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Gebäudeausrüster Imtech-Mutter meldet Insolvenz an

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Entwarnung für den Berliner Flughafen BER

Das gilt auch für die prominentesten Kunden von Imtech. Seit Tagen kursierten Gerüchte, die Fertigstellung des Berliner Flughafens BER könnte sich verzögern, weil Imtech einen Insolvenzantrag stellte. Doch Borchardt gibt Entwarnung. Für die kommenden drei Monate seien die Gehälter der rund 4000 Mitarbeiter ohnehin gesetzlich abgesichert, beim BER liege Imtech voll im Zeitplan.

Viel übler als Imtech stellt sich deshalb die Lage der Subunternehmen des Konzerns da. Sie haben teils Waren im Wert von zehntausenden und hunderttausenden von Euro an Imtech geliefert - und nun zunächst keine Möglichkeit, das Geld einzutreiben. Hunderte, teils tausende von bereits geleisteten Stunden werden möglicherweise nicht bezahlt. Ob Imtech in der Lage sein wird, künftig zu zahlen, kann den Subunternehmern niemand garantieren. „Was soll ich jetzt machen“, sagt ein Geschäftsführer einer zehn-Mann-Firma, die in Hessen für Imtech arbeitet. „Wenn ich einen Schnitt mache und Baustelle verlasse, verscherze ich es mir auf alle Zeit mit dem Bauherren. Und wenn ich einfach weitermache, weiß ich vielleicht in zwei Wochen nicht, wie ich meine Leute bezahlen soll.“

So ist die Lage für alle Beteiligten weiter wackelig – wenn auch offenbar nicht auf den allergrößten Baustellen. Beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 seien die allermeisten Arbeiten längst von Imtech getan, hieß es aus dem Unternehmen. Die brenzlige Lage habe keine Auswirkungen. Verwirrung gab es dagegen um den Umbau der Kölner Oper. Mitte der Woche hieß es, Imtech sei nicht auf der Baustelle erschienen,  und eine weitere Verzögerung und Verteuerung des Projekts werde folgen. Am Donnerstag teilte Imtech mit, es sei zu einem Missverständnis gekommen. Eine Sicherheitsfirma habe den Mitarbeitern von Imtech den Zutritt auf die Baustelle verweigert. Inzwischen sei die Situation aber geklärt.

Auch die vorsichtigen Erfolgsmeldungen können freilich an dem Grundschicksal von Imtech nichts ändern. Viele Jahre lang galt Imtech als Perle der europäischen und vor allem auch deutschen Ingenieurskunst. 1997 wurde die traditionsreiche Baufirma Rudolph Otto Meyer von Imtech übernommen. Viele weitere Zukäufe prägten die Firmenchronik. Kaum ein Prestige-Bau in Europa wurde mehr ohne Imtech gebaut. 2011 erhielt das Unternehmen den königlichen Ehrentitel Royal Imtech. Bis 2015 wollte die Führung den Umsatz auf acht Milliarden Euro verdoppeln.

Doch Imtech hatte auf Sand gebaut. Wie sich Anfang 2013 herausstellte, waren vor allem von der deutschen Führung zahllose defizitäre Projekte begonnen worden. Scheinumsätze und Scheingewinne wurden kreiert, Bilanzen geschönt und Gelder verschoben. In zum Deutschland gehörigen Polengeschäft stellte sich ein mit 800 Millionen Euro Volumen als größter Auftrag der Konzerngeschichte gefeierter Abenteuerpark als reine Fantasie heraus. Dies führte zu zweistelligen Millionenverlusten.

Während in Deutschland der neue Geschäftsführer Felix Colsman die Aufräumarbeiten vorantrieb, musste er mit riesigen Verlusten kämpfen. 2013 schrieb Imtech Deutschland ein Minus von 202 Millionen Euro. Auch 2014 waren noch mehr als 80 Millionen Verlust. Die Eigenkapitalquote fiel auf minus 142 Prozent. Immer wenn die Führung dachte, sie sei einen Schritt weitergekommen, holte sie die Vergangenheit wieder ein – teils mit unabsehbaren finanziellen Belastungen.

Im Herbst deckte ein Handelsblatt-Bericht ein riesiges Kartell auf, in dem Imtech eine Schlüsselrolle spielte. Später durchsuchten die Staatsanwaltschaft München und das Bundeskartellamt insgesamt 50 Objekte in ganz Deutschland, darunter die Geschäftsräume von Imtech in Aalen, Hamburg, Stuttgart und München. Illegale Absprachen bei 50 Großprojekten in aller Welt sollen zu Millionenschäden geführt haben. Opfer waren Firmen wie Audi, Eon, RWE und vor allem Siemens.

Damit nicht genug. Um die Jahreswende 2015 herum wurde bekannt, dass Imtech Deutschland unter der alten Führung auch mit geradezu mafiösen Methoden gearbeitet hatte, und dies ausgerechnet auf Deutschlands prominentester Baustelle – dem Flughafen BER.

Der ehemalige Deutschlandchef von Imtech gab gegenüber der Staatsanwaltschaft Neuruppin zu, dass er die Zahlung von 150.000 Euro an einen Manager des BER veranlasst habe. Das Geld wurde im Dezember 2012 von einer seiner Führungskräfte an einem Gasthof an der A24 in einem braunen Umschlag überreicht. Wer den Anstoß zu der Schmiergeldzahlung gab, blieb strittig. Sicher ist, dass Imtech zu jener Zeit dringend Geld brauchte, und dass kurz nach der Bargeldübergabe eine Abschlagzahlung von rund 60 Millionen Euro vom BER an Imtech floss. Ob die entsprechenden Arbeiten von Imtech vor der Zahlung geprüft wurden, ist unwahrscheinlich. Der BER-Manager sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

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