Besucher auf der IAA im vergangenen Jahr

Die Messe Frankfurt ist heute die drittgrößte Messegesellschaft der Welt.

(Foto: dpa)

Globales Ranking Neuer Messegigant macht deutschen Veranstaltern Konkurrenz

Die deutsche Messegesellschaften sind bisher weltweit sehr stark. Doch eine Megafusion britischer Anbieter macht den Abstand zu den Top zwei noch größer.
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DüsseldorfFrankfurt am Main ist seit mehr als tausend Jahren Drehscheibe des Fernhandels. Kaiser Friedrich II. gewährte allen Reisenden Schutzgeleit für die Herbstmesse. 1907 wurde die Messe Frankfurt gegründet, die 111 Jahre später 146 Messen und Ausstellungen organisiert, davon fast 100 im Ausland.

Der Gastgeber von internationalen Leitmessen wie IAA, Buchmesse und Automechanika ist heute die drittgrößte Messegesellschaft der Welt. Der Umsatz der Messe Frankfurt stieg 2017 auf 669 Millionen Euro.

Deutschland gilt immer noch als führende Messenation. Insgesamt gehören fünf deutsche Messegesellschaften zu den Top Ten der Welt. Neben Frankfurt die Messe Düsseldorf (Platz 7), Koelnmesse (Platz 8), Deutsche Messe in Hannover (Platz 9) und Messe München (Platz 10).

An der Spitze liegen nach Umsatz indes die Briten. Die Nummer eins, Reed Exhibitions, ist mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr fast doppelt so groß wie die Messe Frankfurt. An Platz zwei folgt UBM aus Großbritannien mit zuletzt 979 Millionen Euro Messeumsatz. Das zeigt ein aktuelles Ranking des Verbands der deutschen Messewirtschaft Auma für 2017.

Künftig gibt es jedoch einen neuen Giganten im globalen Messegeschäft. Mitte Juni wurde UBM von der britischen Informa, bisher Platz vier mit 631 Millionen Euro Umsatz, geschluckt. Informa wie die neue Gesellschaft heißen wird, verdrängt damit Reed von der Spitzenposition.

Der neue börsennotierte Messe-Konzern hat mehr als 11.000 Mitarbeiter in 30 Ländern. Informa-Chef Stephen Carter erhofft sich durch den Zusammenschluss Skaleneffekte und dadurch mehr Schlagkraft für die Zukunft.

Der Messegigant sorgt in der Branche für gewisse Nervosität. Christian Göke, der Chef der Messe Berlin, forderte kürzlich in der „Welt am Sonntag“ eine Zusammenlegung aller deutschen Messegesellschaften. Ansonsten drohe Deutschland seine globale Vormachtstellung in der Messewirtschaft zu verlieren. „Derzeit entstehen weltweit immer neue Messeriesen. Denn Private Equity dringt massiv in die Branche, sei es in China, in Großbritannien oder in Frankreich“, sagte Göke. Er sieht harte Zeiten auf die überwiegend öffentlich-rechtlichen Messegesellschaften hierzulande zukommen.

Branchenexperten wie Peter Borstel sehen das nicht so dramatisch. „Im internationalen Messegeschäft ist Umsatz nur ein Faktor – wichtiger sind die Messemarken“, meint der Chefredakteur des Fachmagazins „Trade Fairs International“. Entscheidend sei, dass Ausstellern und Besuchern ein funktionsfähiger Marktplatz zur Verfügung gestellt werde.

Die deutschen Messegesellschaften sieht er unter dem Strich für gut aufgestellt – auch wenn Wettbewerber wie Reed oder Informa/UBM zum Teil finanzkräftiger seien. Die großen britischen Anbieter sind aus Fachverlagen entstanden, die mit ihrem Branchenwissen ins Messe- und Kongressgeschäft eingestiegen sind.

Die Branche ist umkämpft

Der weltweite Messe- und Ausstellungsmarkt ist heute etwa 30 Milliarden Dollar schwer, schätzt eine Erhebung von AMR Corp. und UBM. Zuletzt ist der Umsatz kontinuierlich gewachsen – allen protektionistischen Tendenzen in Zeiten von Trump und Brexit zum Trotz.

„Die Branche läuft derzeit auf Hochtouren“, konstatiert Kai Hattendorf, Chef des Weltmesseverbands Ufi. Mehr als 40 Prozent der Messeanbieter weltweit – sowohl mit und ohne Gelände – haben ihre Gewinne 2017 um mehr als 10 Prozent steigern können. Dies ergab eine aktuelle Umfrage von Ufi.

Trotz des Wachstums ist die Branche umkämpft. Zwar dominieren derzeit die Europäer. Unter den 34 führenden Anbietern mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz kommen nur vier von außerhalb Europas, ermittelte der Branchenverband Auma. Doch die Chinesen sind im Messegeschäft im Kommen. „In jeder größeren Millionenstadt gibt es heute ein Messegelände, schätzungsweise sind es mehr als 100“, so Experte Borstel.

Mittlerweile reichten einige chinesische Messen quantitativ und qualitativ an deutsche Veranstaltungen heran, allerdings fokussierten sie sich stark auf den großen chinesischen Markt. Chinesische Veranstalter werden sicher auch in wachsende Messemärkte wie Indien expandieren, erwartet Borstel. Das passe zur Vision des Aufbaus der neuen Seidenstraße.

Tatsache ist: Da der Heimatmarkt weitgehend gesättigt ist, können deutsche Messeanbieter nur noch im Ausland wachsen. „Da ist das Klonen und Adaptieren deutscher Leitmessen wie der Automechanika in 15 Ländern zum Teil sehr erfolgreich“, so Borstel. „Je nach Marktsituation im Zielland kann es manchmal sinnvoller sein, bereits etablierte Branchenmessen vor Ort zuzukaufen.“ Größere Investitionen mit Land und Kommunen als Anteilseignern sind für deutsche Messegesellschaften aber nicht so leicht durchzusetzen. Da seien börsennotierte Medienkonzerne im Messegeschäft sicher flexibler, so Borstel.

In Deutschland finden weiter die wichtigsten Leitmessen vieler Branchen statt, besonders was die Internationalität angeht. Diese Alleinstellung wird sich in Zukunft verändern, glaubt Borstel. „Künftig wird es mehrere Weltleitmessen in einer Branche auf unterschiedlichen Kontinenten geben, etwa eine Messe in Europa und eine in China.“

Das schwäche nicht unbedingt den Messestandort Deutschland. Schon rein logistisch könnten ja nicht alle chinesischen Aussteller und Besucher nach Deutschland kommen.

Der Umsatz der deutschen Messeveranstalter lag 2017 samt Auslandsgeschäft bei insgesamt 3,7 Milliarden Euro. Für 2018 erwartet der Auma auch wegen des turnusbedingt stärkeren Messejahres einen Umsatz zwischen 3,8 und 3,9 Milliarden Euro.

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