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Gregor Bieler Dieser Ex-Microsoft-Manager will den Datenwust der Firmen aufräumen

Gregor Bieler wird Europachef der Softwarefirma Aparavi. Dort will er für Unternehmen die Datenberge ordnen, die sich in der Pandemie angehäuft haben.
20.06.2021 - 10:46 Uhr Kommentieren
Der frühere Microsoft-Manager wechselt zur Softwarefirma Aparavi. Quelle: Aparavi
Gregor Bieler

Der frühere Microsoft-Manager wechselt zur Softwarefirma Aparavi.

(Foto: Aparavi)

Düsseldorf Gregor Bieler hat eine Mission: Er will Unternehmen helfen, ihre Daten in den Griff zu bekommen, und sie so erfolgreicher machen. Das scheint dringend nötig: Zahlen der Unternehmensberatung McKinsey zeigen, dass jeder Bürobeschäftigte pro Woche 9,3 Stunden damit verbringt, Dateien und Dokumente zu suchen – das wäre mehr als ein Fünftel der Arbeitszeit.

Der frühere Microsoft-Manager Bieler will nun die Digitalisierung der Firmen ab diesem Montag in Diensten der Schweizer Datenmanagementfirma Aparavi vorantreiben. Der 51-Jährige wird neuer CEO für Europa, den Nahen Osten und Afrika. Er arbeitet vom Firmensitz in Zug aus, wird häufiger aber auch in München sein, dort sitzt die neu gegründete europäische Tochtergesellschaft.

Der digitale Aufräumbedarf der Betriebe ist nach der Pandemie enorm. „Das Post-Corona-Datenmanagement wird einer unserer ersten größten Anwendungsfälle“, sagt Bieler. Viele Firmen hätten während des ersten Lockdowns sehr hektisch neue Tools eingeführt, allerdings mittlerweile keinen Überblick mehr darüber, wie viel Lizenzen sie besitzen und wer eigentlich auf welche Dateien Zugriff hat.

„Ich kenne kaum ein Unternehmen, das wirklich weiß, welche Daten auf ihren Servern schlummern“, sagt Bieler. Laut Studien seien 80 Prozent der Firmendaten unstrukturiert, also nicht in einer Datenbank systematisch hinterlegt. Stattdessen lägen sie oftmals in zig PDF-, Word- oder Excel-Dateien in zahllosen Ordnern herum.

Den Datenwust zu beseitigen wird keine einfache Aufgabe für Bieler. Dass sie ihm gelingen könnte, davon zeugt seine Erfahrung: Bis zum Frühjahr war er sieben Jahre lang leitender Manager bei Microsoft, realisierte dabei über 400 digitale Transformationsprojekte, etwa für Bayer, Lufthansa oder die Deutsche Bahn. Zuvor arbeitete der Jurist und Betriebswirt in sieben verschiedenen Ländern für den PC-Zubehörhersteller Logitech oder den Online-Bezahldienst Paypal.

Weniger Dubletten sorgen für geringere Kosten

Während der Pandemie wurde Bieler klar, dass er sich beruflich neu erfinden wollte, um „mehr unternehmerische Verantwortung zu übernehmen“. Er bekam nach eigener Aussage Jobangebote von internationalen Technologiekonzernen, doch er entschied sich für Aparavi.

Der Grund: „Die Technologie der Firma ist einzigartig.“ Einmal installiert, soll die KI-basierte Aparavi-Plattform alle Dateien auf den Unternehmensservern durchsuchen und auch deren Inhalte auslesen können. In einer Datenbank soll das Programm dann Dubletten anzeigen und alle Dateien, etwa als Lebensläufe, Verträge oder Versicherungsdokumente, klassifizieren.

Dadurch sollen Mitarbeiter nicht nur schneller ihre Dateien finden und produktiver werden. Unternehmen können auch Kosten sparen, weil sie durch weniger Dubletten auch weniger Speicherbedarf in der Cloud haben, verspricht Bieler. Auch die Umwelt profitiere: Derzeit verursache jeder Mitarbeiter durch seine gespeicherten Firmendateien jährlich über 200 Kilogramm CO2.

Aparavi will außerdem helfen, dass Firmen Datenschutzlinien beachten. Bieler berichtet von einem mittelständischen Energieversorger, der allein zwölf Werkstudenten beschäftigt, um personenbezogene Daten von Kunden zu löschen. Aparavi könne dies automatisiert übernehmen.

Das kann auch für Personalabteilungen nützlich sein: Lebensläufe von Bewerbern dürfen laut Datenschutzgrundverordnung nur sechs Monate gespeichert werden. Die Software zeigt an, wann welche Dateien vom Server müssen.

Die Dienste von Aparavi kosten monatlich mindestens 1000 Euro für kleinere Betriebe mit geringeren Datenmengen, größere Konzernkunden zahlen bis zu 30.000 Euro. Die Unternehmen können ihre Daten auf den eigenen Servern behalten, verspricht Bieler, allein das Ergebnis der Suche in Form eines Dashboards werde in der Cloud angezeigt.

„Nachholbedarf der Firmen bei der Digitalisierung ist enorm“

Aparavi wurde 2017 von Adrian Knapp gegründet. Er freut sich über den Neuzugang: Bielers globale Marktexpertise und seine Erfahrung vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern seien ideal, „um unsere Mission umzusetzen“.

Geld verdient das Unternehmen mit seinem Vorhaben allerdings noch nicht. „Wir sind noch in der Aufbauphase, doch wir werden wachsen, weil der Nachholbedarf der Firmen bei der Digitalisierung enorm ist“, sagt Bieler. Er hat sich auch finanziell an der Firma beteiligt und ist drittgrößter Aktionär. Die Firma wird von Private-Equity-Investoren finanziert.

Derzeit hat Aparavi 50 Mitarbeiter, will aber künftig im Schnitt jede Woche einen weiteren Beschäftigten einstellen. Bieler plant in den nächsten Monaten die Expansion nach Großbritannien, Frankreich und Russland; in Deutschland zählen ein Energieversorger und eine große Versicherung zu den ersten Kunden.

Rückenwind bekommt Aparavi von Microsoft: Im Rahmen einer globalen Partnerschaft vermarktet der IT-Riese die Technologie der kleinen Softwarefirma mit. Bielers Kontakte zu seinem alten Arbeitgeber scheinen sich schon jetzt auszuzahlen.

Mehr: Neuer Schwung für Traditionsfirmen: Vier Schritte für eine erfolgreiche Transformation am Beispiel Materna

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