Hochtief Deutschlands größter Baukonzern hebt Dividende an

Weniger Umsatz, mehr Gewinn und Aufträge: Beim größten deutschen Baukonzern Hochtief laufen die Geschäfte wieder besser. Von dem Erfolg will vor allem der Großaktionär aus Spanien profitieren.
Update: 25.02.2016 - 10:58 Uhr
Der Baukonzern hat 2015 wieder deutlich mehr Geld verdient. Quelle: dpa
Hochtief

Der Baukonzern hat 2015 wieder deutlich mehr Geld verdient.

(Foto: dpa)

Essen/DüsseldorfDas größte deutsche Bauunternehmen Hochtief lässt beim spanischen Mutterkonzern ACS die Kasse klingeln. Fünf Jahre nach der Übernahme steigerte Hochtief 2015 seinen Gewinn um fast 40 Prozent und übertraf damit die Markterwartungen. Auch im laufenden Jahr will der Essener Konzern unter anderem durch Infrastrukturprojekte und Minengeschäfte zulegen. „Wir erwarten nachhaltiges Wachturm in den nächsten Jahren“, sagte Vorstandschef Marcelino Fernandez Peres am Donnerstag in Düsseldorf.

Die Aktionäre - und damit vor allem ACS - sollen mit zwei Euro je Anteilsschein erneut eine höhere Dividende erhalten. Die Spanier halten etwa zwei Drittel an Hochtief. Ihr Paket könnte bald noch größer werden.

ACS hatte Hochtief 2011 nach einer erbitterten Abwehrschlacht übernommen. Fernandez Verdes hat den Essener Konzern danach auf Rendite getrimmt. Dies zahlt sich immer mehr aus. Der um Spartenverkäufe und Restrukturierungsaufwendungen bereinigte operative Gewinn kletterte 2015 vor allem dank Zuwächsen in Amerika und im Geschäft der australischen Tochter Cimic um 39 Prozent auf 265 Millionen Euro.

Das lange Zeit schwächelnde Europa-Geschäft konnte mit einem bereinigten operativen Gewinn von neun Millionen Euro erstmals seit 2010 wieder schwarze Zahlen schreiben. Das Hauptgeschäft von Hochtief liegt jedoch längst im Ausland. Von den rund 47.000 Mitarbeitern sind nur 3700 in Deutschland beschäftigt. Nur neun Prozent seines Umsatzes erzielt der Konzern in Europa.

Im laufenden Jahr peilt Fernandez Verdes konzernweit einen operativen Gewinn von 300 bis 360 Millionen Euro an. Der seit 2012 amtierende Vorstandschef hatte bei Hochtief und der von Leighton in Cimic umbenannten australischen Tochter aufgeräumt und Beteiligungen verkauft. Im weit verzweigten Hochtief-Reich sortierte er unter anderem Flughäfen, Immobilienunternehmen, Wohnungsentwickler oder die Leighton-Tochter John Holland aus.

Der Ausblick sei sehr zuversichtlich, hieß es in einem Marktkommentar der DZ Bank. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie verteuerte sich bis zum Mittag um mehr als sechs Prozent auf 92,15 Euro.

Ein Baukonzern berappelt sich
Manager seit 2012
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Knapp drei Jahre nach der Übernahme durch die spanische ACS ist Hochtief auf einem guten Weg. Weil sich der Baukonzern derart gut entwickelt, hat Chef Marcelino Fernandez Verdes kürzlich beteuert, dem Unternehmen die Treue halten zu wollen. „Ich bin stolz auf Hochtief und möchte noch lange in diesem wunderbaren Unternehmen arbeiten“, sagte der spanische Manager. ACS hatte Fernandez Verdes im November 2012 nach einer erbitterten Übernahmeschlacht um Hochtief nach Essen entsandt. Seitdem trimmt der Manager Hochtief auf Profit. Das sind seine wichtigsten Projekte, die er verantwortet.

Stage Theater an der Elbe, Hamburg
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Für den Theaterbetreiber Stage Entertainment hat Hochtief ein Musicaltheater für 1800 Gäste im Hamburger Hafen gebaut. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit läuft hier seit November 2014 „Das Wunder von Bern“.

Landesarchiv NRW, Duisburg
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Das NRW-Landesarchiv ist ebenfalls fertiggestellt. Es besteht aus einem revitalisierten ehemaligen Speichergebäude und einem wellenförmigen Neubau. Das Mitte 2013 eingeweihte größte Archiv Europas bietet 134 Kilometer Regalplatz.

Autobahn 5, Wien
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Die 51 Kilometer lange Nordostumfahrung Wiens auf der A5 ist das erste Straßenprojekt, das in Österreich als öffentlich-private Partnerschaft entstand. Es wurde 2010 nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Hochtief PPP Solutions war bei Planung, Finanzierung und Bau in einem Konsortium mit einem österreichischen und einem französischen Partner federführend. Eine Projektgesellschaft wird die Strecke bis 2039 betreiben.

Rethebrücke, Hamburg
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Neubau der Retheklappbrücke, mit einer Spannweite von 104,2 Metern eine der größten Klappbrücken Europas. Die Arbeiten starteten 2011 und sollen noch  2015 abgeschlossen werden. Als Hauptstraßenverbindung des inneren Hafengebiets nach Süden ist die Brücke eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Hafen der Hansestadt. Durch die Klapptechnik der Brücke können der Schiffsverkehr sowie der Bahn- und Straßenverkehr künftig besser fließen.

Lake Champlain Bridge, Essex County, New York
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Die Lake Champlain Bridge verbindet seit 2011 Gemeinden in den Bundesstaaten New York und Vermont. Hochtief-Tochter Flatiron baute sie als Ersatz für eine in die Jahre gekommene Brücke. Das neue, knapp 670 Meter lange Bauwerk erspart den Nutzern einen 160 Kilometer langen Umweg oder eine einstündige Fahrt mit der Fähre.

Gotthard-Tunnel, Schweiz
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Der Gotthard-Basistunnel verbindet den Kanton Uri im Norden mit dem Tessin im Süden und soll 2016 nach dem bahntechnischen Ausbau für Personen- und Güterzüge freigegeben werden. Die Tunnelbauexperten von Hochtief haben gemeinsam mit Partnern bereits die beiden südlichen Lose des Gotthard-Basistunnels im Rohbau erstellt. Der Gotthard-Tunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Durch das laufende Aktienrückkaufprogramm von Hochtief könnte der Einfluss von ACS noch steigen, wenn die Papiere eingestampft werden. Hochtief habe bereits für rund 365 Millionen Euro 7,3 Prozent eigene Aktien erworben, sagte Finanzchef Peter Sassenfeld. Bis zu zehn Prozent könnten es bis September noch werden. Hochtief halte sich alle Optionen offen. „Ein Aktieneinzug ist eine klare Alternative, aber es gibt noch keinen Beschluss dafür.“

  • rtr
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