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Hilfsaktionen im Netz Diese Online-Portale vermitteln Notfall-Personal an Kliniken und Apotheken

In der Coronakrise leiden vor allem Kliniken und Apotheken unter Personalengpässen. Verschiedene Plattformen helfen jetzt online bei der Vermittlung.
30.03.2020 - 14:20 Uhr Kommentieren
Während der Coronakrise vernetzen Online-Portale Kliniken und Apotheken mit Helfenden. Quelle: dpa
Pflegerin

Während der Coronakrise vernetzen Online-Portale Kliniken und Apotheken mit Helfenden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Es ist die Ruhe vor dem Sturm“, diese Formulierung hört man oft in diesen Tagen. Eine der entscheidenden Fragen, die viele beschäftigt: Wird das Personal ausreichen? In Spanien und Italien arbeiten viele Klinikangestellte bereits über ihre Belastungsgrenze hinaus. Längst läuft deshalb die Debatte, auch Rentner und Studierende im Gesundheitssystem einzusetzen.

Pensionierte Ärzte oder Pfleger, aber auch ehemalige Mitarbeiter in Elternzeit melden sich vielfach bereits freiwillig. „Sie sind unsere erste Wahl, weil sie unser Haus und unsere Strukturen schon kennen“, sagt Tobias Ohler, der stellvertretende Verwaltungsleiter des Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz, das zum Kreis Heinsberg – dem Epizentrum des Coronavirus – gehört.

Die Anrufer würden an die Assistentin der Verwaltungsdirektion verwiesen, damit sie die Unterlagen prüfe. Das ist viel Arbeit für eine Person.

Auch die Akquise von Studierenden ist in Kliniken noch aufwendig. „Derzeit werden an vielen Fakultäten potenzielle Helfer in aufwändigen Listen eingetragen. Das wollten wir ändern“, sagt Aurica Ritter, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) und selbst Medizinstudentin im zehnten Semester. Zusammen mit anderen Freiwilligen hat sie in sieben Tagen das Portal match4healthcare.de gegründet. Ziel ist die Vermittlung von Freiwilligen an Kliniken und Praxen.

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Standort erkennen

    Medizinstudierende hinterlegen auf der Webseite ihr Profil. Kliniken, Praxen und andere Gesundheitseinrichtungen können sich registrieren und dann in der Datenbank geeignete Kandidaten herausfiltern und anschreiben. Die Kommunikation über Fachschaften und dem Dekanat würde damit wegfallen. Seit Donnerstagabend ist die Website live. „Über Nacht haben sich über 3000 Studierende eingetragen“, sagt Ritter.

    Auch Apotheken unter Druck

    Aber nicht nur in Kliniken und Praxen könnte das Personal knapp werden. „Die Coronakrise setzt auch viele Apotheken unter Druck, besonders auf dem Land. Als Pharmaziestudierende gehören wir zum pharmazeutischen Fachpersonal und dürfen in der Apotheke arbeiten“, sagt Ilias Essaida, Student im vierten Semester. Zusammen mit Kollegen des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) hat er das Portal Apothekenhelfen.bphd.de gestartet.

    Es bietet Apotheken die Möglichkeiten, eine Ausschreibung aufzugeben, wenn etwa Hilfe in der Rezeptur, bei Botengängen oder der Warenwirtschaft gesucht wird. Pharmaziestudierende können sich dann bei den Apotheken melden. Seit vergangenen Montag ist die Website online. Über 180 Apotheken hätten sich seitdem gemeldet, sagt Essaida.

    Timo Fischer, Gründer des Vermittlungs-Start-ups Medwing, erkennt ein Problem in der Abwicklung. „Ich finde es toll, dass Studenten solche Plattformen bauen, aber es ist ein völliges Wunschdenken, dass Klinikpersonaler sie auch nutzen.“ Die zeitintensive Organisation und Koordination der Bewerbungsprozesse seien vor allem das Problem.

    Zusammen mit einem Partner hat er im Jahr 2017 Medwing gegründet, mit dem Pflegekräfte vermittelt werden. Das Start-up fährt dabei zweigleisig: Zum einen verdienen sie bei jeder Vermittlung von festen Stellen Provision, zum anderen stellen sie auch Mitarbeiter an und bieten ihnen vor allem flexible Jobs. Also zum Beispiel Pfleger, die keine Voll- oder Teilzeitstelle annehmen können, weil sie Kinder betreuen.

    Auch Medwing hat mit wirwollenhelfen.com eine Corona-Hilfsplattform gelauncht, mit der kostenlos medizinisches Personal an Kliniken vermittelt wird. Anders als die beiden Studentenplattformen übernimmt Medwing das Kerngeschäft im Hintergrund: überprüft Zeugnisse, fragt Zertifikate nach, um die Freiwilligen entsprechend ihrer Kompetenzen einzusortieren. „Wir machen den kompletten Interviewprozess, weil das unser Kerngeschäft ist“, so Fischer.

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    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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    Seit dem 21. März ist wirwollenhelfen.com online. Seitdem hätten sich mehr als 6.000 Freiwillige gemeldet. Darunter sind nicht nur Pfleger, sondern auch Medizinstudenten, Ärzte und Nicht-Mediziner. „Es gibt wahnsinnig viele Freiwillige – jetzt geht es darum, sie zu koordinieren“, sagt Fischer.

    Während die Studenten sich über eine wirtschaftliche Verwertung ihrer Portale noch keine Gedanken gemacht haben, könnte sich wirwollenhelfen.com später lohnen. Auch wenn Medwing erklärt, dass die Daten von wirwollenhelfen und dem Start-up nicht miteinander vermischt werden: Pfleger oder Ärzte, die sich jetzt als freiwillige Helfer melden, könnten die Plattform auch nach der Coronakrise weiter nutzen. Nur dann wird die Vermittlung über Medwing eben nicht mehr kostenlos sein.

    In Erkelenz, im Kreis Heinsberg, hat man noch nicht aktiv nach Freiwilligen gesucht. „Wir sind aktuell noch nicht auf Unterstützung angewiesen“, sagt Verwaltungsleiter Ohler vom Hermann-Josef-Krankenhaus. Man habe für den Ernstfall über einen Aufruf auf der Webseite oder Facebook nachgedacht. Die Idee der Vermittlungsplattformen findet er aber gut: „Da ist die Chance größer, dass man Personal bekommt, das auch qualifiziert ist.“

    Mehr: Wie zwei Start-ups mit Daten gegen das Coronavirus kämpfen.

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