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European Homecare Gewinne bei Deutschlands größtem Flüchtlingsheimbetreiber brechen ein

Jahrelang hat das Essener Familienunternehmen European Homecare mit dem Betrieb von Heimen und Zeltstädten viel verdient. Doch mit den Flüchtlingszahlen gehen auch die Umsätze zurück.
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Deutschlands größter Betreiber von Flüchtlingsheimen kämpft mit schwacher Auftragslage. Quelle: dpa
Flüchtlingsunterkunft von European Homecare in Wolgast, Mecklenburg-Vorpommern

Deutschlands größter Betreiber von Flüchtlingsheimen kämpft mit schwacher Auftragslage.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Essener Flüchtlingsheimbetreiber European Homecare (EHC) muss einen deutlichen Einbruch bei Umsatz und Gewinn verkraften. Wie aus der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 hervorgeht, halbierte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr, von rund 278 Millionen Euro auf 138 Millionen. Der Gewinn viertelte sich, von 32,4 auf 8,6 Millionen Euro.

Auf den Gewinn drückt zudem, dass European Homecare seine Kosten nicht im gleichen Maß senken konnte, wie der Umsatz eingebrochen ist. So sank der Personalaufwand, in dem Löhne, Gehälter und Sozialabgaben enthalten sind, lediglich um 26 Prozent, von rund 88 auf circa 64 Millionen Euro.

Grund für den gesunkenen Umsatz und Gewinn sei der Rückgang der Flüchtlingszahlen gewesen, schreibt Unternehmenschef Sascha Korte im Lagebericht, der der Bilanz vorangestellt ist. Bereits im Jahr 2016, dem Rekordjahr für EHC, habe man sich darauf eingestellt, dass der Rückgang der Asylbewerberzahlen zu Einbußen führt.

Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seien 2017 rund 222.000 Asylbewerber nach Deutschland gekommen, 60.000 weniger als im Vorjahr und nur ein Bruchteil der 890.000 Menschen, die 2015 eingereist seien.  „2017 lag der Schwerpunkt bei unseren Auftraggebern jedoch darin, Einrichtungen beizubehalten, diese dann aber mit erheblich reduzierter Kapazität zu betreiben“, so Korte.

Politik und Verwaltung hätten schlicht nicht sagen können, wie viele Flüchtlinge für 2017 zu erwarten gewesen seien. Die Folge: EHC musste eine ähnliche Zahl von Heimen bei geringerer Auslastung betreiben: „Aufgrund dieses insgesamt geringeren Auftragsvolumens ist es dann zu dem von uns prognostizierten erheblichen Rückgang bei Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter und Ergebnis gekommen“, so Korte.

Ringen um Aufträge

EHC rechnet bei den Kommunen üblicherweise Pauschalen pro betreutem Flüchtling ab. Zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise war das ein lohnendes Geschäft. So sorgte 2016 ein Vertrag der Stadt Essen mit EHC für Aufsehen: Für die Unterbringung von Tausenden, in Zelten untergebrachten Flüchtlingen zahlte die Kommune eine monatliche Pauschale von über 1700 Euro pro Kopf an Kortes Unternehmen.

Selbst Negativ-Schlagzeilen wie die Misshandlung von Flüchtlingen durch Mitarbeiter einer externen Sicherheitsfirma 2014 in einer EHC-Unterkunft in Burbach sowie Berichte über Schlägereien und schlechte Hygienezustände in anderen EHC-Heimen hatten lange Zeit keinen Einfluss auf die Auftragslage.

Doch das Geschäftsmodell kommt angesichts sinkender Flüchtlingszahlen bei einer stabilen Zahl von Heimen an seine Grenzen. An Wachstum ist laut CEO Korte nicht mehr zu denken: „Für das Jahr 2018 gehen wir zum einen davon aus, dass es zu einem weiteren Rückgang bei der Anzahl an Flüchtlingen kommen wird.“ Daher werde das Unternehmen weiter Kapazitäten abbauen und Einrichtungen schließen.

Zudem muss das Unternehmen offenbar um jeden Auftrag kämpfen: So verlor EHC Anfang des Jahres Ausschreibungen für drei vom Land Nordrhein-Westfalen betriebene „Zentrale Unterbringungseinrichtungen“ (ZUE) für Flüchtlinge. Aus einem Schreiben der Bezirksregierung Arnsberg, das dem Handelsblatt vorliegt, geht hervor, dass der einstige Billigheimer unter den Betreiberfirmen bei einigen Ausschreibungen schlicht zu teuer war.

Zudem kritisierten die Verwaltungsbeamten die Konzepte, die EHC für den Betrieb der Heime vorgelegt hatte, etwa für Kinderbetreuung oder Freizeitgestaltung in den Heimen. Die „durchgehend knappe, sehr allgemeine und teilweise sehr oberflächliche Darstellung“ sei hinter allen Mitbewerbern zurückgeblieben, bemängelte die Bezirksregierung, die für die Auswahl der Betreiberfirmen bei Landeseinrichtungen zuständig ist.

EHC wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Doch im Lagebericht räumt Korte ein, „dass Aufträge von unseren Auftraggebern nicht verlängert werden oder im Rahmen von Ausschreibungen auch an andere Betreiber vergeben werden“. Er erwartet daher „für das kommende Jahr einen weiteren erheblichen Rückgang bei Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter und Ergebnis.“ European Homecare werde sich auch weiterhin auf dem Markt behaupten können, allerdings auf deutlich geringerem Niveau als vorher.

Mehr: Europa igelt sich ein, Asylsuchende haben es immer schwerer, unversehrt in die EU zu gelangen. Die monetären und moralischen Kosten werden langsam sichtbar.

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