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Fahrdienstleister Umbau in Uber-Chefetage: Zwei Manager gehen – mehr Macht für CEO Khosrowshahi

Der Börsengang von Uber war ein Flop, der Konzern schreibt große Verluste. Zwei Top-Manager müssen ihre Posten räumen – Khosrowshahi bekommt mehr Macht.
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Der Börsengang von Uber verlief wesentlich schlechter, als erwartet. Quelle: AP
Uber

Der Börsengang von Uber verlief wesentlich schlechter, als erwartet.

(Foto: AP)

San FranciscoÜberraschender Umbau in der Führungsetage des Fahrdienstvermittler und Uber. Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Barney Harford, sowie Marketing-Chefin Rebecca Messina verlassen das Unternehmen, wie Konzernleiter Dara Khosrowshahi in einer von Reuters eingesehenen Mitteilung an die Belegschaft erklärte. Die Positionen werden nicht neu besetzt.

Khosrowshahi habe nun die Möglichkeit, sich noch mehr um das Tagesgeschäft der größten Abteilungen - Fahrdienste und Essenslieferungen - zu kümmern, heißt es. Diese Sparten würden künftig direkt an ihn berichten. Investitionen in das Fracht- und Essensliefergeschäft sowie Kosten für den Börsengang hatten Uber im ersten Quartal einen Verlust von einer Milliarde Dollar beschert.

Der Abgang von zwei Top-Managern zur gleichen Zeit weckt böse Erinnerungen. Nach der Zeit um die internen Skandale, die zum Rauswurf von Ubers Ex-CEO Travis Kalanick geführt hatten, glich die Führungsebene bei Uber mehr einer Drehtür als einem Büro. Harford war erst im Dezember 2017 eingestellt worden. Messina muss bereits nach weniger als zwölf Monaten im Job wieder gehen.

Die Sachzwänge für eine stärkere Fokussierung auf Kosten und Erträge sind unübersehbar. Uber musste für das erste Quartal 2019 einen Verlust von einer Milliarde Dollar ausweisen, so viel wie in noch keinem anderen Quartal, und das bei einem Umsatz von 3,1 Milliarden Dollar, rund 20 Prozent über Vorjahr.

Steigende Verluste bei einem abgeschwächten Umsatzwachstum sind kein Rezept für eine langfristige Zukunft. Überhaupt zeigte sich Finanzvorstand Nelson Chai bei der Vorlage der Zahlen Ende Mai sehr schmallippig. Es gab praktisch keine Vorhersagen für klassische Anhaltspunkte wie Umsatz, Gewinn pro Aktie oder ähnlichem für das laufende Quartal. Der „bereinigte Umsatz der Kernplattform“ werde sich in jedem Quartal 2019 „verbessern“, heißt es. Das ist nur der Umsatz des Kernbereichs Ridehailing und Essensauslieferung durch Uber Eats, aber bereinigt um wichtige und erhebliche Größen wie Anreize für Fahrer.

Vor allem für Uber Eats zahlt das Unternehmen seinen Fahrern Boni, damit sie sich beteiligen. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2019 war dieser Plattform-Kernumsatz bei konstanten Währungskursen um 14 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen. Im 1. Quartal 2018 war er jedoch gegenüber dem Vorjahr noch um 78 Prozent gestiegen. Die abnehmende Dynamik ist unverkennbar. Und die Anreize für die Fahrer waren im 1. Quartal fast doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Weg in die Gewinnzone

Bei den Regionen wies Uber durchgängig Wachstum beim Umsatz aus, mit einer erwähnenswerten Ausnahme: Das Lateinamerikageschäft, bislang stabiler Wachstumsmotor, brach um 13 Prozent ein. Hier macht sich die Konkurrenz durch den chinesischen Wettbewerber Didi bemerkbar.

Alle Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen, die zum Börsengang gegeben wurden. Alles andere wäre allerdings nach so kurzer Zeit auch ein Desaster geworden. Trotzdem bleibt die Frage, wie sich das Unternehmen irgendwann einmal in den Gewinnbereich manövrieren könnte. Trotz 1,55 Milliarden absolvierten Fahrten im Quartal, 36 Prozent mehr als im Jahr zuvor, türmen sich die Verluste auf.

Die „Gross Bookings“, eine viel beachtete Messzahl, die den Umsatz vor Bezahlung der Fahrer angibt, stiegen um 36 Prozent auf 14,65 Milliarden Dollar. Die „Take Rate“ wiederum, die Summe, die Uber als Umsatz zählt, nachdem die Fahrer bezahlt wurden, sank aber auf 18 Prozent des bereinigten Umsatzes. In den Jahren vor dem Börsengang lag die Take Rate noch bei bis zu 30 Prozent, im Vorjahr bei 22 Prozent.

Khosrowshahi muss diese Kennzahlen in den Griff bekommen und verbessern, damit die Aktionäre wenigsten einen positiven Trend, wenn schon keine Gewinne sehen können Ob er das durch eine straffere Anbindung der Organisation an den CEO erreichen kann, wird sich zeigen müssen.

Probleme beim autonomen Fahren

In der internen E-Mail jedenfalls heißt es, Uber befinde sich intern und extern in einer viel besseren Position als vor zwei Jahren und Khosrowshahi und Harford hätten „übereingestimmt, dass eine COO-Position nicht mehr benötigt werde“. Harford hatte 2018 Kontroversen ausgelöst wegen angeblicher rassistisch aufgeladener Kommentare. Laut CNN hatte er daraufhin versprochen, sich beraten zu lassen und an seinen „dunklen Punkten“ zu arbeiten.

Ein gravierendes langfristiges Problem ist die selbstfahrende Zukunft von Uber. Seit einem tragischen Unfall mit Todesfolge ist der Ruf ramponiert, die Technologie hinkt hinter denen anderer Wettbewerber wie Waymo (Google) oder Tesla hinterher. Tesla hat bereits einen eigenen Uber-Konkurrenten mit Tesla-Fahrzeugen angekündigt.

Im Endeffekt deutet alles darauf hin, dass sich Uber, um wieder schnell aufzuschließen, einen Technologiepartner einkaufen muss. Das wiederum bedeutet aber geringere Gewinnmargen als wenn man alle Elemente einer Plattform selbst besitzt und kontrolliert.

Und eine goldene Zukunft ohne teure Fahrer war eigentlich die Geschichte, die Uber den kommenden Aktionären verkauft hatte. Sie müssten nur lange genug durchhalten.
Am Mittwoch war die Uber-Aktie erstmals seit Börsengang über den Ausgabekurs von 45 Dollar gestiegen, am Freitag nachbörslich ging es dann bis auf 43,71 Dollar abwärts, nachdem das Personalkarussell bekannt geworden war.

Mehr: Deutschland ist für Uber noch immer einer der wenigen unerschlossenen Industriemärkte. CEO Dara Khosrowshai fordert jetzt im Handelsblatt-Interview moderne Regeln für neuartige Fahrdienste.

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