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Expansion Daimlers Fahrdienst Car2go wird in den USA immer beliebter – und will dort weiter wachsen

Anfangs gab es viele Zweifler – zu kleine Autos, zu wenig bekannt. Und doch erobert Daimler mit Car2go den amerikanischen Markt. Nächste Station: Chicago.
25.07.2018 - 02:23 Uhr Kommentieren
Auch in den USA erfolgreich: Daimlers Tochter Car2go. Quelle: dpa
Car2go

Auch in den USA erfolgreich: Daimlers Tochter Car2go.

(Foto: dpa)

New York Die gelben ikonischen Taxis sind aus dem Stadtbild New Yorks nicht wegzudenken – allerdings nur in Manhattan. Wer den East River überquert und nach Brooklyn oder Queens kommt, begegnet schnell einem anderen Auto: dem weiß-blauen Smart von Daimlers Carsharing-Plattform Car2go.

Eine Überraschung. Die US-Markteinführung des Smarts im Jahr 2008 misslang. Das Auto war für Amerikaner zu klein – riesige Geländewagen und Pickups beherrschen das Straßenbild. Aber mit Car2go fand Daimler die richtige Nische. Als Testprojekt in Austin gestartet, ist der Fahrdienst mittlerweile in neun weiteren amerikanischen Städten unterwegs.

Die Mitgliederzahl schnellte dort von 10.000 in 2010 auf jetzt eine Million hoch – damit sind fast ein Drittel aller weltweiten Kunden von Car2go in Nordamerika. Und der Trend scheint weiter nach oben zu zeigen. „Alle unsere Zahlen deuten schon nach gut sechs Monaten darauf hin, dass 2018 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte von Car2go wird“, sagt Olivier Reppert, Chef der Daimler-Tochter.

Das Konzept ist gefragt. Das Angebot erfüllt eine für viele Amerikaner wichtige Funktion. Ein eigenes Auto ist oft zu teuer und schwer zu parken und in den USA gibt es in vielen Städten oft wenige Busse und Bahnen. Im abgesteckten Areal, der „Home Area“, können die Autos beliebig gefahren und geparkt werden. Der Vorteil für den Kunden: Er muss nicht mehr zu einer bestimmten Übergabestelle fahren. Im Vergleich zum Mietwagen ist der Service flexibler.

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    Und die Expansion geht weiter. In wenigen Tagen ist Chicago an der Reihe, Car2go bringt 400 Autos dort auf die Straßen. Damit ist Car2go nach eigenen Angaben in Chicago der erste flexible Carsharing-Anbieter.

    Und Daimler hat bereits weitere Pläne. Der australische Markt soll ebenfalls in Angriff genommen werden. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit Melbourne und Sydney. Auch in deutschen Städten wie Berlin und Hamburg kommt das Prinzip gut an. Über 200.000 Hamburger nutzen mittlerweile den Service des Stuttgarter Konzerns. Das sind knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr.

    Laut eines Unternehmenssprechers sei das Konzept in Deutschland noch gefragter als in Amerika. Doch das ändere sich zurzeit rapide. Vor allem in Großstädten wird das Angebot immer beliebter. Menschen können die häufig sehr hohen Lebenserhaltungskosten in Metropolen wie New York durch Carsharing-Anbieter geringhalten. Die durchschnittlichen jährlichen Kosten eines eigenen Autos betrugen nach Angaben der American Automobile Association im Jahr 2017 rund 8500 Dollar. Laut Daimler könne man durch die Nutzung von Car2go die Transportkosten auf 940 Dollar drücken – ein Ersparnis von fast 7500 Dollar.

    Allerdings gibt es nur eine geringe Auswahl an Autos. „Ohne größere Fahrzeuge eignet sich dieses Angebot nicht so sehr für Einkäufe oder andere Besorgungen“, sagt Ivan Drury, Senior Manager der Industrieanalyse des Branchendienstes Edmunds. Auf die Kritik reagierte Daimler mittlerweile. Neben dem kleinen Smart, stehen nun auch der Mercedes Coupé CLA und der SUV GLA zur Verfügung.

    Die begrenzte Auswahl hat aber auch Vorteile. „Ein großer Vorteil des Fahrdienstes ist der Wiedererkennungswert der Wagen und dessen Benutzerfreundlichkeit“, sagt Drury. Kunden müssten sich aufgrund der kleinen Auswahl nicht immer aufs Neue an verschiedene Autotypen gewöhnen.

    Der Markt bietet große Chancen, wie aus einer Analyse von Frost & Sullivan hervorgeht. Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen sieht einen Anstieg im weltweiten Carsharing-Markt von mehr als sieben Millionen Mitgliedern und 112.000 verfügbaren Fahrzeugen in 2015 auf 36 Millionen Kunden und insgesamt rund 427.000 Autos in 2025.

    Den Ausblick haben alle deutschen Autohersteller im Blick. So möchte VW im kommenden Jahr zuerst auf dem deutschen Markt einen Fahrdienst anbieten, der nur mit Elektroautos ausgestattet ist. Ab 2020 sollen europäische, nordamerikanische und asiatische Metropolen folgen. BMW ist da schon weiter. Die Münchener wagten bereits den Sprung in die USA und werben dort unter dem Namen ReachNow. Mit DriveNow sind sie auch auf heimischen Straßen unterwegs.

    Die Rivalität von Daimler und BMW könnte zumindest in dieser Sparte aber bald ein Ende finden. Im März dieses Jahres gaben sie bekannt, ihre Flotten zusammenlegen zu wollen. Gemeinsam wären sie dann mit rund 20.000 Fahrzeugen und über vier Millionen Mitgliedern in 31 Städten der Welt vertreten. Derzeit prüfen die Wettbewerbsbehörden das Vorhaben.

    Nicht alles läuft so glatt. Daimler musste vor Kurzem den Rückzug aus Toronto verkünden. Die Kanadier hatten die Parkregeln verschärft und das Anwohnerparken stark ausgeweitet. Ein großes Hindernis für ein Konzept, das auf größtmögliche Fahrfreiheit baut. Und auch die Zukunft des Fahrens kann zur Gefahr werden. Zwar seien traditionelle Autoverleihe oder Fahrdienste wie Uber und Lyft große Konkurrenten für die Stuttgarter, gibt Ivan Drury von Edmunds zu bedenken. Sobald jedoch das autonome Fahren den Weg in den Alltag gefunden habe, müssen sich alle Anbieter umschauen. „Eine vollständig autonome Flotte kombiniert die besten Aspekte der aktuellen Programme zahlreicher Anbieter“, erklärt der Experte.


    CEO Reppert sieht sich gut für die Zukunft gewappnet. „Kaum ein anderes Mobilitäts-Geschäft kann sich so umfangreich auf die Zeit des autonomen Fahrens vorbereiten wie das flexible Carsharing“, sagt er. „Wer autonome Flotten optimal steuern will, muss die Autos genauso managen wie die Software – also über selbst lernende Algorithmen, Big Data und Apps.“ Car2go tue heute bereits alles.

    Mit 110.000 Kunden ist New York für Car2go der am schnellsten wachsende Markt der USA. Ungefähr 600 Fahrzeuge rollen von Daimler in Brooklyn und Queens über die Straßen. Nach Manhattan möchte der Konzern auf längere Sicht aber nicht expandieren. Dort gibt es zu wenige Parkmöglichkeiten, dazu ist das U-Bahn-Netz zu gut ausgebaut – und es fahren zu viele gelbe Taxis.

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