Elizabeth Holmes

Ein Bild aus besseren Zeiten: Elizabeth Holmes, damals CEO von Theranos, nimmt an einer Diskussionsrunde während des Jahrestreffens der Clinton Global Initiative in 2015 teil. Heute steht sie vor Gericht, weil sie ihr Technologieimperium auf Betrug aufgebaut haben soll.

(Foto: Reuters)

Elizabeth Holmes Theranos-Gründerin tritt nach Betrugsanklage von CEO-Posten zurück

Betrogene Kunden und Investoren, gefälschte Tests: Einst als Star der Tech-Szene gefeiert, ist Elizabeth Holmes tief gefallen.
Update: 16.06.2018 - 09:04 Uhr Kommentieren

San JoseDie Gründerin der gescheiterten US-Bluttest-Firma Theranos, Elizabeth Holmes, muss sich wegen schweren Betrugs verantworten. Bundesstaatsanwälte erhoben am Freitag Anklage gegen die gefallene Konzernchefin und ihre frühere zweite Hand im Unternehmen, Ramesh Balwani. Dem Duo wird vorgeworfen, Investoren, Politiker, Ärzte und die Öffentlichkeit seit mindestens 2013 über die Wirksamkeit seiner angeblich revolutionären Technologien getäuscht zu haben. Am selben Tag gab Theranos bekannt, dass Holmes als Chefin zurücktrete. An die Firmenspitze soll der bisherige Rechtsbeistand David Taylor rücken.

Die inzwischen 34-jährige Holmes hatte Theranos im Jahr 2003 im kalifornischen Palo Alto gegründet. Ihren Konzern vermarktete sie als Pionier in der Biotechnologie: Theranos habe eine neue Methode für Blutuntersuchungen entdeckt. Dutzende Tests seien nur per Stich in den Finger und ein paar Tropfen Blut möglich. Ihre Angst vor Nadeln habe sie einst zur Gründung der Firma inspiriert, erläuterte Holmes einmal. Sie pflegte sorgsam ihr Image als aufstrebender Star der Tech-Szene. Fast immer trat sie mit schwarzem Rollkragenpullover auf, was ihr den Nimbus als „der nächste Steve Jobs“ einbrachte.

Investoren steckten Hunderte Millionen Dollar in die Start-up-Firma. Zeitweise war das Unternehmen mehr als 10 Milliarden Dollar wert, Holmes galt als jüngste Selfmade-Milliardärin der USA.

Über Theranos' Bluttestmaschine namens Edison ließ das notorisch geheimniskrämerische Unternehmen jedoch kaum Informationen an die Öffentlichkeit oder Fachwelt dringen. Enthüllungen des „Wall Street Journal“ warfen dann vor zwei Jahren Zweifel an der Effektivität der Technologie auf. So kam heraus, dass Theranos für die meisten der Bluttests lediglich Standardausrüstung nutzte. Patienten, die sich auf die Methoden der Firma verließen, setzten sich dem Risiko einer falschen Diagnose aus – oder der Gefahr, dass ihr Leiden nicht erkannt werde, hieß es in dem Bericht des „Wall Street Journal.“

Die Berichterstattung markierte das Anfang vom Ende von Theranos. Die Apothekenkette Walgreens beendete eine Partnerschaft mit der Firma. 2016 untersagte das Gesundheitsministerium dem Start-up jegliche Bluttests. Vor drei Monaten reichte die Börsenaufsicht SEC eine Betrugsklage gegen Holmes und Ex-Manager Balwani ein. Die Gründerin erzielte einen Vergleich und stimmte einem Bußgeld von 500.000 Dollar zu. Erst Anfang des Jahres hatte Theranos das Gros seiner Belegschaft entlassen, es wird ein baldiges Insolvenzverfahren erwartet.

Bei einer Verurteilung wegen der Betrugsvorwürfe drohen Holmes und Balwani lebenslange Haft und Bußgelder von jeweils 2,75 Millionen Dollar.

  • dpa
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