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Deutschlands beste Anwälte Der zögerliche Aufbruch ins Digital-Zeitalter

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„Da sind Anwälte schlicht unkreativ“
Wo Juristen arbeiten wollen
Über die Studie
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„Trendence“, ein Beratungs- und Forschungsunternehmen für Employer Branding und Personalmarketing, hat im Mai und Juni dieses Jahres etwa 2.300 Studierende und Referendare der Rechtswissenschaften sowie Volljuristen zu Karrierevorstellungen und Erwartungen befragt.

Quelle: Trendence Graduate Barometer 2015 - German Law Edition

(Foto: Imago)
10. Noerr LLP
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Zentrales Ergebnis: Großkanzleien sinken in der Gunst der Nachwuchsjuristen am stärksten. Einzig Noerr LLP ist eine positive Ausnahme und steigt von Rang 13 auf 10. Die Wirtschaftskanzlei teilt sich den 10. Platz mit...

(Foto: Screenshot)
10. Clifford Chance
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...Clifford Chance. Die Anwaltssozietät mit weltweit mehr als 3400 Rechtsberatern verliert drei Plätze im Ranking und kommt nur noch auf 5,9 Prozent.

(Foto: Screenshot)
9. Gleiss Lutz
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Mehr als 300 Anwälte arbeiten für Gleiss Lutz. Beim Nachwuchs ist die Wirtschaftskanzlei nicht mehr so beliebt wie 2014. Mit 6,1 Prozent ging es einen Platz runter.

(Foto: Imago)
8. BMW Group (BMW, Mini, Rolls-Royce)
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Die Automobilhersteller düsen auf der Überholspur: Zu den sieben Arbeitgebern, die am stärksten in der Wertschätzung der Nachwuchsjuristen gestiegen sind, gehört neben Porsche, Audi und Volkswagen auch die BMW Group (6,7 Prozent).

(Foto: ap)
6. Hengeler Mueller
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Die Großkanzleien entsprechen immer weniger den Vorstellungen der Bewerber. Das bekommt auch Hengeler Mueller mit einem Minus von 1,8 Prozent zu spüren. Die Sozietät teilt sich Platz 6 mit...

(Foto: Screenshot)
6. Audi AG
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Die Audi AG genießt ein Hochglanz-Image, auch bei den Juristen. Das zeigt sich im Ranking, in dem der Ingolstädter Autobauer mit 7,3 Prozent von Platz 9 auf 6 rast.

(Foto: dpa)

Auch die verbreitete Skepsis gegenüber Datenschutzfragen bei webbasierten Cloud-Lösungen und der Datensicherheit wiegt schwer. Meder, dessen Produkt ebenfalls webbasiert läuft, lässt diese Bedenken nicht gelten: „Nicht nur in den USA ist das selbstverständlich. Auch in vielen europäischen Ländern werden heutzutage webbasierte Lösungen bevorzugt. Diese Trendwende setzt hierzulande erst ein und das, obwohl nirgendwo auf der Welt die Daten sicherer sind als in Deutschland.“

Ein weiterer Faktor, der der technischen Innovationsfähigkeit im Rechtsberatungsmarkt entgegenwirke, sei der fehlende Investitionswille auf Unternehmensseite. „Deutsche Rechtsabteilungen verfügen oftmals über keine eigenen IT-Budgets“, erklärt Meder. „Anders als etwa ihre amerikanischen Kollegen können sie nicht einfach sagen: Lasst uns dies oder jenes ausprobieren! – selbst wenn sie es wollten.“ Für Fehlinvestitionen gebe es in der deutschen Unternehmenswelt keinen Raum, die Risikobereitschaft sei gering.

Dass die Digitalisierung eine ganz normale Entwicklung und kein Hexenwerk ist, sieht nicht nur Meder so. „Anwälte vertreiben ihre Dienstleistung heute ortsunabhängig, Kunden fragen global nach und vergleichen die Preise. Ein ganz normaler Trend also“, winkt Carsten Reimann ab. „Kanzleien sind ja nicht von vorgestern. Sie handeln vermehrt unternehmerisch und setzen deshalb auch IT-Tools ein“, sagt der Gründer und Chef von Xenion Legal. Sein Unternehmen bietet Legal Outsourcing an. „Wo ich deutliche Grenzen sehe, ist bei den Szenarien, die sich mit der Zukunft von Rechtsdienstleistungen aus Kundensicht beschäftigen. Da sind Anwälte schlicht unkreativ.“

Ihn überrascht es daher nicht, dass Kanzleien dem Einsatz von Software kritisch gegenüberstehen. „Rechtsberater sind nur deshalb so spät dran, weil sie ihr Geschäft bisher gut schützen konnten. Anwaltszulassung, Sprachnischen und nationale Rechtssysteme verhinderten bisher das Eindringen fachfremder Berufspraktiker.“ Gerade der letzte Punkt wiegt für Reimann schwer, denn seine Geschäftsidee fußt auf der Überzeugung, dass sich auf Unternehmensseite der Einkauf von Rechtsberatung verändere. „Diese wird in ihre Einzelbestandteile heruntergebrochen werden. Denn längst nicht alles, was Anwälte verkaufen, ist juristische Kärrnerarbeit“, sagt Reimann.

Die meisten Kanzleipartner hätten einfach nur Angst. Angst vor dem sinkenden Gehalt. Angst davor, dass ihr Arbeitsalltag nur noch aus dem Bedienen von Software besteht. Angst vor Robotern, die ihnen die Mandanten ganz wegnehmen könnten.

Reimann sieht den Einsatz von KI im Rechtsberatungsmarkt als unausweichlich und skizziert zwei Strömungen: „Auf der einen Seite werden bestimmte Aufgaben von Software übernommen, was eine Standardisierung bestimmter Aufgaben zur Folge haben wird“, sagt der Xenion-Chef. „Auf der anderen Seite bearbeiten lernfähige Algorithmen mehr und mehr komplexe Themen, wie die inhaltliche Auswertung von Verträgen oder großen Datenmengen.“

Für den Legal-Tech-Beobachter Bues stellt dies eine unaufhaltsame Entwicklung dar: „Eine Kanzlei, die glaubt, in fünf Jahren erst auf diesen Zug aufspringen zu können, irrt sich. Denn in fünf Jahren haben etwa lernfähige Algorithmen beim Wettbewerber schon mehrere Millionen Verträge analysiert und daraus gelernt.“ Bues ist überzeugt davon, dass die Folgen weitreichender sein werden, als es viele heute erahnen.

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