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Dienstleister „Die Coronakrise hat uns Messebauer mit voller Wucht getroffen“

Das Coronavirus zwingt viele Veranstalter dazu, Messen abzusagen. Dienstleister leiden am meisten darunter. Kurzarbeit hilft, denn der Branche geht es sonst gut.
12.03.2020 - 04:11 Uhr Kommentieren
Knapp 300.000 Messebesucher wurden erwartet, die nun storniert haben. Quelle: dpa
Absage der Leipziger Buchmesse

Knapp 300.000 Messebesucher wurden erwartet, die nun storniert haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Von heute auf morgen haben wir nichts mehr zu tun“, erzählt Sebastian Goers, Chef des Messebauers Lüco in Norderstedt, noch ein bisschen fassungslos. Weil viele Messen aus Angst vor Corona abgesagt oder verschoben wurden, brachen für Lüco in nur drei Tagen alle Aufträge für die nächsten beiden Monate weg. „Die Coronakrise hat uns Messebauer mit voller Wucht getroffen“, sagt der Unternehmer in vierter Generation. Für seine 30 Mitarbeiter musste er bereits Kurzarbeit anmelden.

Die Verschiebung der Hamburger Gastromesse Internorga traf Lüco besonders hart. Die Firma hatte Aufträge für mehr als 100 Stände, dazu noch diverse Sonderflächen. „Alles stand fertig in unserer Halle und sollte am nächsten Tag verladen werden“, so Goers. „Wir müssen deshalb mindestens 80 Prozent unserer Kosten den Ausstellern in Rechnung stellen.“ Schließlich habe seine Firma die Stände gezimmert, Monteure, Lkws, Hotels und Mietmöbel gebucht.

Doch nicht jeder Aussteller verstehe das. Goers verhandelt derzeit, wer was zahlt. Der Dienstleister muss seine Kosten decken, will aber zugleich keinen Kunden vergraulen. „Für ausstellende Unternehmen ist das sicher ärgerlich, für kleine Messebauer aber geht es oft ums Überleben.“

Die Angst vor dem hochansteckenden Coronavirus hat binnen weniger Wochen das deutsche Messegeschäft fast komplett lahmgelegt. Die Eisenwarenmesse in Köln, die Light + Building in Frankfurt oder die Hannover Messe wurden verlegt. Die ITB in Berlin und die Leipziger Buchmesse mussten komplett abgesagt werden. Inzwischen gilt landesweit die Empfehlung der Bundesregierung, auf Großveranstaltungen vorerst zu verzichten. Etliche Bundesländer haben bereits Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Teilnehmern untersagt. Die Messebranche ist verunsichert.

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    Neben Messeveranstaltern und Ausstellern trifft die Krise die diversen Messedienstleister besonders hart. Etliche Messebauer, Techniker, Monteure, Caterer und Möbelverleiher bangen um ihre Existenz. Denn viele sind Kleinunternehmer und haben nur ein dünnes finanzielles Polster.

    Absagen und Verschiebungen aufgrund des neuartigen Coronavirus haben allein der Messebaubranche bis Montag einen Schaden von 890 Millionen Euro bereitet. Das hat der Branchenverband Famab errechnet. Ausfälle für die angeschlossenen Dienstleister wie Cateringunternehmen, Eventagenturen, Technikdienstleister oder Möbellieferanten mit eingerechnet, belaufe sich der Schaden sogar auf rund 2,13 Milliarden Euro. „Leider ist mit einer Entspannung aufgrund der aktuellen Verunsicherung nicht zu rechnen“, fürchtet Famab-Vorstandschef Jörn Huber.

    Untersagen die Behörden die Durchführung einer Messe, kann sich der Aussteller auf höhere Gewalt berufen. Dann muss auch er seine Dienstleister nicht oder zumindest nicht voll bezahlen. „Die Messebauer und Dienstleister sind oft die letzten in der Kette und bleiben meist auf ihren Kosten sitzen“, konstatiert Rechtsanwalt Martin Glöckner, Justiziar des Fachverbands Messen und Ausstellungen (Fama).

    Michael Schuberth, Inhaber von Schuberth International Messebau in Berlin, ist einer der Leidtragenden. Vier Stände hatte er für die kurzfristig abgesagte Reisemesse ITB gebaut. Auch den Stand für den Reiseveranstalter China Tours, der als erste Firma wegen Corona Insolvenz anmelden musste. „Da werden wir leider kein Geld sehen“, fürchtet der Chef eines Drei-Mann-Betriebs. Schuberth setzt auf finanzielle Hilfen der Politik.

    Hoffen auf den Herbst

    Bei der Hotline des Bundeswirtschaftsministeriums gehen täglich über 100 Anrufe ein, meist von kleinen Firmen aus der Messe- und Veranstaltungsbranche. „Wir stellen den Unternehmen schon jetzt Liquidität zur Verfügung“, heißt es. Der bestehende Rahmen dafür reiche aus, könne aber auch ausgeweitet werden.

    Auch für Hotels und Gaststätten bricht ohne Messen wichtiges Geschäft weg. „Die Absage der Buchmesse ist eine Katastrophe“, sagt Holm Retsch, Dehoga-Geschäftsführer des Regionalverbands Leipzig. Knapp 300.000 Messebesucher wurden erwartet, die nun storniert haben. Die Buchmesse ist im März der Hauptumsatzbringer, die meisten Gäste bleiben sonst eine ganze Woche.

    Etwa 80 Prozent der Leipziger Hotels müssen nach Absage der Buchmesse Stornogebühren berechnen. Auch wenn viele Gäste auf Kulanz hoffen. „Tun sie es nicht, gehen sie pleite“, so Retsch. „Denn Hoteliers und Gastronomen müssen ja ihr Personal, Mieten oder Pacht weiterbezahlen.“

    Die Messebranche generiert jährlich mehr als 28 Milliarden Euro für die deutsche Gesamtwirtschaft. Dies hat das Ifo-Institut errechnet. Allein die Absagen und Verschiebungen von Messen, die bis Montag bekannt waren, könnten volkswirtschaftliche Einbußen von zehn Prozent bedeuten, prognostiziert der Messeverband Auma. Der Auma-Vorsitzende Philip Harting warnt: „Mehr als 24.000 Arbeitsplätze sind betroffen, und dem Fiskus gehen über 470 Millionen Euro Steuereinnahmen verloren.“

    Messebauer Goers hofft, dass er die Durststrecke dank Kurzarbeit, Bürgschaften und zinsloser Darlehen überbrücken kann. Vor allem hofft er, dass keiner seiner Tischler in der Zwischenzeit etwa ins Baufach abwandert. Denn im Sommer und Herbst, wenn viele Messen nachgeholt werden, wird es für ihn umso geschäftiger. Dann dürfte es schwierig werden, etwa Monteure zu finden. Goers betont: „Der Messebranche geht es grundsätzlich gut. Vor Corona hatten wir prall gefüllte Auftragsbücher.“

    Mehr: Livestreams können Messen nur schwerlich ersetzen. Ein Kommentar von Katrin Terpitz.

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