Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Hamburg Staatsanwalt ermittelt wegen 300 Rolling-Stones-Freikarten für Beamte und Politiker

Hamburger Stadtbeamte sollen mit Freikarten gnädig gestimmt worden sein. Ermittelt wird auch gegen Mitarbeiter einer Konzertagentur von CTS Eventim.
10.05.2019 Update: 10.05.2019 - 18:11 Uhr Kommentieren
Das Konzern der Band im Stadtpark Hamburg hat einen Bestechungsskandal ausgelöst. Quelle: dpa
Rolling Stones in Hamburg

Das Konzern der Band im Stadtpark Hamburg hat einen Bestechungsskandal ausgelöst.

(Foto: dpa)

Hamburg Es sollte ein großer Spaß werden – und für den Veranstalter FKP Scorpio ein gutes Geschäft: der Auftakt der womöglich letzten Tour der Rockband Rolling Stones im Sommer 2017 im Hamburger Stadtpark. Doch längst ist aus dem Konzert mit 85.000 Zuschauern eine Affäre um mutmaßliche Bestechung geworden, die nicht nur der Hamburger SPD, sondern auch Mitarbeitern der Tochter des börsennotierten Event-Konzerns CTS Eventim gefährlich werden könnte. Jetzt ist bekannt geworden: Der Fall ist noch größer als gedacht.

Es geht um den Vorwurf der Bestechung. Gegen sieben Verwaltungsmitarbeiter hat die Staatsanwaltschaft bereits Anklage erhoben, eine Staatsrätin und der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion mussten ihren Posten räumen. Sie hatten Karten aus dem reservierten Kontingent über das Bezirksamt gekauft. Nach Informationen des Handelsblatts ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem weiter gegen Mitarbeiter der Konzertagentur FKP Scorpio.

Die Brisanz des Falls kommt nur schrittweise ans Licht. Zunächst gab es vor allem Kritik, weil das Konzert die geschützten Wiesen im Stadtpark deutlich stärker beschädigt hatte als prognostiziert. Auch die Affäre um die Freikarten begann klein. Doch jetzt zeigt sich: Es waren womöglich deutlich mehr Karten im Spiel als zunächst bekannt. Zuerst ging es um 100 Freikarten und 100 reservierte Tickets, die das für die Genehmigung zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord eingefordert hatte. 

Doch Ende der Woche veröffentlichte die Stadt nach längerem politischen Hickhack den Vertrag. Demnach geht es sogar um zwei Kontingente von jeweils 300 Karten, wie zuerst die „Hamburger Morgenpost“ berichtet hatte. Die Vereinbarung ist nicht Teil des veröffentlichten Vertrags, sondern steht in einer gesonderten E-Mail, die mit „Head of Agreement/Absichtserklärung“ überschrieben ist und ebenfalls im Transparenzportal veröffentlich wurde. Laut NDR heißt es aus dem Amt jedoch weiter, es seien nur 100 Karten abgerufen worden - trotz einer anderslautenden Absichtserklärung.

„Das Bezirksamt erhält 300 Freikarten (Tribünenplätze) für die Veranstaltung. Weitere 300 Kauf-Tickets werden dem Bezirksamt vor Beginn des Vorverkaufs reserviert“, steht in dem Schreiben des Amts vom 5. Mai 2017. Klar ist: Bislang laufen 50 Ermittlungsverfahren, vor allem gegen mutmaßliche Karten-Empfänger.

Der Fall ist deshalb brisant, weil die Staatsanwaltschaft und die Opposition offenbar eine Gegenleistung vermuten: FKP Scorpio zahlte laut Vertrag maximal 255.000 Euro für die Nutzung des Geländes. Dabei hätte das Bezirksamt laut Opposition das Vier- bis Fünffache verlangen können. Sie verlangt eine Prüfung durch den Rechnungshof.

Der inzwischen pensionierte Bezirksamtsleiter Harald Rösler könnte nach dieser Rechnung dem Veranstalter bis zu 800.000 Euro erlassen haben und im Gegenzug 300 Freikarten zur Verteilung an Politik und Verwaltung sowie das reservierte Kauf-Kontingent von 300 Karten bekommen haben, an dem sich unter anderem die geschasste Staatsrätin Elke Badde, damals Röslers Chefin, gegen Zahlung des Eintrittspreises bedient haben soll. Ihr Fall soll demnächst vor Gericht landen.

Bezirksamt soll Freikarten gefordert haben

Auch für den Veranstalter ist die Situation brenzlig. Ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft sagte dem Handelsblatt, es werde noch immer gegen Mitarbeiter der Konzertagentur FKP Scorpio ermittelt. Dahinter steht der Verdacht der Bestechung. Die Eventim-Tochter ist inzwischen wortkarg.

Eine Sprecherin von FKP Scorpio teilte auf Anfrage mit, wegen laufender Verfahren kommentiere das Unternehmen die Vorgänge nicht. Zu Beginn der Affäre hatte es aus dem Konzern geheißen, die Freikarten seien vom Bezirksamt gefordert worden.

Für die regierende Hamburger SPD um Bürgermeister Peter Tschentscher kommt der Skandal zur absoluten Unzeit: Zeitgleich zur Europawahl am 26. Mai werden in Hamburg die Bezirksversammlungen neu gewählt. Die Wahl gilt als wichtiger Vorlauf zur Neuwahl des Stadtparlaments Bürgerschaft Anfang 2019. Sollten die Grünen in mehreren Bezirken erstmals vor der SPD liegen, droht ein Rennen um den Bürgermeisterposten mit dem – noch – kleineren Koalitionspartner.

Hochrangige SPD-Politiker befürchten sowieso, dass sich die Grünenwähler bei der Europawahl besser mobilisieren lassen als die SPD-Wähler, die Grünen also bei der gleichzeitigen Bezirkswahl bessere Startbedingungen haben.

Die Opposition versucht bereits eifrig, Tschentscher mit der Affäre in Verbindung zu bringen. „Allen voran für den heutigen Ersten Bürgermeister und damaligen zuständigen Finanzsenator stellt sich die Frage nach der politischen Gesamtverantwortung für diesen veritablen Skandal“, wetterte beispielsweise der FDP-Lokalpolitiker Robert Bläsing. Tschentscher war zu der Zeit Finanzsenator hatte somit formal die Aufsicht über die Bezirke. Er ist seit Anfang 2018 Nachfolger des heutigen Bundesfinanzministers Olaf Scholz als Erster Bürgermeister.

Hamburg gilt als sozialdemokratische Hochburg. Die Partei hat jedoch lang gebraucht, Filz-Vorwürfe aus den vergangenen Jahrzehnten vergessen zu machen. 

Startseite
Mehr zu: Hamburg - Staatsanwalt ermittelt wegen 300 Rolling-Stones-Freikarten für Beamte und Politiker
0 Kommentare zu "Hamburg: Staatsanwalt ermittelt wegen 300 Rolling-Stones-Freikarten für Beamte und Politiker"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%