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Expansion Baukonzern Porr setzt große Hoffnungen auf Deutschland

Die Österreicher bauen ihre Marktposition in Deutschland aus. Gegen den Fachkräftemangel stemmt sich Porr mit der Ausbildung von Flüchtlingen.
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Auch am Großprojekt Stuttgart 21 ist Porr beteiligt. Quelle: ARGE Tunnel Albaufstieg, M. Kaltenböck
Steinbuehltunnel Stuttgart 21

Auch am Großprojekt Stuttgart 21 ist Porr beteiligt.

(Foto: ARGE Tunnel Albaufstieg, M. Kaltenböck)

Wien In seinen größten Auslandsmarkt Deutschland setzt der österreichische Baukonzern Porr große Hoffnungen. Ähnlich wie der Konkurrent Strabag hofft Porr auf nachhaltige Impulse durch den Bundesverkehrsplan 2030. „Der deutsche Staat kommt langsam in die Gänge, die Aufträge zu vergeben“, sagte Vorstandschef und Großaktionär Karl-Heinz Strauss. Die wirklich großen Aufträge kämen aber erst Ende 2018 oder 2019.

Schon jetzt läuft das Geschäft für Porr in der Bundesrepublik aber blendend. Der Wiener Konzern errichtete etwa zuletzt die Konzernsitze von Zalando in Berlin oder von Haribo in Bonn und ist außerdem am Bau des Untergrundbahnhofs Stuttgart 21 beteiligt. Der Boom des privaten Wohnungsbaus soll für weitere Wachstumsimpulse in Deutschland sorgen. Die größten Projekte dieser Art verwirklicht Porr derzeit in Berlin und Erfurt. In Deutschland erzielt Porr fast ein Drittel seiner Erlöse.

Der auf Großprojekte konzentrierte Konzern hat unterdessen den Umbau seines Deutschlandgeschäfts abgeschlossen. Das börsennotierte Unternehmen hat sein Hochbaugeschäft in vier Regionalzentren mit Sitz in Berlin, München, Hamburg und Münster aufgeteilt.

Ziel ist es, die Bundesrepublik als wichtigsten Auslandsmarkt weiter zu etablieren, indem die Geschäfte effizienter organisiert werden. Im Hochbau habe man zuletzt zwar den Umsatz verdoppelt, so Strauss. Doch die Chancen durch eine veränderte Organisation sei unterschätzt worden. „Deshalb haben wir uns im Hochbau restrukturiert“, sagte der 58-Jährige.

Porr ist der fünftgrößte Baukonzern in Deutschland. Die Wiener beschäftigen derzeit über 18.000 Mitarbeiter und sind vorrangig in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Polen tätig. „In diesen fünf Märkten wollen wir immer ganz vorne mitspielen“, sagte CEO Strauss, der seit acht Jahren den Konzern führt.

Der Porr-CEO fordert, den „Spurwechsel“ für Migranten zu ermöglichen. Quelle: dpa - picture-alliance
Karl-Heinz Strauss

Der Porr-CEO fordert, den „Spurwechsel“ für Migranten zu ermöglichen.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Gute Erfahrungen mit Flüchtlingen

Wie die gesamte Branche leidet auch Porr unter dem Fachkräftemangel. „Uns fehlen einfach überall Bauingenieure“, beschwerte sich Strauss. Um diese Lücken zu füllen, bildet Porr derzeit Flüchtlinge aus Irak und Afghanistan zu Facharbeitern aus. Laut Strauss habe sein Unternehmen damit gute Erfahrungen gemacht.

Der Konzernchef plädiert daher dafür, abgelehnte Asylbewerber nicht in ihr Heimatland zurückzusenden, wenn sie während ihrer Lehre eine gute Leistung zeigten. Stattdessen sollten sie lieber ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht bekommen. Damit kritisiert Strauss indirekt die restriktive Migrationspolitik der konservativ-rechtspopulistischen Regierung in Österreich.

Indessen will Porr von der Konsolidierung in der europäischen Bauindustrie weiter profitieren. „Wir werden weitere Firmen kaufen, um eine Lücke in der Region zu schließen, eine Nische zu füllen oder neue Mitarbeiter zu gewinnen“, sagte Strauss vor der Auslandspresse.

Erst Ende August übernahmen die Österreicher die tschechische Alpine Bau CZ mit rund 450 Mitarbeitern für zwölf Millionen Euro. Der CEO sprach von einem „Schnäppchen“. Neue Fachkräfte zu bekommen, sei das Motiv für den Zukauf gewesen.

Im vergangenen Jahr hatte Porr das Münsterländer Bauunternehmen Heijmans Oevermann für knapp 60 Millionen Euro erworben. Der Spezialist für Straßen, Flughäfen und Logistikflächen erzielte vor der Übernahme einen Umsatz von etwa 215 Millionen Euro. Alle übernommen Firmen werden dieses Jahr laut Strauss schwarze Zahlen schreiben.

Auch in der Golfregion will der Konzern trotz der politisch labilen Lage weiterhin aktiv bleiben. Erst vor wenigen Tagen haben die Österreicher einen 300 Millionen Euro großen Auftrag in Dubai für sich gewonnen. Den Markteintritt im Golfstaat bezeichnete Vorstandschef Strauss als „Meilenstein“. Porr war auf der arabischen Halbinsel bisher nur in Katar präsent.

Magere Gewinnmarge

Im ersten Halbjahr legte Porrs Umsatz um 453 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,2 Milliarden Euro zu. Der Vorsteuergewinn in den ersten sechs Monaten des Jahres belief sich allerdings auf bescheidene 6,6 Millionen Euro. „Die Halbjahresbilanz ist sehr stark von der Saisonalität geprägt“, erklärte Strauss. Der Auftragsbestand des 149 Jahre alten Unternehmens belaufe sich derzeit auf 6,5 Milliarden Euro.

Grundsätzlich sind die Aussichten der Baubranche trotz der hohen Nachfrage in Mitteleuropa durchwachsen. Der Mangel an Grundstücken, Engpässe bei Subunternehmen und steigende Löhne machen den Bauunternehmen zu schaffen.

Die Aktie des seit 1869 notierten Bauunternehmens legte in den vergangenen fünf Jahren um knapp 250 Prozent zu. Vor kurzem musste Porr allerdings den österreichischen Leitindex ATX nach wenigen Monaten verlassen. „Das war unglückliche Politik der Wiener Börse“, sagte Strauss. Sie habe Porr ausgerechnet im Juni in den ATX geholt. Doch im Sommer würden Aktien kaum gehandelt.

Der Vorstandschef hofft trotz der negativen Erfahrungen in den vergangenen Monaten auf einen baldigen Wiederaufstieg in den ATX. Im vergangenen Jahr stagnierte die Dividende des Baukonzerns bei 1,10 Euro pro Aktie. „Wir sind ein verlässlicher Dividendenzahler“, beteuerte Strauss.

Der Streubesitz der Porr AG liegt bei rund 46 Prozent. Die restlichen Anteile halten die Familien Strauss und Klaus Ortner über einen Syndikatsvertrag.

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