020 auf 32 Milliarden Euro steigen. Zu viel, um ausgerechnet jetzt von transeuropäischen Eisenbahnnetzen zu träumen.

    Mehr: Deutsche Bahn muss mit Finanzloch von 9,6 Milliarden Euro kämpfen

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