Digital-Offensive Bahn-Navigator soll Reisende zum Sitzplatz führen

Bei der Bahn hält die Welt des Internets noch stärker Einzug. Der Konzern arbeitet an rund 150 Projekten mit digitalen Lösungen. Einige davon sollen schon bald die Kunden erfreuen.
Update: 05.06.2015 - 13:31 Uhr Kommentieren
Bis Ende 2015 sollen auch die 255 ICEs der Deutschen Bahn mit Internet ausgerüstet sein. Quelle: dpa
Digitales Zukunftskonzept

Bis Ende 2015 sollen auch die 255 ICEs der Deutschen Bahn mit Internet ausgerüstet sein.

(Foto: dpa)

BerlinDie Deutsche Bahn will das Reisen mit Hilfe des Mobiltelefons komfortabler machen. Dafür stattet der Konzern die Smartphone-App „DB Navigator“ mit neuen Funktionen aus. So sollen sich Fahrgäste bald auf einer Karte den Weg von der Haustür bis zum richtigen Wagen auf dem Abfahrtsgleis zeigen lassen können, kündigte Bahnchef Rüdiger Grube am Freitag in Berlin an. Dazu müssten allerdings in den Bahnhöfen noch Ortungssysteme eingebaut werden.

In einem ersten Schritt wird Ende Juni auf dem Mobiltelefon die Reiseverbindung auf einer Karte sichtbar gemacht. Außerdem können Bahnkunden mit derselben App Autos der Carsharing-Tochter Flinkster buchen und Mietfahrräder finden.

In diesem Herbst werde die Bahn in den ICE-Fernzügen ein Informations- und Unterhaltungsportal installieren, sagte Grube. Das Programm mit Hinweisen zur Reise, Nachrichten aus aller Welt und Reportagen wird über das zuginterne Funknetz (WLAN) auf Mobilgeräten zu empfangen sein. Bislang gibt es einen kostenlosen Internet-Zugang im ICE lediglich in der 1. Klasse. „Im Laufe des Jahres 2016 wird es auch in der 2. Klasse kostenloses WLAN geben“, bestätigte der Bahnchef die bisherigen Pläne.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, Ausschreibungen für regionale Bahnnetze müssten künftig „verpflichtend WLAN enthalten“. Das wolle er bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz im Oktober seinen Kollegen aus den Ländern vorschlagen. Er begrüßte die digitale Initiative der Bahn. Ziel müsse kostenloses WLAN in allen Klassen, im Regionalverkehr und in den Bahnhöfen sein.

So will die Bahn digitaler werden
Wlan
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Wie angekündigt sind inzwischen 5200 Kilometer ICE-Netz ausgerüstet, die 255 ICEs der Bahn sollen es bis Ende 2015 sein. Die Nutzung in der ersten Klasse ist kostenfrei, in der zweite Klasse ist das erst später geplant.

Navigator
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Seit dem Verkaufsstart der Apple Watch vor wenigen Wochen ist dafür auch der DB Navigator verfügbar. Der Navigator bietet Reisauskunft, Fahrkartenbuchung und Echtzeitinformationen über den Reiseverlauf. Noch im Juni ist ein Relaunch geplant mit neuer Optik und Funktionen. Die Reiseauskunft wird auf einer Karte visualisiert und ergänzt durch Standorte von Mietfahrrädern, Carsharing-Angeboten. Die Bahn arbeitet mit ihren „Flinkster“ Fahrzeugen (stationäre Mietwagen) und Car2go von Daimler (flexibles Carsharing) seit wenigen Tagen zusammen.

Digitales ICE-Portal
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Speziell für ICE-Reisende gibt es ab Herbst ein neues Portal mit Reiseinformationen (Pünktlichkeit, Anschlüsse, Position auf der Karte, andere Reiseinfos) sowie Nachrichten. Das Portal ist kostenfrei.

Video-Reisezentren
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Kleine Bahnhöfe, an denen sich bislang nur noch Fahrkartenautomaten befanden, werden mit Video-Reisezentren ausgestattet. Kunden können sich via Video mit einer Zentrale verbinden und dort wie in einem Reisezentrum beraten lasen und auch Fahrkarten kaufen. Nach Pilotprojekten sollen nun Bahnhöfe unter anderem in Bayern und Baden-Württemberg ausgerüstet werden.

Reise-App
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Die Bahn arbeitet an einer Reise-App, die den Kunden am Bahnhof direkt zum richtigen Wagen mit dem reservierten Platz steuert.

Digitale Verkehrsdrehscheibe
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Am Berliner Bahnhof Südkreuz wird gerade die digitale Verkehrsdrehscheibe erprobt. Elektronische Wagenstandsanzeiger verhindern das typische Problem, dass Züge in anderer Wagenreihung einlaufen als angegeben und Hektik beim Einsteigen ausbricht. An jeden Bahnsteigzugang gibt es detaillierte Zuginformationen mit Zwischenhalten. Umsteigewegweiser zeigen den Weg zu Taxen, Carsharing-Fahrzeugen oder Mietfahrrädern an.

Grube berichtete, dass die Bahn an rund 150 Projekten zur Digitalisierung arbeite. Das bedeute „weit mehr als die Entwicklung neuer Apps“. Dabei gehe es zum Beispiel um „sprechende Aufzüge und Rolltreppen“ an Bahnhöfen. Diese könnten eine Störung automatisch an die Technikzentrale melden und entsprechend schnell repariert werden. „Die Anlagen rufen sozusagen selbst nach Hilfe“, erklärte der Bahnchef.

  • dpa
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