EY-Deutschlandchef Hubert Barth „Digitalisierung bringt ganz neue Einblicke“

Der Deutschlandchef von EY über die Rotationspflicht der Dax-Konzerne, moderne Prüfungstechnik und die zukünftige Aufstellung der Gesellschaft.
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„Uns fehlen zwei bis drei große Mandate.“ Quelle: EY
EY-Deutschlandchef Barth

„Uns fehlen zwei bis drei große Mandate.“

(Foto: EY)

DüsseldorfHerr Barth, tritt die Rotation der Abschlussprüfer bei den Dax-Konzernen nun in die heiße Phase?
Ich würde es eher als zweite Welle bezeichnen. Mit Deutscher Bank, Volkswagen, Fresenius, Lufthansa stehen jetzt allerdings bei einigen Schwergewichten des Dax Entscheidungen auf der Suche nach einem neuen Wirtschaftsprüfer an.

Drücken sich die Konzerne vor dem Wechsel und nutzen die Fristen bis zum letzten Moment aus?
Das kann ich nicht bestätigen. Niemand will das auf den letzten Drücker machen. Das unterschiedliche Timing liegt auch daran, dass sie mitunter die unterschiedliche Rotation ihrer Töchter im EU-Ausland berücksichtigen müssen. Dort gibt es andere Fristen und Regeln als in Deutschland, was den Prozess noch aufwendiger macht.

Und EY ist bei allen Ausschreibungen dabei?
Wir nehmen an den wesentlichen Ausschreibungen im oberen Segment teil, auch wenn uns die Verfahren gerade bei großen und komplexen Unternehmen Zeit und Geld kosten. Das kann im Einzelfall schon mal in die Millionen gehen. Für uns ist es aber eine Chance, unsere Qualität und unsere Branchenexpertise immer wieder darzustellen.

Nach welchen Kriterien wird ein Abschlussprüfer heute ausgewählt?
Das wichtigste ist die Qualität der Teams und der Prüfungsgesellschaft insgesamt. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle, aber es wird von uns vor allem das Verständnis für die Transformation der Geschäftsmodelle der Kunden und die Digitalisierung der Abschlussprüfung erwartet.

Wie verändert die Digitalisierung Ihr Geschäft?
Wir investieren kräftig in neue Technologien zur Erfassung und Interpretation von Daten. Bisher wurden die Firmen per Stichprobe geprüft, dank der Digitalisierung ist in vielen Bereichen schon eine Vollprüfung möglich. Das bietet für alle Beteiligten ganz neue Einblicke und Erfahrungen. So etwas können kleinere mittelständische Prüfungsgesellschaften kaum leisten, ihnen fehlen dafür schlicht die Mittel.

Dann wird sich an der Dominanz der Big Four in den verschiedenen Dax-Segmenten also trotz Rotation nichts ändern?
Ich will nicht ausschließen, dass der ein oder andere mittelgroße Anbieter mal zum Zug kommt. Aber ohne eine starke internationale Präsenz und ohne Top-Expertise in der digitalen Prüfung wird das sehr schwer. Es gibt ja immer die Diskussion um die Marktmacht der Big Four …

… manche fordern sogar ihre Aufspaltung …
… aber es ist letztlich den Ansprüchen der Kunden geschuldet. Wer keinem starken internationalen Netzwerk angehört und nicht über moderne Technologien verfügt, wird sich mit der Prüfung großer internationaler Unternehmen schwertun. Der Markt fordert dies.

Derzeit prüft EY vier Dax-Konzerne, jüngst kam die Commerzbank hinzu. Welche Ziele setzen Sie sich durch die Rotation?
Wir wollen unser jetziges Niveau erhöhen und unseren Marktanteil um einige Prozentpunkte auf 20 Prozent erhöhen. Das bezieht sich nicht auf den Dax 30, sondern auf das gesamte gehobene Prüfungsgeschäft. Uns fehlen noch zwei bis drei große Mandate.

Wäre es nicht lukrativer, sich mehr aufs Beratungsgeschäft zu fokussieren, wo das Wachstum und die Margen höher sind als im Bilanztestat?
Das gilt ja nur, solange es der Wirtschaft gut geht. Es werden auch wieder schwächere Konjunkturphasen kommen, unter denen das Consulting direkt leiden wird. Einen großen internationalen Konzern zu prüfen ist eine hochattraktive Aufgabe und ein konstantes Geschäft. Die Abschlussprüfung spielt eine große Rolle für unsere Reputation und Marke. Bei EY entfällt je ein Drittel des Umsatzes auf Prüfung, Steuerberatung sowie Management- und Transaktionsberatung. Damit fühlen wir uns sehr gut aufgestellt.

Herr Barth, vielen Dank für das Gespräch.

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