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Hauptversammlung Post-Chef Appel verteidigt geplante Portoerhöhung

Auf der Post-Hauptversammlung wirbt Frank Appel um das Vertrauen der Aktionäre – und verteidigt die geplante Preisanhebung für das Briefporto.
Update: 15.05.2019 - 14:14 Uhr Kommentieren
Die Post darf die Portokosten deutlich erhöhen. Quelle: dpa
Post

Die Post darf die Portokosten deutlich erhöhen.

(Foto: dpa)

Bonn Frank Appel sagt es geradeheraus: „Schuld an unseren Problemen im Vorjahr war nicht der Markt. Auch nicht die Branche. Unsere Probleme waren hausgemacht. Und wir haben Vertrauen verloren.“

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post im World Conference Center in Bonn, muss der Post-Chef den Aktionären des Dax-Konzerns erklären, wie es zu der Gewinnwarnung im vergangenen Jahr kommen konnte. Die Post hat ihr Ergebnis um rund eine Milliarde Euro verfehlt, der Aktienkurs war 2018 um über 39 Prozent gesunken, die Weltmarktführung als größter Logistikkonzern musste die Post an den US-Konkurrenten UPS abgeben.

Der Saal ist gut gefüllt, knapp 65 Prozent des Grundkapitals der Deutschen Post sind am Mittwoch anwesend. Mit seinem Schuldbekenntnis versucht Appel das Vertrauen der Anteilseigner wieder zurückzugewinnen.

„Das waren unsere eigenen Fehler“, gibt Appel zu. Die Deutsche Post habe in der Vergangenheit die falschen Schwerpunkte gesetzt und sich zu stark auf den Ausbau der Marktanteile und neuer Geschäftsfelder konzentriert. Investitionen ins Kerngeschäft hingegen wurden vernachlässigt. Vor allem die Brief- und Paketsparte leidet darunter, wo sich ein Investitionsstau aufgebaut hat.

„Wir bündeln unsere Kraft jetzt neu für das, was unsere Aktionäre von uns erwarten“, sagt Appel. Konkret bedeutet das: Der Post-Chef will jedes Jahr 150 Millionen Euro in die Sanierung des Geschäfts investieren. Mit dem Geld will der Post-Chef vor allem die Qualität verbessern.

Die anwesenden Aktionäre honorieren Appels ehrliche Worte mit Applaus. Ungewöhnlich harte Kritik kommt hingegen von Daniel Vos von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er wirft dem Vorstand Täuschung vor und bezieht sich dabei auf die Hauptversammlung des vergangenen Jahres.

Damals hatte Appel Vos zufolge den damaligen Vorstand der Brief- und Paketsparte, Jürgen Gerdes, noch für seine Arbeit gelobt. Das war im April 2018. Im darauffolgenden Juni setzte der Post-Chef Gerdes vor die Tür. „Manchmal müssen personelle Veränderungen vorgenommen werden, wenn man unterschiedlicher strategischer Auffassung ist“, sagt Appel. Aktionärsschützer Vos reicht diese Erklärung nicht.

„Unterschiedliche strategische Auffassungen sind ein Euphemismus“, kritisiert Vos. „Es gab offenbar erhebliche Probleme und Fehlleistungen. Ihnen mussten bereits in der Hauptversammlung vor einem Jahr die Probleme in der Brief- und Paketsparte bekannt gewesen sein. Sie haben die Aktionäre getäuscht, Herr Appel.“ Appel widerspricht dieser Behauptung.

2020 will der Vorstandschef die Deutsche Post sogar auf ein Ergebnis von mehr als fünf Milliarden Euro treiben. Quelle: dpa
Frank Appel (r.) und Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard

2020 will der Vorstandschef die Deutsche Post sogar auf ein Ergebnis von mehr als fünf Milliarden Euro treiben.

(Foto: dpa)

„Im Nachgang der Hauptversammlung im April 2018 habe ich tiefer ins Paketgeschäft geblickt und dort Dinge vorgefunden, die mir nicht gefallen haben“, sagt Appel. „Wir haben danach Diskussionen mit Herrn Gerdes geführt und waren unterschiedlicher Auffassung, was die Fortführung des Geschäfts betrifft.“

Analysten warnen vor zu viel Optimismus

Das Brief- und Paketgeschäft könnte künftig auch von der kommenden Portoerhöhung profitieren. Die Post hofft damit die sinkende Briefmenge und die steigenden Gehälter der Zusteller kompensieren zu können. Appel hält eine Portoerhöhung von zehn Prozent für überschaubar und rechnet vor: Im Schnitt würde jeder Haushalt dann monatlich für den Versand von Briefen 24 Cent mehr ausgeben. Die Bundesnetzagentur wird noch im Mai entscheiden, wie stark die Post das Briefporto in Deutschland erhöhen darf.

Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) jedoch befürchtet, dass sich die Portoerhöhung für die Deutsche Post als Pyrrhussieg herausstellen könnte. „Wenn es deutlich teurer wird, könnte die Briefmenge noch deutlicher abnehmen.“ Klose warnt daher vor zu optimistischen Prognosen.

Die Post rechnet für 2019 mit einem operativen Gewinn zwischen 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro (2017: 3,2 Milliarden Euro). Die Dividende belässt die Post bei 1,15 Euro je Aktie. 2020 will Appel die Deutsche Post sogar auf ein Ergebnis von über fünf Milliarden Euro treiben. Erreichen will er das dank des laufenden Sparprogramms und effizienterer Zustellprozesse, sowie der geplanten Portoerhöhung.

Auch der Streetscooter soll einen Beitrag zu diesem Ergebnis beitragen. 2014 übernahm der Bonner Konzern die Produktion des von Ingenieuren der Aachener Uni RWTH entwickelten Elektrotransporters. Damals fragte die Post kleine E-Laster nach, die die deutschen Autohersteller ihr nicht liefern konnten. Konkreten Angaben zum Streetscooter-Geschäft machte Appel nicht. Nur so viel: Die Post hat 9000 Streetscooter im Einsatz. „Der Streetscooter ist ein Geschäft, das in der Nähe unseres Kerngeschäfts liegt“, sagt Appel.

In Branche wird derweil vermutet, dass die Post das einstige Prestigeprojekt so schnell es geht loswerden will. Die Post wolle laut Finanzchefin Melanie Kreis kein Fahrzeughersteller sein und sucht einen Käufer für das Streetscooter-Geschäft. VW war interessiert, winkte aber im letzten Moment ab. Gemessen am Umsatz trägt der kleine Elektrotransporter mit 140 Millionen Euro ohnehin gerade einmal 0,2 Prozent zu den Konzernerlösen bei.

Weitaus wichtiger für das Geschäft ist hingegen der Versandriese Amazon. In den USA aber auch bereits in Deutschland beschäftigt Amazon immer mehr eigene Zusteller. Aktionärsschützer Klose befürchtet, dass der Versandkonzern damit die Margen des Post-Konzerns schmälern kann. Appel versucht diese Gefahr herunter zu spielen.

„Amazon ist ein wichtiger Kunde und Partner von uns. Trotzdem fängt Amazon an, eigene Aktivitäten aufzunehmen, was sein gutes Recht ist“, erklärt Appel. „Wir aber konzentrieren uns auf das, was wir am besten können und zwar Qualität liefern. Wir sind der Qualitätsführer.“

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