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Gesundheitsbranche Fonds prüfen Kauf des Klinikbetreibers Median

Der größte private Betreiber von Rehakliniken in Deutschland steht vor dem Verkauf. Ein neuer Finanzinvestor soll die Expansion in Europa finanzieren.
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Immer mehr Rehakliniken gehören zu großen Ketten. Quelle: imago/Science Photo Library
Geschäftsführer und Arzt im Gespräch

Immer mehr Rehakliniken gehören zu großen Ketten.

(Foto: imago/Science Photo Library)

FrankfurtWie ein Schloss prangt das Klinikgebäude über dem romantischen Gottleubetal zwischen Osterzgebirge und der Sächsischen Schweiz, rund 30 Kilometer südlich von Dresden. Die Heilstätte im Jugendstil, mit roten Dächern und verzierten Pavillons, gilt als das erste große Arbeitersanatorium in der Geschichte Deutschlands. Hierhin kamen 1913 erstmals Bäcker, Dreher und Schlosser, um sich von den Strapazen ihrer Arbeit zu erholen.

Heute steht auf der 28 Hektar großen Anlage einer der größten Reha-Betriebe in Deutschland. 650 Patienten werden hier in sechs verschiedenen Kliniken behandelt, psychosomatisch Erkrankte ebenso wie Patienten mit Rückenleiden oder Herz-Kreislauf-Problemen. Das Ziel wie in allen Rehakliniken ist auch hier: Die Erkrankten sollen stabilisiert und wieder leistungsfähig werden, damit sie wieder arbeiten können.

Betrieben wird die Anlage von Median, dem größten privaten Anbieter von Rehakliniken in Deutschland. Die Berliner Gruppe hat unter der Ägide des Finanzinvestors Waterland den Markt per Fusionen und Übernahmen aufgerollt. 121 Einrichtungen sind mittlerweile unter dem Median-Dach vereint, rund ein Fünftel aller privaten Rehakliniken in Deutschland. Entstanden ist so die fünftgrößte private Klinik-Kette im heimischen Gesundheitsmarkt mit einem Jahresumsatz, der aktuell bei rund einer Milliarde Euro liegt.

Nun könnte Median zum nächsten großen Übernahmeziel von Finanzinvestoren in Deutschland werden: Nach Informationen aus Finanz- und Branchenkreisen treibt der Finanzinvestor Waterland den Verkauf voran. Der bisherige Eigentümer lässt derzeit von der Investmentbank Morgan Stanley mögliche Offerten einholen. Der Transaktionswert wird auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Alle größeren Private-Equity-Fonds schauen sich den Kreisen zufolge das Kaufobjekt an und prüfen die Übernahme.

Median selbst will sich nicht zu Verkaufsplänen äußern. Klar aber ist, dass das Unternehmen weiterhin einen finanzkräftigen Eigentümer braucht. Denn Medians Pläne sind ambitioniert: „Wir wollen weiter zukaufen. Mein Ziel ist es, dass wir in vier bis fünf Jahren bei 200 Einrichtungen liegen“, sagte Median-Chef André Schmidt in einem Interview mit dem Handelsblatt.

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Für Finanzinvestoren ist die zersplitterte Branche der Rehakliniken attraktiv: Kleinere Anbieter werden per Zukauf an eine Plattform angedockt, die dann ihre Größenvorteile ausspielt. Median ist so eine Plattform: Waterland hat 2011 den Rehaklinik-Betreiber RHM übernommen und vier Jahre später mit Median fusioniert. 2016 kam die Allgemeine Hospitalgesellschaft (AHG) hinzu – ein Konzern mit 15.000 Mitarbeitern und jährlich 230.000 Patienten entstand.

Die Rehakliniken bilden hinter den Krankenhäusern und Pflegeheimen den kleinsten Sektor im deutschen Klinikmarkt. Auf neun Milliarden Euro Umsatz bei einem jährlichen Wachstum von 2,7 Prozent wird das Volumen geschätzt. Bezahlt werden die überwiegend privaten Anbieter hauptsächlich von der Deutschen Rentenversicherung, die selbst viele Kliniken betreibt.

Credo heißt Standardisierung

Chancen für weitere Übernahmen sieht Median-Chef Schmidt genug. „Das Tempo der Konsolidierung wird noch zunehmen“, erwartet er. Vielen Rehaklinik-Betreibern, die in den 70er- und 80er-Jahren gegründet wurden, fehlen Nachfolger. Hinzu käme, dass einzelne kleine Klinikbetreiber sich die hohen Investitionen in teils zweistelliger Millionenhöhe nicht leisten könnten, sagt Schmidt.

Branchenexperten bestätigen den Trend im Prinzip: „Die Bildung größerer Ketten im Reha‧markt ist sinnvoll und wird sicher zunehmen“, sagt Hartmut Schmidt von der Klinik-Marktforschung HPS Research. Größe und Kapitalkraft sei für die anstehenden Herausforderungen wichtig, etwa in der Digitalisierung und Robotik.

Den aggressiven Kurs von Median sieht der Branchenbeobachter aber kritisch. „Median hat sich die starke Expansion per Übernahmen teuer erkauft“, sagt Marktforscher Schmidt. Er verweist auf die letzten offiziell vorliegenden Zahlen: Das Jahr 2016 schloss die Firma mit einem Nettoverlust ab und hatte damals Verbindlichkeiten in Höhe von 450 Millionen Euro.

Diese Phase hat Median nach eigenen Angaben hinter sich gelassen. „Wir sind trotz Umbaukosten klar in schwarzen Zahlen“, sagt Median-Chef Schmidt. Der Nettogewinn habe 2017 eine zweistellige Millionenhöhe erreicht und werde in diesem Jahr steigen. Die Verschuldung liege aktuell unter 400 Millionen Euro, obwohl Median mit AHG eine große Übernahme gestemmt habe, unterstreicht er.

Median setzt auf Größenvorteil

Median setzt voll auf die Größenvorteile einer Kette, und zwar nicht nur beim Einkauf oder der Zentralisierung von Servicefunktionen. „Wir bauen mit zunehmender Größe die Verwaltung zurück und die medizinische Therapie aus“, erläutert Schmidt. Sein Credo heißt Standardisierung. Damit hat sich der Klinikbetreiber nicht nur Freunde gemacht. Die Gewerkschaft Verdi etwa bezichtigte Median der „Profitgier auf Kosten der Arbeitnehmer“, was in Richtung des Besitzers Waterland zielte. Kritiker werfen Median vor, unter dem Einfluss eines Finanzinvestors hauptsächlich Kostensenkungen voranzutreiben.

Median-Chef Schmidt weist solche Vorwürfe zurück. Man wolle Erfahrungen aus einzelnen Kliniken bündeln, die daraus entwickelten Standards würden mehr Qualität bringen: „Es geht darum, für vergleichbare Patientengruppen vergleichbare Therapieangebote zu entwickeln.“ Je mehr Behandlungsdaten aus verschiedenen Kliniken vorliegen, desto besser soll die Therapie für die Patienten werden.

Dazu sollen künftig auch Kliniken aus dem Ausland beitragen. Denn parallel zur Expansion in Deutschland plant Schmidt auch Zukäufe in europäischen Ländern, etwa in Österreich, in der Schweiz und in Großbritannien. Damit würde Median den Konkurrenten Fresenius direkt angreifen. Der Dax-Konzern hat im Juni sein Rehageschäft neu geordnet.

Die Tochtergesellschaft Vamed, ein Klinikdienstleister aus Wien, hat alle deutschen Rehakliniken übernommen, die bis dahin die Fresenius-Tochter Helios betrieben hatte. Vamed war zuvor schon einer der führenden Anbieter von Rehakliniken in Österreich, der Schweiz und Tschechien. Mit einem Portfolio von nun 63 Kliniken ist Vamed aber deutlich kleiner als Median.

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