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Gillian Tans Booking-Chefin verspricht mehr Wachstum

Die Chefin des weltgrößten Online-Reisebüros erklärt, warum ihr Unternehmen ein europäischer Web-Riese ist – und wie sie es noch größer machen will.
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Die Chefin von Booking.com will mehr Frauen in die Tech-Branche locken. Quelle: AP
Gillian Tans

Die Chefin von Booking.com will mehr Frauen in die Tech-Branche locken.

(Foto: AP)

LissabonGillian Tans gehört zu den Top-Verdienerinnen weltweit. Laut Bloomberg lag ihr Jahreseinkommen im vergangenen Jahr bei 14 Millionen Dollar. Doch das sieht man der 47-Jährigen nicht an: Auf der Techmesse Web Summit in Lissabon läuft sie mit Rucksack, Bluse und Jeans durch die Messehallen. Sie gehört zu den wenigen Frauen in der Tech-Szene und Booking.com zu den ganz wenigen europäischen Digitalkonzernen, die weltweit dominieren.

„Europa muss wirklich darüber nachdenken, was es tun kann, um mehr global erfolgreiche Unternehmern zu schaffen“, sagt Tans im Gespräch mit dem Handelsblatt. Unternehmen bräuchten heute große Märkte, also ganz Europa. Aber das sei durch die unterschiedlichen nationalen Gesetzgebungen extrem kompliziert. „Als Start-up in Europa brauchst du fast mehr Anwälte als Software-Programmierer“, so Tans.

Der wichtigste Schritt zu mehr globalen Champions sei deshalb ein digitaler Binnenmarkt. „Der ist so wichtig, auch für die Zukunft von Europa und alle Länder sollten von ihm profitieren“, sagt sie.

Eine Digitalsteuer, welche die EU derzeit plant, hält Tans dagegen für ein Wettbewerbshindernis. „Das würde europäische Unternehmen benachteiligen, weil wir ja schon in Europa unsere Steuern zahlen“, sagt sie. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Lage für europäische Plattformen nicht noch komplizierter machen – wir brauchen auch Geld, um innovativ zu sein“, so die Booking-Chefin.

Sie hat Ende Oktober zusammen mit den Chefs von anderen europäischen Internetkonzernen wie Zalando oder Spotify einen Brief an die EU-Kommission geschrieben und darauf gedrängt, die Digitalsteuer zu verwerfen.

Als ihr eigenes Unternehmen 2005 Geld für die Expansion brauchte, sprang der amerikanische Investor Priceline ein. Der Zukauf erwies sich für ihn als so erfolgreich, dass er sich Anfang dieses Jahres in Booking Holdings umbenannt hat. Booking.com vermittelt täglich rund 1,5 Millionen Unterkünfte und ist in über 230 Ländern und Regionen vertreten.

Ein wachsendes Geschäft

Und Tans verspricht weiteres Wachstum: Inzwischen bietet sie nicht mehr nur Hotelzimmer an, sondern auch Apartments. „Wir sind damit weltweit inzwischen größer als Airbnb“, sagt sie. 5,7 Millionen Wohnungen bietet Booking an – von insgesamt 29 Millionen gelisteten Übernachtungsmöglichkeiten. „Die Wohnungen sind ein wachsendes Geschäft für uns“, so Tans.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz will sie den Kunden aber künftig nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten bieten, sondern die gesamte Urlaubsplanung übernehmen und auch Ausflüge oder Restaurants empfehlen und buchen. Rivale Airbnb macht das ebenfalls.

„Die Leute wollen heute personalisierte Angebote und daran arbeiten wir“, so Tans. Booking.com suche für Ausflugsempfehlungen aber nicht in Facebook-Profilen nach den Vorlieben der Nutzer, sondern beschränke sich auf die Informationen, die sie auf der Booking-Seite hinterlassen. Das Unternehmen führt tägliche Hunderte von Befragungen durch.

Kritiker sehen die Dominanz von Booking auf dem Online-Reisemarkt ähnlich kritisch wie die Vorherrschaft von Facebook bei den sozialen Netzwerken. Jonathan Anscombe, Partner bei der Unternehmensberatung AT Kearney in London hält jedoch dagegen: „Booking hat es kleinen Hotels ermöglicht, international auf Kundenfang zu gehen, und in Konkurrenz zu den großen Ketten zu treten – sie haben damit das Geschäft demokratisiert.“

Auf der Messebühne in Lissabon berichtet Tans aber nicht nur von ihren Geschäftsplänen, sondern tritt als Botschafterin auf – und als Vorbild. Die Niederländerin setzt sich seit Jahren dafür ein, dass mehr Frauen den Schritt in die männerdominierte Tech-Branche wagen und organisiert auch Mentoren-Programme für Frauen.

„Die Branche eignet sich sehr für Frauen, weil sie dort kreativ sein können“, sagt Tans. „Und beim Mentoring zeigt sich immer wieder, dass Frauen anderen Frauen helfen wollen. Dieses Jahr haben sich 60 Mentorinnen auf dem web Summit angeboten.“

Die Entscheidung gegen die Branche träfen viele junge Mädchen aber schon mit der Auswahl eines nicht-technischen Studiums. Booking kooperiert deshalb mit Universitäten und bietet Stipendien für Frauen an.

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1 Kommentar zu "Gillian Tans: Booking-Chefin verspricht mehr Wachstum"

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  • 14Mrd Gehalt? Eher Millionen, aber heut zutage kann man schon mal den Überblick bei den vielen Nullen verlieren.