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Geschäftsreisen Für Dienstleister BCD Travel werden Flugausfälle zum Geschäftsmodell

Deutschlands größter Geschäftsreise-Anbieter schlägt aus dem andauernden Flugchaos Profit. Im Kundenauftrag bittet er Airlines automatisch zur Kasse.
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Drohen Flüge auszufallen, werden die Flüge bei BCD Travel umgebucht, eine alternative Bahnverbindung oder ein Mietwagen organisiert. Quelle: paul mocan on Unsplash Copy
Flughafen

Drohen Flüge auszufallen, werden die Flüge bei BCD Travel umgebucht, eine alternative Bahnverbindung oder ein Mietwagen organisiert.

(Foto: paul mocan on Unsplash Copy)

DüsseldorfMehr als 200.000 Passagiere traf es Mitte vergangener Woche. Wegen Warnstreiks privater Sicherheitskräfte, die Lohnerhöhungen von bis zu 44 Prozent forderten, ging an acht deutschen Flughäfen nichts mehr. Vor der nächsten Verhandlungsrunde am 23. Januar, drohte die Gewerkschaft Verdi bereits, könnte sich der Spuk wiederholen.

Holger Schmeding, Deutschlandchef des Geschäftsreisevermittlers BCD Travel, hat aus den dauernden Flugausfällen und -verspätungen ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt – zumal das Airlinechaos schon im Sommer 2018 weitaus mehr Geschäftsreisende als sonst zur Verzweiflung trieb. „Wer über uns bucht“, verspricht der 57-Jährige, „erhält im Fall der Verspätung automatisch eine E-Mail über den jeweiligen Entschädigungsanspruch.“

Üblicherweise verdient der Bremer Reisevermittler seine Provision, indem er Firmen bei der Suche von Hotels, günstigen Mietwagen, Flügen und Bahnverbindungen unterstützt. 2540 Unternehmen stehen deutschlandweit in der Kundenkartei, fast zwei Drittel aller Dax-Konzerne besitzen einen Rahmenvertrag mit BCD.

Der jährliche Buchungsumsatz von 1,9 Milliarden Euro macht den Deutschlandableger des 1975 von John Fentener van Vlissingen in den Niederlanden gegründeten Geschäftsreiseanbieters hierzulande zum Marktführer – noch vor den global führenden Wettbewerbern Carlson Wagonlit (CWT) und American Express Travel.

Schmeding, verheirateter Vater zweier Kinder und Wochenendpendler zwischen Baden-Baden und Bremen, führt die Landesgesellschaft seit Mai vergangenen Jahres, was für ihn keine leichte Aufgabe sein dürfte. Nur um 1,7 Prozent, errechnete der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), ging es zuletzt mit den Geschäftsreiseumsätzen nach oben. Zum Vergleich: Dem europäischen Auslandstourismus prognostizieren Experten für dieses Jahr ein dreifach so starkes Wachstum.

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Leistete sich früher fast jedes Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten den Rahmenvertrag einer Geschäftsreiseagentur, liegt die Quote heute bei nur noch 44 Prozent. Als wichtigen Grund nennt eine Studie der Expedia-Tochter Egencia den Vormarsch des Smartphones. Über leicht zu bedienende Apps besorgen sich Manager längst eigenständig kostengünstige Hotels und Flüge.

Eine vor wenigen Monaten veröffentlichte Reiseanalyse des VDR, der Nutzergewohnheiten erfragte, bestätigt das: In Großunternehmen spielt die Reiserichtlinie des Arbeitgebers bei einem Drittel der Beschäftigten keine Rolle mehr, wenn es um die Buchung von Hotels geht. In kleineren Firmen richtet sich nicht einmal mehr jeder zweite Beschäftigte danach.

Erschwerend kommt für traditionelle Geschäftsreiseagenturen hinzu, dass Onlineportale in ihrem angestammten Geschäft wildern. So wirbt auch der Kölner Hotelvermittler HRS massiv um Rahmenverträge mit großen Firmen. Man habe inzwischen Konzerne wie Siemens, Huawei oder Volkswagen in der Kundenkartei, erzählte Firmenchef Tobias Ragge dem Handelsblatt.

Kundenbindung um jeden Preis

Die drohende Abwanderung von Kunden will der BCD-Deutschlandchef mit allen Mitteln verhindern. So hat er zuletzt seine Callcenter personell aufgestockt, um Geschäftsreisende im Notfall per Telefon auf andere Verkehrsmittel umzuleiten.

„Falls Flüge auszufallen drohen“, sagt Schmeding, „buchen wir auf einen anderen Flug um, besorgen eine alternative Bahnverbindung oder einen Mietwagen. Außerdem informieren wir Reisende per App über mögliche Störungen im Reiseverlauf.“

Herzstück seiner Offensive aber ist die „Air Disruption Compensation“. Dazu hat er sich mit dem Fluggastrechte-Büro AirHelp zusammengetan, über das er BCD-Buchern Entschädigungszahlungen verspricht, falls es mit dem Flug nicht geklappt hat.

Für am Boden gebliebene Passagiere mitunter ein lohnendes Geschäft, stehen ihnen doch bei längeren Verspätungen je nach Entfernung zwischen 250 und 600 Euro zu. Wer nach dem automatischen Mail-Hinweis einem Entschädigungsantrag zustimmt, bleibt zudem ohne Risiko. Nur im Erfolgsfall zieht sich AirHelp von dem Erstattungsbetrag eine Gebühr ab.

Dabei geht es um reichlich Geld. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres kamen deutschlandweit Ansprüche von 823 Millionen Euro zusammen – die sich die meisten Fluggäste jedoch durch die Lappen gehen ließen. „Nur fünf bis sechs Prozent der Betroffenen treiben ihre berechtigten Forderungen ein“, beobachtete BCD-Deutschlandchef Schmeding.

Doch längst nicht alle Forderungen sind berechtigt. Wer als Kunde in diesen Tagen Opfer eines Flughafenstreiks wird, darf von dem BCD-Service wenig erwarten: Fluggästen, die von einem Streik betroffen sind, fehlt nach gängiger Rechtsprechung der Anspruch auf Entschädigung.

Mehr als der Anspruch auf Versorgungsleistungen, ein ersatzweiser Transport zum nächstmöglichen Zeitpunkt oder die Erstattung des Flugtickets sind deshalb auch für BCD-Kunden kaum drin.

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