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Gesundheit Kliniken in der Krise: Malteser wollen Krankenhäuser verkaufen

Die Lage für Krankenhausbetreiber in Deutschland wird immer schwieriger: Nun sucht die Hilfsorganisation Malteser neue Eigentümer für sechs ihrer acht Akutkliniken.
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Die Organisation will sich von Krankenhäusern im Rheinland und in Sachsen trennen. Quelle: Malteser Deutschland
Malteser-Krankenhaus in Duisburg

Die Organisation will sich von Krankenhäusern im Rheinland und in Sachsen trennen.

(Foto: Malteser Deutschland)

Frankfurt Die katholische Hilfsorganisation Malteser will sich weitgehend aus dem Krankenhausmarkt zurückziehen und plant, sechs ihrer insgesamt acht Akutkrankenhäuser zu verkaufen. „Wir haben die Entscheidung schweren Herzens getroffen“, betont Karl Prinz zu Löwenstein, Generalbevollmächtigter des Betreibers Malteser Deutschland, gegenüber dem Handelsblatt.

„In den bestehenden Strukturen im Markt wird es für einzelne Krankenhäuser immer schwieriger, einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten und zusätzlich die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur der einzelnen Häuser tätigen zu können“, sagt zu Löwenstein, der bis 2017 einige Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Malteser Hilfsdienstes war.

Trennen wollen sich die Malteser von sechs Krankenhäusern an sieben Standorten im Rheinland und in Sachsen. Die Kliniken, von denen einige laut zu Löwenstein Verlust geschrieben haben, erzielten einen Jahresumsatz von zusammen 312 Millionen Euro und beschäftigen rund 3900 Mitarbeiter.

Erste Gespräche mit ausgewählten potenziellen neuen Eigentümern seien aufgenommen worden. Ziel ist es, diese Gespräche im ersten Quartal 2020 abzuschließen. Laut zu Löwenstein wolle man kein Bieterverfahren starten, sondern habe gezielt auf dem deutschen Gesundheitsmarkt erfahrene und renommierte Krankenhausbetreiber angesprochen. Man sei sowohl für öffentlich-rechtliche oder freigemeinnützige, aber auch private Träger offen, nicht aber für Finanzinvestoren.

Verkaufspläne in einer solchen Größenordnung hat es im Krankenhausmarkt lange nicht gegeben. Zumeist wechselten in den vergangenen Jahren einzelne Häuser den Besitzer. Der letzte große Verkauf fand zwischen privaten Krankenhausbetreibern statt, als die Fresenius-Tochter Helios in den Jahren 2013 und 2014 rund 40 Häuser von Rhön-Klinikum übernahm.

Markt ist überbesetzt

Die Probleme im deutschen Krankenhausmarkt sind vielfältig. Zum einen decken die Vergütungen die Kostensteigerungen nur zum Teil. Zudem kommen die Bundesländer seit Langem ihrer Verpflichtung nicht nach, die erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur bereitzustellen. Außerdem ächzen die Kliniken unter immer mehr Regularien. In den vergangenen eineinhalb Jahren gab es einige Kliniken, die Insolvenz angemeldet haben.

Zu den Problemen im deutschen Krankenhausmarkt gehört allerdings auch, dass der Markt in vielen Regionen überbesetzt ist. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Juli dieses Jahres sollte in Deutschland mehr als jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Von den derzeit knapp 1400 Krankenhäusern sollten nur deutlich weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben, die dann mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten können.

Über die Studie wurde heftig in der Branche debattiert, aber tatsächlich ist die Überbesetzung des Klinikmarktes in verschiedenen Regionen schon lange ein Thema. Mit Krankenhäusern in Duisburg, Köln und dem Rhein-Sieg-Kreis sind die Malteser genau an solchen Standorten vertreten, in deren Umfeld viele Kliniken angesiedelt sind.

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2017 hatten die Malteser gemeinsam mit einer Beratungsgesellschaft bereits ein Zukunftsprogramm zur Steigerung der Leistung und Effizienz der Kliniken gestartet. Ziel war es, mittelfristig eine operative Marge (Ebit) von mindestens sieben Prozent zu erreichen.

„Diese Größenordnung ist notwendig, um als freigemeinnütziger Betreiber ausreichend Geld für Investitionen bereitstellen zu können“, betont zu Löwenstein. In die Standorte Duisburg und Krefeld etwa hatten die Malteser in den vergangenen Jahren mehr als 70 Millionen Euro investiert.

Obwohl die Malteser-Kliniken durch das Zukunftsprogramm ihre Leistungsfähigkeit verbessert haben, reichten die Fortschritte nicht aus, „um alle Kliniken auf dem hohen pflegerischen und medizinischen Niveau weiterzuführen, wie wir uns das wünschen“, sagt zu Löwenstein.

Zwei Häuser behält die Organisation

Die Akutkrankenhäuser, die zum Verkauf gestellt werden, liegen in Bonn (Seliger Gerhard), Köln (St. Hildegardis), Duisburg (St. Johannes-Stift sowie St. Anna), Krefeld-Uerdingen (St. Josefshospital), Görlitz (St. Carolus) und Kamenz (St. Johannes). „Für alle diese Häuser sehen wir genug Potenzial, dass sie unter einem neuen Eigner sinnvoll weiterentwickelt und betrieben werden können“, sagt zu Löwenstein.

Zwei Akutkrankenhäuser wollen die Malteser behalten: Eines davon ist das Haus in Flensburg, das mit der Klinik der evangelisch-lutherischen Diakonieanstalt zum „Malteser-Diako Klinikum“ zusammengefasst wird. Beide Kliniken kommen zusammen auf mehr als 800 Betten. Mit finanzieller Unterstützung vom Land soll in Flensburg in den nächsten Jahren ein neues Zentralkrankenhaus entstehen, das die beiden Kliniken ersetzen soll.

Zudem behalten die Malteser auch das Akutkrankenhaus in Erlangen, das vor zwei Jahren übernommen wurde und mit Investitionen vom Land weiterentwickelt werden soll.

Der Malteser Hilfsdienst in Deutschland ist eine katholische Hilfsorganisation, die vom Deutschen Caritasverband und zwei Gliederungen des Malteserordens gegründet wurde. Sie hilft bedürftigen Menschen im In- und Ausland. Auch in der Notfallversorgung, sozialen Diensten und der Jugendarbeit ist die Organisation aktiv.

Die Krankenhaus- und Pflegeaktivitäten sind in der Malteser Deutschland gemeinnützige GmbH zusammengefasst, die zuletzt 698 Millionen Euro Betriebsleistung erbrachte und knapp 8400 Mitarbeiter beschäftigt.

Mehr: Deutschlands Krankenhäuser erleben eine Insolvenzwelle. Das liegt nicht nur daran, dass die Zahl der stationären Patienten sinkt. In vielen Regionen gibt es Überkapazitäten.

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