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Fahrdienstvermittler Uber macht Milliardenverlust – Anleger kaufen stark zu

Der US-Fahrdienstvermittler hat im ersten Quartal ein Minus von fast drei Milliarden Dollar gemacht. Dafür steigt aber der Umsatz – auch dank des Lieferdienstes Uber Eats.
08.05.2020 - 07:10 Uhr Kommentieren
Die Verluste des Taxikonkurrenten im ersten Quartal sind enorm. Quelle: Imago
Uber

Die Verluste des Taxikonkurrenten im ersten Quartal sind enorm.

(Foto: Imago)

San Francisco Das Signal kam schon vor den Zahlen: Uber-Aktien waren bereits ungewöhnlich stark nachgefragt bevor der des Taxikonkurrenten am Donnerstag (Ortszeit) seine Quartalszahlen veröffentlichte. Die Aktie schloss bereits elf Prozent höher bei 30,93 US-Dollar und legte nach der Veröffentlichung eines gigantischen Verlusts von fast drei Milliarden Dollar im ersten Quartal nachbörslich sogar noch einmal zu: Die Papiere stiegen weiter um bis zu sechs Prozent.

An den Zahlen des Geschäftsberichts kann es kaum gelegen haben. Während die Quartalsumsätze bis Ende März 2020 noch um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zugelegt hatten, wuchsen die Verluste überproportional – die Auswirkungen der Coronakrise zeigten sich erst im März deutlich.

Sogar der Essenslieferdienst Uber Eats, der die bereinigten Nettoumsätze um 124 Prozent auf 527 Millionen verbessern konnte, musste einen Ebitda-Verlust von 313 Millionen Dollar hinnehmen.

Uber-CEO Dara Koshrowshahi hatte sicher gehofft, den Jahrestag des Börsengangs am 9. Mai mit besseren Zahlen feiern zu können. Angekündigt als Super-Börsengang des Jahres, ist Uber vor einem Jahr zu 45 Dollar pro Aktie an die Börse gegangen, den Einstiegspreis aber seitdem nicht mehr erreicht.

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    Trotzdem ist Koshrowshahi, ehemaliger Vorstandschef des Reisegiganten Expedia, nun optimistisch, dass das Schlimmste überstanden ist. Lag die Anzahl der Buchungen für Fahrten im April noch 80 Prozent unter Vorjahreswert, sei es seitdem Woche für Woche wieder aufwärts gegangen, erklärte er gegenüber Analysten. Jetzt hoffe er auf immer mehr Lockerungen für die Wirtschaft weltweit, was das Geschäft ankurbeln sollte. Im Stadtstaat Hongkong sei man etwa schon wieder bei 70 Prozent der Vor-Corona-Geschäfte. Das macht der Wall Street wieder Mut.

    Gewinne ab 2021

    Gleichzeitig werden massive Kostensenkungsprogramme durchgedrückt. Bereits am Vortag war klar, dass 14 Prozent der Festangestellten ihren Job verlieren werden. In mehreren Märkten wurde das stark verlustbehaftete Auslieferungsgeschäft von Essen eingestellt.

    2019 noch als Zukunftsgeschäft gefeiert, wird die E-Roller vermietende Uber-Tochter „Jump“ mit dem früheren Konkurrenten „Lime“ zusammengelegt. Damit dieser sie übernimmt, zeigt sich Uber großzügig und führt eine weitere Kapitalrunde von weiteren 170 Millionen Dollar für das Start-up an, dass ebenfalls unter Kundenschwund in leeren Stadtzentren leidet.

    Insgesamt, so hofft Finanzchef Nelson Chai, steht am Ende eine jährliche Einsparung von einer Milliarde Dollar. Alle Bereiche müssten sich beteiligen, es gebe „keine heiligen Kühe“. Der erhoffte Sprung in die Gewinnzone, der bereits für 2020 angekündigt war, soll dann 2021 gelingen. Uber hat noch in keinem Quartal seiner Unternehmensgeschichte einen um Sondereffekte bereinigten Nettogewinn verzeichnet.

    In dem riesigen Nettoverlust sind neben Aktienvergütungen für Management und Belegschaft in Höhe von 277 Millionen Dollar noch gut 2,1 Milliarden Dollar Vorsteuer-Abschreibungen auf zwei fehlgeschlagene Expansionsabenteuer in Asien enthalten. Doch hier scheint die Börse die Summe des verlorenen Geldes wenig abzuschrecken. An den Märkten scheint die Hoffnung durchzuschimmern, dass solche Expansionsabenteuer nun vorbei sind.

    Zu der positiven Grundhaltung wird auch der noch vorhandene Bestand an liquiden Mitteln und Kurzfrist-Anlagen von rund neun Milliarden Dollar beigetragen haben. Er gibt Koshrowshahi Zeit und Möglichkeiten, um sich von unrentablen Geschäftsteilen zu trennen.

    Keine Prognose für 2020

    Wie es anders geht, hatte am Vortag Konkurrent Lyft gezeigt. Erheblich kleiner als Uber, aber mit einem klaren und fokussierten Geschäftsmodell auf Passagierfahrten und Nordamerika. Die Lyft-Aktie legte am Donnerstag um über 21 Prozent enorm zu. Lyft hatte bekanntgegeben, 17 Prozent der Belegschaft zu entlassen. Die Kundenzahlen hätten im April und Mai langsam wieder angezogen, der Umsatz im ersten Quartal habe um 23 Prozent zugelegt. Auch der Uber-Konkurrent hat umfassende Kostensenkungen und Investitionskürzungen angestoßen.

    Prognosen wollen aber Uber und Lyft für das Geschäftsjahr 2020 nicht mehr wagen. Lyft-CEO Brian Roberts ist dennoch optimistisch, den Verlust im laufenden Quartal wenigstens „unter 360 Millionen Dollar“ (Ebitda) zu halten.

    Sowohl bei Uber als auch bei Lyft wird die Hauptlast der Kundenarbeit durch zigtausende Fahrer weltweit erledigt, die dabei nicht auf der Gehaltsliste der Unternehmen auftauchen. Sie werden als freie Subunternehmer geführt. Der Staat Kalifornien hat Uber deswegen vor Gericht verklagt, seine Fahrer unrechtmäßig als Selbstständige auszuweisen, um so Krankenversicherung, Sozialabgaben, Urlaubsansprüche, Mindestlöhne und andere potenzielle Kosten zu umgehen.

    Außerdem müssen die Fahrer alle Kosten für die Autos – von Versicherung über Benzin bis zu neuen Reifen – alleine tragen. Sie bekommen einen Anteil am jeweiligen Fahrpreis, den Uber oder Lyft festlegen, und gegebenenfalls Boni oder Marketingzulagen.

    Der Prozess erfolgt nach der Einführung eines entsprechenden Gesetzes zur Definition von selbstständigen Einzelunternehmern in 2020. Nach der würden Fahrer, die praktisch vollständig abhängig von ihrem „Arbeitgeber“ sind und noch nicht einmal Preise aushandeln oder Kunden (Fahrten/Lieferungen) ablehnen dürfen, als Angestellte betrachtet. Hatten viele Fahrer zunächst noch gezögert, sich für die neue gesetzliche Regelung zu erwärmen, hatte sich das durch die Corona-Katastrophe schlagartig geändert.

    Demonstrationen vor der Uber-Zentrale

    Uber-Fahrer bekamen keine staatlichen Hilfsleistungen und auch von ihrem Unternehmen keine finanzielle Entschädigung. Das Ergebnis waren Demonstrationen von hunderten Fahrern vor der Uber-Zentrale, bei der Fahrer Hilfen vom Staat und Uber forderten, um die nächste Leasingrate für ihr Auto bezahlen zu können.

    Sollte sich der Gesetzgeber gegen Uber und Lyft, beide aus San Francisco, in deren Heimatland Kalifornien durchsetzen, könnten andere Bundesstaaten in den USA, aber auch Regierungen weltweit diesem Beispiel folgen. Damit wäre ein Großteil des Geschäftsmodells der beiden früheren Stars der „Sharing Economy“ hinfällig und die gesamte Kostenstruktur müsste neu aufgestellt werden.

    Welches von den Unternehmen wann einen Gewinn ausweisen kann, könnte dann noch unsicherer werden.

    Mehr: Kalifornien klagt gegen Uber und Lyft wegen Angestelltenstatus.

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