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Gedächtnistraining 3 Tricks für ein besseres Gedächtnis

Die PIN-Nummer, das Xing-Passwort, der Name der neuen Kollegin – unser Gedächtnis lässt uns im Alltag ziemlich oft im Stich. Schluss damit! Eine Gedächtnistrainerin verrät, wie wir uns Dinge einfach besser merken können.
  • Clara Dembinski
10.07.2018 - 13:40 Uhr Kommentieren
Gehirn Tricks merken Gedächtnis
Leiter zum Gehirn

Merkst du was? (Foto: Imago)

Dieser Artikel ist am 10. Juli 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

„Don’t you forget about me“, sang die Band Simple Minds schon in den 80ern – gar nicht so leicht, wenn man gerade auf einer Einweihungsfeier zwanzig neue Leute kennengelernt hat. Ähhh, Lena, Laura, Lisa – wie war das nochmal?

Besser merken: 3 Tricks für ein gutes Gedächtnis

Wie kann es sein, dass in meinem Gehirn Platz für hundert Liedtexte ist, ich mir aber partout keine Namen merken kann. Ganz zu schweigen von Passwörtern oder wo ich meine Schlüssel hingelegt habe? Für Klausuren verwende ich gekonnt die Bulimie-Lerntaktik und wer gerade eigentlich die neue Familienministerin ist muss ich jedes Mal aufs Neue nachschauen.

Dabei haben wir mit unserem Gehirn einen Hochleistungsspeicher parat, der sich ständig erweitert und neue Verknüpfungen schafft, je mehr wir dazulernen. Forscher haben sogar herausgefunden, dass unser Gehirn innerhalb von 350 Millisekunden bereits gesehene Eindrücke wiedererkennen kann. Treffen wir also einen Menschen wieder, den wir lange nicht gesehen haben, dann erinnert sich das Gehirn in unter einer halben Sekunde zumindest an ein Bekanntheitsgefühl.

Wenn man sich jetzt noch an den Namen dazu erinnern könnte. Mir reicht’s: Ich treffe mich mit Ursula Noack, seit zwölf Jahren ausgebildete Gedächtnistrainerin und Ausbilderin für andere Gedächtniscoaches vom „Denktraining Hamburg“. Mit diesen drei Tricks wirst du garantiert so schnell nichts mehr vergessen.

Besser merken: Trick 1 – die Loci-Methode fürs Langzeitgedächtnis

Bei der Loci-Methode, von Locus (Lateinisch = der Ort), merkt man sich Gegenstände indem man sie gedanklich einem gewissen Ort zuordnet. Dabei könne man sich ohne Probleme bis zu 20 Gegenstände merken, meint Noack.

Die Loci-Methode ist besonders geeignet, um sich Reihenfolgen zu merken. Dabei helfen bestimmte Abläufe, wie zum Beispiel die Körperroute. Man nummeriert dafür bestimmte Körperteile von unten nach oben oder andersherum. Dann merkt man sich anhand dessen eine Reihenfolge und verknüpft diese mit den Begriffen oder Eindrücken.

Der linke Fuß wäre dann beispielsweise Nummer eins, mit München als südlichster Landeshauptstadt, natürlich in Bayern. Und ganz oben die Nase, Nummer 16, Kiel – Hauptstadt von Schleswig-Holstein.

Diese Strategie macht das Merken deutlich einfacher als stumpfes Auswendiglernen. Dabei kann das Gehirn nämlich keine logischen Zusammenhänge zwischen den Gegenständen herstellen. Deshalb fällt es uns auch so schwer Listen auswendig zu lernen – etwa mit allen Bundesländern Deutschlands oder den neuesten Vokabeln aus dem Spanisch-Unterricht.

Man kann sich auch Personen mit dieser Strategie merken, indem man diese gedanklich an einem Ort „ablegt“. Damit das funktioniert, lässt man sich bestenfalls eine Geschichte einfallen, die die Person mit dem Ort verbindet. Redet ein Arbeitskollege zum Beispiel öfter mal zu viel, dann legt man seinen Namen auf der Zunge ab. Klingt einfach, oder?

Erstaunlicherweise klappt das übrigens besonders gut, je verrückter die Geschichte ist, die man sich ausdenkt. „Das Gehirn kann sich merkwürdige Sachen besser merken, als alltägliche Dinge. Am besten funktionieren sexuelle Anspielungen“, lacht Noack. „Je schlüpfriger und kreativer die Geschichte wird, desto eher kann man sich daran erinnern“.

2. Trick für ein gutes Gedächtnis: Mind-Maps

Eigentlich ist diese Technik gestohlen aus dem Zeitmanagement, lässt sich aber ideal zum Gedächtnistraining nutzen. „Wir helfen mit den Mind Maps schlicht dem Gehirn Verbindungen herzustellen“, sagt die Erinnerungs-Akrobatin.

Bei einer klassischen Mind-Map, erfunden von Tony Buzan, zeichnet man auf ein zuvor leeres Blatt Papier einige Begriffe, die miteinander zusammenhängen. Meist geschieht dies kreisförmig. „Ich zeichne mir fast jeden Tag eine Mind Map. In die Mitte schreibe ich das Datum und darum herum alle Aufgaben, die ich an dem Tag zu erledigen habe“, sagt Noack. Durch die Verbindungen kann sich das Gehirn die Aufgaben besonders gut merken.

Der Trick dahinter: Mit je mehr Sinnen ich mir etwas einpräge, desto besser kann ich es mir merken. Ich sehe also nicht nur den Begriff, sondern schreibe ihn auch, das helfe zu „be“-greifen. Deshalb bleiben auch Inhalte aus Videos besonders gut hängen, weil man sie hört, aber eben auch sieht.

3. Namen besser merken? Eselsbrücken bauen!

Jetzt wird’s ernst: Wie merke ich mir Namen? Die Expertin rät: Den Namen sofort wiederholen, wenn sich jemand vorgestellt hat. Es hilft außerdem, wenn man nachfragt, wo der Name herkommt, oder wie er sich schreibt.

Außerdem müsse man sich unbedingt Eselsbrücken bauen. Dafür kann der Name beispielsweise in Silben unterteilt werden. Es helfe auch, sich dazu einen Reim auszudenken. Immer noch ganz nach dem Motto: Je abstruser, desto leichter zu merken. Am besten funktioniere es aber, denkt man sich eine Geschichte zu der Person aus.

Ein Beispiel muss her. Noack: „Heißt die betroffene Person zum Beispiel Karminski, könnte man überlegen, die Person sitzt gerne am Kamin, wenn es kalt ist und fährt gerne Ski. Die kleinsten Geschichten können einem helfen, sich später an den Namen zu erinnern“.

Wie ist es mit meinem Namen, frage ich die Gedächtnistrainerin. Kurzes Schweigen. Wie schreibt man das nochmal, sagt sie lachend. Dem-bin-ski, unterteilt sie. „Sie fahren jedenfalls auch gerne Ski“, sagt sie lachend. Na, da hat sie recht. Schnell gemerkt!

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