Hauptstadtflughafen BER-Start muss wohl auf 2018 verschoben werden

Hauptstadtflughafen, das nächste Kapitel: Offenbar fordert eine Behörde Nachbesserungen an den Entrauchungsanlagen des BER. Eine Eröffnung des Flughafens im Jahr 2017 sei damit unmöglich geworden.
Laut einem Medienbericht muss die Eröffnung des Hauptstadt-Flughafens erneut verschoben werden. Es gibt mal wieder Ärger mit dem Brandschutz. Quelle: dpa
Flughafen BER

Laut einem Medienbericht muss die Eröffnung des Hauptstadt-Flughafens erneut verschoben werden. Es gibt mal wieder Ärger mit dem Brandschutz.

(Foto: dpa)

BerlinNeue Brandschutzprobleme gefährden die für 2017 geplante Inbetriebnahme des künftigen Berliner Flughafens. Das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald hat im laufenden Genehmigungsverfahren für den nötigen Umbau der BER-Entrauchungsanlage im Terminal jetzt Nachbesserungen von der Flughafengesellschaft (FBB) gefordert. Das geht aus einem dem Tagesspiegel vorliegenden Schreiben von Technikchef Jörg Marks an Projektbeteiligte hervor. Danach muss der Flughafen bei den Anträgen nacharbeiten und es drohen Auflagen der Baubehörde, was zu neuen Verzögerungen führen würde. Nach Tagesspiegel-Recherchen wird damit eine Verschiebung des BER-Starts auf das Jahr 2018 wohl unvermeidbar.

„Die FBB prüft diese Hinweise ernsthaft und zuverlässig“, heißt es in dem Schreiben. „Wir werden jetzt im Dialog mit der Bauaufsichtsbehörde zu klären haben, welche dieser Feststellungen zwingend vor der Genehmigung gelöst werden müssen oder aber als Forderungen Teil der Genehmigung sein können.“ Um 2017 zu halten, gab es schon vorher kaum noch Puffer. So sollten die Bauarbeiten im Terminal – auch der Umbau der Entrauchungsanlage – eigentlich im Sommer 2016 beendet sein, was schon kaum noch zu schaffen war.

Alles hing nach den Aussagen der Verantwortlichen vor allem vom laufenden Genehmigungsverfahren ab. Ende Februar, und damit deutlich verspätet, hatte der Flughafen den sogenannten 5. Nachtrag zur BER-Baugenehmigung, der für den Umbau der Entrauchungsanlage nötig ist, eingereicht. Nach Angaben von Marks ist der Flughafen von der Behörde jetzt „mit der Eingangsbestätigung aufgefordert worden, noch einzelne zusätzliche Nachweise, Planungen und Bauvorlagen zu liefern, um die Genehmigungs- und vor allem baurechtliche Abnahmefähigkeit nachzuweisen“.

Die Baubehörde hält in einem zentralen Punkt den Antrag des Flughafens bisher nicht für genehmigungsfähig. Danach entsprechen 13 der 188 eingereichten Entrauchungsszenarien, die die Funktionsfähigkeit der Anlage in Brand- und Katastrophenfällen simulieren, nicht den Anforderungen. Die Behörde bewertet „diese eingereichten 13 Szenarien in dem eingereichten Zustand als nicht akzeptabel“, heißt es. An der Lösung werde gearbeitet. „Im Ergebnis der Nachsimulationen könnte jetzt ein etwas höheres Bausoll entstehen.“ Flughafensprecher Daniel Abbou bestätigte das Marks-Schreiben. Die Auswirkungen auf den Inbetriebnahme-Fahrplan seien bisher noch nicht präzise einzuschätzen.

Verplant, verbaut, verzögert - Die Geschichte des BER
1. Akt: Planungsbeginn
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Unmittelbar nach der Wende beginnen 1990 die ersten Planungen für einen neuen Großflughafen in Berlin. Sechs Jahre später einigen sich die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund auf den Standort Schönefeld im Südosten Berlins.

2. Akt: Spatenstich
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Jahre der Planung, Bürgerbefragung und Bürgerproteste vergehen, ehe am 5. September 2006 der offizielle Spatenstich den Auftakt des Flughafenbaus besiegelt. Die Betreiber gehen zu diesem Zeitpunkt von zwei Milliarden Euro Gesamtkosten aus. Zum Sandschaufeln trafen sich der Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung Rainer Schwarz, der damalige Bahn-Chef und heutige Geschäftsführer des BER, Hartmut Mehdorn, der seinerzeit regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, sowie der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck (v. l.).

3. Akt: Eröffnung verschoben
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Vier Wochen vor der geplanten Eröffnung wird im Mai 2012 der Eröffnungstermin von BER verschoben. Ursache sind vor allem Probleme mit der Brandschutzanlage. Damals hoffte der Berliner Bürgermeister Wowereit noch, den Flughafen nach den Sommerferien einweihen zu können. Im Umfeld heißt es, die veranschlagten Kosten seien unterdessen auf drei Milliarden Euro gestiegen. Die geplante Fläche des Terminals hat sich bereits von 220.000 Quadratmetern auf 340.000 Quadratmeter gesteigert.

4. Akt: Nach den Sommerferien ist vor den Sommerferien
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Doch auch im September 2012 kann BER noch nicht öffnen. Auf Anraten des Technikchefs Horst Amann wird der Termin auf den 27. Oktober 2013 verschoben. Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro für Bau- und Betriebskosten sowie den Schallschutz nachschießen. Der Finanzrahmen liegt nun bei 4,3 Milliarden Euro.

5. Akt: Mehdorn kommt
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Am11. März 2013 wird der ehemalige Bahn- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn Geschäftsführer des BER. Er soll dem Bauvorhaben endlich Auftrieb verleihen. Im Januar wurde zuvor bekannt, dass auch der 27. Oktober als Einweihungstermin nicht zu halten ist.

6. Akt: Die Kosten steigen weiter
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Im April 2014 steht der Flughafenterminal noch immer nur halbfertig da. Mehdorn verkündet, weitere 1,1 Milliarden Euro für den Bau bei den Gesellschaftern anzufragen. Die Höhe der Gesamtkosten steigt damit auf 5,4 Milliarden Euro. Medienberichten zufolge befindet sich die Flughafengesellschaft zu dieser Zeit in akuter Zahlungsnot. Der Deutsche Bundestag bewilligt im Mai 26,5 Millionen Euro an Sofortmitteln.

7. Akt: Mehdorn geht, BER soll 2017 kommen
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Ende 2014 macht BER-Chef Mehdorn Schlagzeilen: Er plant jetzt, den Großflughafen im zweiten Halbjahr 2017 zu eröffnen. Wenig später verkündet er, spätestens Ende Juni 2015 den Chefposten zu räumen. Grund: Er sei von Personen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats angegriffen worden.

Der Rückschlag wird auch den vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geführten Aufsichtsrat beschäftigen. Der kommt am Freitag auf Antrag von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu einer Sondersitzung zusammen. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen Dobrindt und Flughafenchef Karsten Mühlenfeld um den geplanten Regierungsflughafen. Dem Vernehmen nach soll auch der Bericht des Bundesrechnungshofs besprochen werden, der Anfang Januar vor einer drohenden Verschiebung des BER-Starts gewarnt hatte.

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