Fresenius Medical Care Dialysefirma legt langjährigen US-Streit bei

Der weltgrößte Dialysekonzern FMC hat sich im Streit mit US-Klägern geeinigt. Der deutsche Konzern soll demnach 250 Millionen Dollar ausbezahlen – die Einigung kommt somit billiger als erwartet.
Update: 18.02.2016 - 10:53 Uhr
Der Manager hat dem Konzern ein Sparprogramm verordnet. Quelle: dpa
FMC-Chef Rice Powell

Der Manager hat dem Konzern ein Sparprogramm verordnet.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) will einen Streit mit Hunderten US-Klägern um zwei seiner Mittel durch eine Millionenzahlung aus der Welt schaffen. Das Unternehmen habe in einem Produkthaftungsverfahren, in dem es um seine Dialyselösungen GranuFlo und NaturaLyte geht, eine „grundsätzliche außergerichtliche Einigung“ mit den Klägern erzielt, teilte FMC am späten Mittwochabend mit. Wenn mindestens 97 Prozent der Kläger dem von ihren Anwälten ausgehandelten Deal zustimmen, werde der Konzern aus dem hessischen Bad Homburg im August 250 Millionen Dollar ausbezahlen.

Der Streit um die Dialyselösungen GranuFlo und NaturaLyte schwelt schon viele Jahre. 2012 warf eine Gruppe von Anwälten FMC vor, unzureichend über die Nebenwirkungen der Mittel informiert zu haben, und reichte in Boston eine Sammelklage gegen das Unternehmen ein. FMC wies die Vorwürfe damals zurück. Ein falsche Dosierung von GranuFlo kann Studien zufolgen zu einem Herzstillstand bei Patienten führen. FMC betonte nun, beide Mittel seien „bei verschreibungsgemäßer Dosierung sicher und wirksam“. Sie zählten in den USA weiterhin zu den meistverabreichten Dialyselösungen.

So verschachtelt sind die Dax-Konzerne
Platz 10: Daimler (327 voll konsolidierte Gesellschaften)
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Der Stuttgarter Automobilriese konzentriert sich seit einigen Jahren wieder voll auf das organische Wachstum in seinem Kerngeschäft mit hochwertigen Autos und Lkws. Die Zahl der konsolidierten Konzerngesellschaften ist in den letzten Jahren leicht geschrumpft.

Platz 9: RWE (341)
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Der Essener Energiekonzern, dem die Erträge aufgrund der Energiewende wegbrechen, sucht auf allen Ebenen nach Einsparpotenzial. Dabei hat man auch die gesellschaftsrechtliche Struktur entdeckt. Die Zahl der GmbHs und AGs im RWE-Reich soll deutlich sinken

Platz 8: Continental (344)
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Der Automobilzulieferer gehört mit 344 konsolidierten Firmen zwar noch zu den Top-10 der Dax-Konzerne, befindet sich aber bereits deutlich auf dem Weg zu übersichtlicheren Rechtsstrukturen. Seit 2010 ist der Konsolidierungskreis bereits um ein Fünftel geschrumpft.

Platz 7: Linde (535)
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Der erfolgreiche Industriegase-Konzern wirkt mit seiner rechtlichen Struktur relativ kleinteilig. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass viele seiner Onsite-Anlagen, die auf dem Gelände von Kunden laufen, als eigenständige Gesellschaften betrieben werden. Nicht zuletzt die Übernahme von Lincare in den USA hat dafür gesorgt, dass sich der Konsolidierungskreis in den letzten vier Jahren um rund ein Zehntel vergrößerte.

Platz 6: Thyssen-Krupp (546)
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Der Stahl- und Maschinenbaukonzern gehört gemessen an der Zahl der Einzelfirmen und auch in Relation zum Umsatz zu den komplexeren Firmen im Dax. Der Trend geht aber bereits deutlich in Richtung einfacherer Strukturen, bedingt auch durch Desinvestitionen. Vor vier Jahren hatte der Konzern noch 150 Firmen mehr konsolidiert.

Platz 5: Siemens (604)
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Auch Siemens gehört nach wie vor zu den relativ komplexen Großkonzernen, obwohl sich der Münchner Elektro-Riese in den letzten Jahren bereits verkleinert hat, etwa durch die Abspaltung von Osram. Angesichts von mehr als 600 Firmen im Konzern dürfte aber noch Spielraum zur Vereinfachung bestehen.

Platz 4: Heidelberg Cement (744)
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Deutschland größter Baustoffkonzern hat die Zahl seiner Konzerngesellschaften in den letzten Jahren bereits deutlich reduziert, bewegt sich mit 744 Einheiten aber immer noch in der Spitzengruppe. Die hohe Zahl ist dabei nicht untypisch für den Baustoffsektor; Konkurrenten wie Lafarge haben noch größere Konsolidierungskreise. Vor allem das Transportbeton-Geschäft wird über viele kleine lokale Gesellschaften betrieben.

FMC wird die zu erwartende Vergleichszahlung noch im Jahresabschluss 2015 verarbeiten. Ein Großteil des Betrags, 220 Millionen Dollar, würde von Versicherungen übernommen, erklärte das Unternehmen. Da im Zusammenhang mit dem Abschluss des Verfahrens noch weitere Kosten anfallen, wird das Vorsteuerergebnis 2015 durch den Vergleich laut FMC mit 60 Millionen Dollar belastet.

FMC kommt mit der Einigung billiger weg als erwartet. „Wir glauben, das ist ein hervorragendes Ergebnis für die Firma und nimmt ein potenzielles Risiko aus dem Aktienkurs“, urteilte Analyst Tom Jones von Berenberg. Die Berenberg-Experten hatten mit einer deutlich höheren Summe für den Vergleich gerechnet. Ein Händler betonte, es sei positiv, dass die Zahlung in der Bilanz von 2015 enthalten sein werde. Die im Dax notierte FMC-Aktie tendierte leicht im Minus bei 76,56 Euro.

Der Umsatz von FMC stieg nach vorläufigen Zahlen 2015 um rund sechs Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn, der sich 2014 auf 1,05 Milliarden Dollar belief, habe um etwa zwei Prozent zugelegt – jedoch nur, wenn die Vergleichszahlung herausgerechnet würde. Unter dem Strich könnte das Unternehmen, das seit Jahren unter Kürzungen im US-Gesundheitssystem leidet, also den dritten Gewinnrückgang in Folge verzeichnen. Angepeilt hatte FMC einen Anstieg zwischen null und fünf Prozent. FMC-Chef Rice Powell versucht unter anderem mit einem Sparprogramm das Ruder herumzureißen. „Und ich bin sicher, dass wir zeigen können, dass wir die Kurve gekriegt haben“, sagte er im November im Reuters-Interview

Die detaillierten Zahlen des Jahres 2015 wollen FMC und der Mutterkonzern Fresenius am kommenden Mittwoch (24. Februar) bekanntgeben..

  • rtr
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