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Gastgewerbe Hotelbranche verzeichnet wegen Corona dramatische Einbrüche

Es gibt kaum Buchungen, jeder dritte Betrieb steht laut Verband Dehoga vor der Pleite. Die Hoteliers hoffen nun auf Hilfe der Politik.
20.04.2020 - 17:27 Uhr Kommentieren
Die Ferieninsel ist derzeit komplett für Urlauber gesperrt. Quelle: dpa
Hinweisschild in Binz auf Rügen

Die Ferieninsel ist derzeit komplett für Urlauber gesperrt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wie verheerend das Coronavirus das deutsche Hotelgewerbe trifft, verrät in diesen Tagen ein Blick auf die Performance-Grafik von Fairmas. In Berlin, wo die Marktforschungsfirma täglich die Belegungsquoten von 260 Herbergen ermittelt, schwankten die Werte im April letzten Jahres zwischen 70 und fast 100 Prozent. Dieses Jahr dagegen ist die Grafikkurve kaum noch zu finden. Mit Werten von fünf und zehn Prozent klebt sie nahezu an der X-Achse.

Hinter der Statistik verbergen sich dramatische Zustände. Das Schwarzwälder Luxus- und Golfhotel Öschberghof, das den Erben von Aldi-Gründer Karl Albrecht untersteht, verwandelte sich wie viele andere am 18. März nahezu zu einem Geisterhotel. Seit dem 1. April sind dort alle 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit mit null Prozent Arbeitsanteil.

„Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich“, klagt selbst Motel-One-Gründer Dieter Müller, dessen Hotelkette zu den Champions im deutschen Markt zählt. Sein Unternehmen rechne „mit einer massiven Störung des Geschäftsverlaufs und hohen Umsatzeinbrüchen in den kommenden Monaten“. Guido Zöllick vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) geht sogar davon aus, dass jeder dritte Betrieb vor der Pleite steht.

Wie Deutschlands größte Budget-Kette Motel One haben fast alle Herbergen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Sie trifft die Anordnung der meisten Bundesländer, dass Übernachtungsangebote im Inland nur noch zu „notwendigen“ und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden können.

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    Booking.com in Not

    Erst am 30. April wollen Bund und Länder diese Regelung überprüfen. Dass sich dort eine grundlegende Änderung ergibt, glauben in der Hotelbranche allerdings die wenigsten. Hinzu kommt: Mindestens bis zum 31. August sind in jedem Fall Großveranstaltungen in den Häusern untersagt.

    Sogar der milliardenschwere Onlinevermittler Booking.com, dessen Hauptquartier an Amsterdams Grachten liegt, will die niederländische Regierung nach eigenen Angaben um Unterstützung bitten. Der an der Börse teuerste Reiseveranstalter der Welt wird angeblich von der Pandemie derart schwer getroffen, dass er ohne Hilfe zum Mittel der Entlassungen greifen müsste.

    Das Siechtum der Hotelbranche begann in Deutschland schon vor dem europaweiten Ausbruch der Seuche. Bereits im Januar und Februar, als das Coronavirus nahezu ausschließlich asiatische Gäste vom deutschen Hotelmarkt fernhielt, klagten die Hoteliers über eine durchschnittliche Auslastung von nur 51,6 Prozent – und damit einen Rückgang von 20,6 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019.

    Im März ging es dann noch einmal massiv bergab. Laut Fairmas sackte die Belegungsrate im vergangenen Monat auf nur noch 29,3 Prozent, bedingt zunächst durch die zahlreichen Messeabsagen, ab Mitte März dann zusätzlich durch die massiven Restriktionen in zahlreichen Bundesländern.

    So ist der Besuch auf Inseln wie Sylt, Rügen oder Usedom seither nicht mehr erlaubt, Hotels in diesen Ferienregionen mussten komplett schließen. Auch in Städten wie Köln und Bonn verhängten die Verwaltungen ein Öffnungsverbot, das sie später auf richterliche Weisung jedoch teilweise wieder lockerten.

    In den meisten Bundesländern aber gilt bis heute: Touristen müssen draußen bleiben, allein Geschäftsreisenden ist der Zutritt erlaubt. Von den 1742 Häusern, die der Marktforscher Fairmas beobachtet, stellten inzwischen 40 Prozent vorübergehend den Betrieb ein.

    2,4 Millionen Beschäftigte

    Es geht um einiges. Allein in Deutschland zählt der Hotel- und Gaststättenverband 223.000 „gastgewerbliche Betriebe“, die zusammen 2,4 Millionen Mitarbeiter beschäftigen. Laut Deutschem Tourismusverband sorgt die touristische Nachfrage jährlich für eine direkte Bruttowertschöpfung von 105,3 Milliarden Euro, was knapp vier Prozent der gesamten deutschen Wertschöpfung entspricht. 35,8 Milliarden Euro kamen davon alleine aus dem Übernachtungsgewerbe.

    Hochgerechnet seien den deutschen Urlaubsgebieten im März und April Umsätze von 15 Milliarden Euro für Gastronomie, Tagesreisen, Sport, Unterhaltung, Freizeit und Kultur entgangen – zusätzlich zu neun Milliarden Euro wegen fehlender Übernachtungsreisen.

    Als dringende Hilfsmaßnahme fordert der Dehoga nun einen auf sieben Prozent verminderten Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie. „Mit sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer könnten die nicht unerheblichen Umsatzausfälle aufgrund der dann einzuhaltenden Abstandsregelungen ein wenig kompensiert werden“, begründet dies Verbandspräsident Zöllick. Der reduzierte Satz würde zudem helfen, aufgenommene Kredite auch tilgen zu können. Auch ein Rettungs- und Entschädigungsfonds für das Gastgewerbe steht auf seinem Forderungskatalog.

    Beim Bundesfinanzminister findet er damit offenbar Gehör. Olaf Scholz stellte nun in einem Interview der „Welt am Sonntag“ Hoteliers und Restaurantbetreibern finanzielle Unterstützung in Aussicht. „Natürlich schauen wir genau, ob und wo wir gezielt weitere Hilfen benötigen“, sagte er. „Wir haben vor allem jene Branchen im Blick, für die es noch nicht so schnell wieder losgeht.“ Das Hotel- und Gaststättengewerbe gehöre sicherlich dazu.

    Mehr: Dorint-Chef kämpft vor Gericht um die Existenz der Kette

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