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Die Gründer Alexander und Benjamin Michel

Diese App erleichtert vielen Nutzern den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten.

Finanzdienstleister Hilft Finanzguru wirklich beim sparen? Wir haben‘s getestet!

Die App Finanzguru will deine Finanzen ganz automatisch ordnen – und Spartipps gleich mitliefern. Nach dem Test ist unser Autor enttäuscht und begeistert zugleich.
05.10.2018 - 11:47 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 05. Oktober 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Je älter ich werde, desto größer werden meine finanziellen Verpflichtungen: Miete, Versicherungen, Handyverträge. Und immer diese Pflicht, all das zu verwalten. Am besten soll es immer noch das beste Angebot mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis sein.

Mich persönlich nervt das, meine Zeit ist mir für diese „hauseigene Bürokratie“ zu kostbar. Umso besser, dass ich mir in dieser Woche Zeit für die Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ genommen habe. Dort präsentieren junge Unternehmer ihre Ideen und werben um Investoren. Am Dienstag haben sich die Zwillinge Alexander und Benjamin Michel mit ihrem Unternehmen „Dwins“ vorgestellt – und gleich mal eine Million Euro Unterstützung von Starinvestor Carsten Maschmeyer bekommen.

Finanzguru: App-Test, Erfahrungen und Sicherheit

Ihr Projekt, an dem sich Maschmeyer 15 Prozent der Anteile gesichert hat, nennt sich Finanzguru. Es ist eine App, die du mit deinem Bankkonto verknüpfst und die dir mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) beim Verwalten deiner Verträge hilft und auch Tipps zum Sparen gibt. KI sorgt dafür, dass Maschinen mitdenken und dazulernen können. Dadurch vereinfache sich „der Umgang mit dem Bankkonto extrem“, sagt der 29-jährige Gründer Alexander Michel am Telefon.

Für ihn und seinen Bruder Benjamin ist Maschmeyers Investment der zweite große Erfolg innerhalb eines Jahres: Im vergangenen Oktober hatte sich die Deutsche Bank bereits mit einer ähnlich großen Summe beteiligt – für 24,99 Prozent der Anteile. Der Wert des Unternehmens ist seitdem also gestiegen.

Finanzguru ist komplett kostenlos und enthält keinerlei Werbung. Dwins verdient Geld, wenn Nutzer über Finanzguru einem Spartipp folgen und zum Beispiel den Stromanbieter wechseln. Ist das der Fall, zahlt der neue Anbieter einen kleinen Anteil des Gewinns an die Firma der Zwillingsbrüder. Bislang kannst du über Finanzguru Stromtarife vergleichen oder deine Nebenkostenabrechnung prüfen lassen.

Direkt nach der Ausstrahlung von „Höhle der Löwen“ hätten gleich mal 60.000 Leute die App heruntergeladen, steht in einigen Internet-Foren. Dwins selbst will mir nicht verraten, ob das stimmt. Doch klar ist mir trotzdem: Ich als fauler Bürokratie-Hater muss natürlich auch den Test der App wagen.

Finanzguru: Im Bereich Sicherheit wirbt die App mit der Deutschen Bank

Installiert habe ich Finanzguru innerhalb von Sekunden. Beim Öffnen bekomme ich sofort eine Warnung: „Aktuell werden deine Daten aufgrund des großen Andrangs nur einmal täglich aktualisiert“, steht da. Der Auftritt in „Höhle der Löwen“ hat also nicht nur Folgen für die Gründer, sondern auch für die Nutzer. Bald würden die Daten aber wie gewohnt wieder viermal täglich aktualisiert, zeigt die App an. Mir ist das bisher ehrlich gesagt ziemlich egal. Es reicht mir, wenn ich mich einmal am Tag mit aktuellen Daten ums Sparen kümmere.

Danach lege ich fest, wie ich die App beim Öffnen künftig entsperren will. Da ich wie erwähnt zur ein durchaus fauler Mensch bin, ist es ein Glück, dass Finanzguru die Touch-ID meines Smartphones (also den Fingerabdrucksensor) unterstützt. Die Push-Benachrichtigungen schalte ich ein. Eine solche habe ich aber bisher noch gar nicht bekommen. Ohnehin informiert die App mich nur, wenn Verträge sich verändern oder mein Konto ins Minus drehen würde.

Begrüßt werde ich vom Finanzguru, einem bärtigen Kopf mit Turban. Er mache meine „Finanzen magisch“, steht auf meinem Bildschirm. Wenn mir das mein Bankberater sagen würde, wäre ich wohl schneller weg aus seinem Büro, als dass er „Guru“ sagen könnte. Aber genug der Beschwerden, das Einrichten läuft wirklich einfach.

Finanzguru: App verrät Spartipps für Stromtarif und Nebenkosten

Dann muss ich mein Bankkonto verknüpfen. Dafür trage ich meine Zugangsdaten fürs Online-Banking ein. Auch kein Problem (denn aus einem mir nicht erklärlichen Grund kenne ich meinen 19-stelligen Login-Alias auswendig). Doch stutzig werde ich in diesem Moment trotzdem. Ich soll nun also den Zugriff auf mein Bankkonto einfach den Betreibern einer App geben, die meine „Finanzen magisch“ machen wollen. Magier sind doch gewissermaßen dafür bekannt, Dinge verschwinden zu lassen. Oder?

Eine Sicherheitsmeldung zaubert meine Zweifel weg: Dort steht, dass Finanzguru nach „deutschen Banksicherheitsstandards“ arbeitet und nur ich Zugriff auf meine Daten habe. Darüber prangt außerdem das Logo des Kooperationspartners Deutsche Bank. Deutsche Bank, da war doch was: Goldpreismanipulation, Rechtsstreitigkeiten, Hypothekentricks… ach, lassen wir das. Deutsche Sicherheitsstandards sind deutsche Sicherheitsstandards, denke ich mir.

Außerdem anonymisiere Finanzguru meine Daten komplett, sodass niemand außer ich selbst Zugriff habe, steht in den AGBs. Sofern Dwins meine Daten an Dritte weiterleiten will, werde dies ausdrücklich bei mir erfragt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ich Verträge über Finanzguru abschließe. Ins Ausland sollen normalerweise keine Daten gehen. Lediglich für die Push-Mitteilungen erhält Apple in den USA Informationen.

Finanzguru kooperiert im Zusammenhang mit den deutschen Sicherheitsstandards, mit der deutschen Bank.

Und dann ist es auch schon geschafft, maximal drei Minuten habe ich für die Einrichtung gebraucht. Dann aber bin ich erstmal etwas ratlos: Wo sehe ich denn jetzt, was ich sparen kann? Also erstmal der Reihe nach. Ganz oben auf der Übersichtsseite ist ein Tortendiagramm abgebildet. Dort zeigt mir die App, wie viel von meinem Gehalt ich in diesem Monat noch ausgeben kann. Mit einem Klick auf das Diagramm schlüsselt sich dieser Monatsplan auf. Die Rechnung ist simpel: Finanzguru zieht von meinem Gehalt schon überwiesene und kommende Fixkosten sowie andere Ausgaben ab. Und et voilà, ein Betrag X bleibt mir noch zur freien Verfügung.

Der Clou: Außer der Verknüpfung meines Bankkontos habe ich bisher nichts gemacht. Und trotzdem hat die App all meine Buchungen sofort richtig zugeordnet. Die Überweisung an den Vermieter wird als Wohnkosten aufgeführt, der Einkauf von gestern Abend fällt unter Lebensmittel, der Handyvertrag unter Mobilfunk. Bei anderen Banking-Apps musste ich das bisher stets alles manuell angeben. Das Ergebnis ist auch dort dann nicht sonderlich verschieden, doch bei Finanzguru geht alles viel schneller. Doch das allein kann Finanzguru doch nicht zum neuen Shootingstar unter den Banking-Apps machen? Die Antwort findet sich gleich unter dem Einkommens-Tortendiagramm. Dort kann ich das Feld „Spartipps“ öffnen.

Überblick der Konten

Finanzguru: Kontoübersicht, Preisvergleich und Kündigung werden in einem System vereint

Eine Funktion darin: Prüfung meiner Nebenkostenabrechnung. Dafür werde ich auf die Internetseite eines anderen Start-ups weitergeleitet: Mineko („MIetNEbenkosten KOrrekt“). Dort mache ich Schritt für Schritt Angaben über meine Wohnung, die Mietkosten und meine Nebenkosten. Mineko setzt dann meine Angaben ins Verhältnis zum Durchschnittswert in meiner Gegend und sagt mir, ob ich womöglich zu viel an Nebenkosten bezahle.

Und tatsächlich: 2017 habe ich mehr für Wasser, Strom, Heizung und Müllabfuhr bezahlt, als ich gemusst hätte, sagt mir Mineko. Um zu prüfen, wie viel genau, sende ich per E-Mail weitere Angaben zu meiner Wohnung an das Start-up. Die Rechtsexperten des jungen Unternehmens prüfen nun, wie ich mir dieses Geld sparen kann. Von dort erhalte ich dann auch ein Widerspruchsschreiben, um vom Vermieter eine neue Abrechnung zu verlangen – ohne die überhöhten Nebenkosten. Als Finanzguru-Nutzer bekomme ich dabei einen Rabatt von fünf Euro auf den Normalpreis von 39 Euro und mein Anliegen wird in drei statt fünf Tagen bearbeitet.

Bei Finanzguru hast du alle deine Verträge aufgelistet

Also suche ich weiter, was die App mir denn jetzt tatsächlich neues bringen kann. Da wäre noch der Punkt „Verträge verwalten“. Dort zeigt mir Finanzguru wieder die selbst erkannten Buchungen, jetzt aber nur die, bei denen ich monatlich etwas bezahle oder überweist bekomme. Das sind dann nicht einfach nur Buchungen, sondern heißen jetzt „meine Verträge“: Mietzahlungen, Handy- und DSL-Vertrag, Stromtarif, Gehaltseingang. Über die App kann ich bequem diese Verträge kündigen, wenn ich will; oder ich kann mir einen Vertragswecker einrichten, um benachrichtigt zu werden, wenn etwas mit ihnen passiert; und vor allem kann ich gleich über die App einen günstigeren Stromanbieter finden.

Denn Finanzguru kooperiert mit dem Vergleichsportal Verivox: Über die Angaben in meinem Profil vergleicht die App nun meinen aktuellen Stromtarif mit anderen Angeboten von Verivox, die ich an meinem Wohnort bekommen kann. Anfangs funktioniert das nicht. Deswegen schreibe eine E-Mail an Dwins. Wenige Minuten später klingelt mein Telefon: Gründer Alexander Michel ist am Apparat. Er erklärt mir, dass das Fehlen der Vergleichsmöglichkeit an den noch nicht aktualisierten Daten liegt.

Fazit zu Finanzguru: Eine einzigartige App dank vieler Funktionen

Einige Stunden dauert es danach, bis das passiert. Dann bin ich aber umso überraschter: Ich kann laut Finanzguru mit einem Wechsel des Stromanbieters tatsächlich sparen, und zwar gleich 127 Euro im Jahr. Dabei hatte ich gedacht, bereits den günstigsten Vertrag zu haben. Falsch gedacht, also folge ich der Empfehlung meines Finanzgurus. Magisch.

Durch den Vertragspartner Verivox, kommst du direkt an neue Angebote

Der Wechsel verläuft ebenso einfach wie die App funktioniert: Den Vertrag mit dem neuen Stromanbieter schließe ich gleich über Finanzguru, der Vertrag mit meinem alten Anbieter wird automatisch gekündigt. Aber ganz ehrlich: Meinen alten Stromvertrag habe ich auch über Verivox gefunden. Und auch wenn das schon jetzt nicht mehr der Günstigste ist, ist ein Vergleich über Verivox ja genauso wenig neu wie Mineko. Aber warum fahren trotzdem so viele auf Finazguru ab?

Es ist die Einfachheit, die kurzen Wege. Alles – Kontoübersicht, Preisvergleich, Kündigung und so weiter – ist in einer einzigen App gebündelt. Wer keine Lust hat, Finanzguru herunterzuladen, kann sich die Spartipps auch selbst suchen und verliert kein Geld – aber eine Menge Zeit. So ziemlich alle Funktionen kannst du dir mit verschiedenen Anwendungen anderswo beschaffen, aber nirgends alle zusammen.

„Die Funktionen sind nicht unbedingt alle neu“, sagt auch Alexander Michel: „Es ist die Summe der Funktionen, die uns einzigartig macht.“ Und so soll es schnell weitere Möglichkeiten neben Strom und Nebenkosten in der App geben. „Als nächste Ausbaustufe möchten wir das Thema Versicherungen angehen“, erklärt Bruder Benjamin. Da könnte Investor Maschmeyer helfen: „Er ist extrem gut im Finanz- und Versicherungsbereich vernetzt.“ Und nun ja, da auch ich wie erwähnt zur Spezies der fauleren Menschen gehöre, werde ich wohl auch Finanzguru weiter nutzen.

Mehr: Wie Bankfilialen zusehends an Bedeutung verlieren

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