Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fußball Merkel vertagt Entscheidung – und die Bundesliga schmort weiter

Frühestens Mitte Mai könnten Spiele ohne Zuschauer wieder stattfinden. Die Zeit drängt: Ein Wieder-Anlaufen des Spielbetriebs ist für die Deutsche Fußball-Liga extrem wichtig.
30.04.2020 - 18:14 Uhr Kommentieren
Frühestens Mitte Mai könnte es wieder Spiele geben, allerdings ohne Zuschauer. Quelle: Reuters
Schalke 04 gegen TSG Hoffenheim

Frühestens Mitte Mai könnte es wieder Spiele geben, allerdings ohne Zuschauer.

(Foto: Reuters)

München Die Zeit wird knapp für die Fußball-Bundesliga, doch noch die unterbrochene Saison zu Ende zu spielen. Bei der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten kam man überein, die Kontaktsperre in Deutschland bis zum 10. Mai zu verlängern.

Das bedeutet, dass frühestens am 16. Mai, eher noch am 23. Mai, Liga-Spiele ohne Zuschauer anlaufen könnten. „Das ist der letztmögliche Termin“, erklärt ein Klubmanager – bis Ende Juni seien immerhin neun Spieltage zu absolvieren.

Eine konkrete Entscheidung über den Start der Bundesliga will die Merkel-Gipfelrunde erst kommenden Mittwoch fällen. Dann werde es darum gehen, in welcher Art und Weise und unter welchen Bedingungen „bestimmte sportliche Betätigungen“ wieder möglich sein werden, sagte Merkel. Bei dieser Schalte soll unter anderem das Konzept der Sportminister ausgewertet werden.

Jetzt sei es erst einmal darum gegangen, generell Bilanz über die Anti-Corona-Maßnahmen zu ziehen. Einig war man sich, am Verbot für Großveranstaltungen bis mindestens Ende August festzuhalten – was Fußballgeisterspiele ohne Zuschauer vorschreibt. „Diese werden für längere Zeit untersagt bleiben müssen“, sagte Merkel.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Spitzenmanager des deutschen Fußballs hatten zuvor auf allen Kanälen Druck gemacht, eine Wirtschaftsbranche mit 56.000 Arbeitsplätzen nicht zu gefährden. Ein „Hygiene-Konzept“ für die Corona-Pandemie zum Schutz und zum Testen der Profis aus der Ersten und Zweiten Liga fand zwar das Wohlwollen der Sportministerkonferenz der Länder und – nach Korrekturen – auch des Bundesarbeitsministeriums, doch die Zahl der Kritiker ist nach wie vor groß.

    Vor dem Gipfel hatten sich beispielsweise zwei SPD-Ministerpräsidenten skeptisch geäußert. So hält es Stephan Weil aus Niedersachsen „nicht für angemessen, dass wir die Bundesliga starten lassen, aber gar keine Perspektive für die Kinder und den Breitensport haben“. Dieter Woidke aus Brandenburg äußert sich ähnlich: „Spielplätze sind zu, Kitas sind zu, Bundesliga spielt wieder –das passt nicht wirklich zusammen.“

    Für die Neubewertung eines Starts der Bundesliga sei das aktuelle Infektionsgeschehen entscheidend, erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer schon vorab, für die Fußballprofis gelten „die gleichen Infektionsschutzregeln wie für alle anderen auch“.

    Hans-Joachim Watzke, Chef des Erstligisten Borussia Dortmund, hatte zuletzt in der TV-Talkshow „Lanz“ den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach heftig kritisiert, der einen Liga-Start mit Blick auf die vielen benötigten Testungen ablehnt. „Ich glaube gar nicht, dass er die Zeit hätte, einen Anruf von mir entgegenzunehmen, weil er pausenlos in Talkshows ist. Er ist ja omnipräsent.“

    Saison extrem gefährdet

    Für Watzke ist es völlig ausgeschlossen, erst wieder im Juni zu spielen, „dann kannst du es gleich vergessen“. Angesichts des großen Restprogramms brachte er wieder den 9. Mai als Starttermin ins Spiel, den auch die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder genannt hatten – der nun aber definitiv erledigt ist. Auch der 16. Mai sei noch möglich, sagte Watzke – „jede Woche später wird kritisch“.

    Damit ist die Saison 2019/20 extrem gefährdet. Für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ist jedoch ein Wieder-Anlaufen des Spielbetriebs enorm wichtig, da nur so die letzten Raten der Fernsehsender für Übertragungsrechte fließen – vor allem 230 Millionen Euro von Sky Deutschland. Im Vertrauen auf das TV-Geld haben einzelne Klubs schon Kredite darauf aufgenommen, 13 von 36 Klubs sind akut pleitegefährdet.

    Mitten in die aktuelle Debatte um eine Fortführung der Saison platzte dann auch noch die Nachricht herein, dass der TV-Sender Eurosport in dieser Woche von einem Sonderkündigungsrecht im Seuchenfall Gebrauch macht. Die Discovery-Tochter, die 80 Millionen Euro pro Saison für exklusive Freitagsspiele und einige weitere Begegnungen zahlte, steigt nach wirtschaftlich deprimierenden Erfahrungen aus.

    Der Streit mit der DFL dürfte bei einem Schiedsgerichtsverfahren landen. Auch der Multimediadienst Dazn, der als Sublizenznehmer für 40 Millionen die Rechte von Eurosport nutzt, könnte offenbar nicht weiter übertragen.

    Oliver Leki, Vorstand des Erstligisten SC Freiburg, fordert nach all den Turbulenzen, „das Thema Rücklagenbildung stärker in den Vordergrund“ zu stellen; dies müsse möglicherweise auch in die Lizenzierungsordnung aufgenommen werden. Die ganze Branche übt sich derzeit – bis auf Ausnahmen wie Watzke – in Demut und hält es mit einer Neubesinnung.

    So sprach sich selbst DFL-Chef Christian Seifert für Gehaltsobergrenzen für die Spieler aus. Die konstanten Mehrerlöse aus der Medienverwertung, für die Seifert seit 15 Jahren sorgt, hatten die Klubs jedoch meist für überteuerte Transfers neuer Profis genutzt.

    Mehr: Psychologe zum Umgang mit Corona: „Bald zeigt sich: Wir sind nicht alle gleich.“

    Startseite
    Mehr zu: Fußball - Merkel vertagt Entscheidung – und die Bundesliga schmort weiter
    0 Kommentare zu "Fußball: Merkel vertagt Entscheidung – und die Bundesliga schmort weiter"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%