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Hotelbranche Dorint-Chef kämpft vor Gericht um die Existenz der Kette

Der streitbare Manager läuft in der Coronakrise zu Höchstform auf. Der Dorint-Chef schreibt an die Kanzlerin – und hat noch viele Ideen mehr.
21.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die meisten Bundesländer gestatten es seit Mitte März außerdem nur noch Geschäftsreisenden, sich im Hotel einzuquartieren. Quelle: imago images/HärtelPRESS
Dorint-Hotel in Chemnitz

Die meisten Bundesländer gestatten es seit Mitte März außerdem nur noch Geschäftsreisenden, sich im Hotel einzuquartieren.

(Foto: imago images/HärtelPRESS)

Düsseldorf Wer das Wirken von Dirk Iserlohe während der jahrelangen Sanierung der Hotelkette Dorint verfolgte, weiß es längst: Der heute 55-jährige Diplom-Kaufmann zählt nicht zu dem Managertyp, der frühzeitig klein beigibt. Immer wieder gelang es Iserlohe in nahezu aussichtsloser Situation, Geldgeber zu vertrösten, missliebige Gesellschafter loszuwerden und neue zu gewinnen, um dann ab 2017 wieder echte Gewinne vorweisen zu können.

In der Coronakrise aber läuft der gebürtige Düsseldorfer mit der markanten Pferdeschwanz-Frisur nun zur Höchstform auf. Dass mit ihm nicht zu spaßen ist, erlebte als Erstes Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Die parteilose Politikerin hatte am 19. März wegen der Corona-Pandemie sämtliche Herbergen der Domstadt schließen lassen, womit sie der jüngsten Idee des Dorint-Aufsichtsratschefs in die Parade fuhr.

Nur fünf Tage zuvor hatte Iserlohe seine Initiative „Hoteloffices statt Homeoffice“ mit dem Hintergedanken gestartet, einen Teil seiner leeren Hotelzimmer tagsüber mit arbeitenden Managern belegen zu können.

Vor dem Verwaltungsgericht legte der streitbare Hotelier darauf Rechtsbehelf ein. Rekers Anordnung sei unverhältnismäßig, die Maßnahme überzogen, argumentierte der Dorint-Patron – und erhielt recht. Unter Verweis auf den Richterspruch überzeugte Iserlohe anschließend die Stadtväter in Bonn, Weimar und Erfurt, ihre Verordnungen nach dem Kölner Vorbild zurückzuziehen. Seither sind 50 seiner 60 Häuser wieder geöffnet. Zumindest Geschäftsreisende darf er jetzt einquartieren.

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    Der Kölner Hotelkettenchef ist im deutschen Übernachtungsgewerbe beileibe nicht der Einzige, der seit dem Corona-Shutdown um das Überleben seines Betriebs kämpft. Zusammen mit der Gastronomie seien 223.000 Betriebe von den massiven Einschränkungen betroffen, rechnete Guido Zöllick vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vor.

    In der Krise läuft der Dorint-Chef zu Höchstform auf. Quelle: Dorint
    Dirk Iserlohe

    In der Krise läuft der Dorint-Chef zu Höchstform auf.

    (Foto: Dorint)

    Seine Ahnung fällt dabei denkbar düster aus. Ein Drittel der Unternehmen, glaubt der Verbandspräsident, könnte am Ende der Pandemie zum Opfer fallen – falls die Politik nicht mit massiven Hilfen gegensteuert. Rein rechnerisch kämen auf das Gastgewerbe dadurch am Ende fast 75.000 Insolvenzen zu.

    Ketten wie Dorint trifft dabei nicht nur, dass sie mit den Messeabsagen etwa der ITB Berlin, der Handwerksmesse oder der Light & Building schon vor dem Shutdown massive Ausfälle zu beklagen hatten. Die meisten Bundesländer gestatten es seit Mitte März außerdem auch nur noch Geschäftsreisenden, sich im Hotel einzuquartieren. Wer wie Dorint zudem Häuser auf Ferieninseln wie Sylt, Usedom oder Rügen betreibt, besitzt ein zusätzliches Problem: Da die Inseln ein Einreiseverbot verhängt haben, steht dort das Gewerbe komplett still.

    Iserlohe, seit 2017 Vorstandschef der Dorint-Dachgesellschaft Honestis AG, die im Wesentlichen den Erben der Supermarktkette Allkauf und dem Textilfabrikanten Joachim Tengelmann („Brax“) gehört, gibt sich mit dem jüngsten Sieg vor Gericht längst noch nicht zufrieden. Auch die Politik in Berlin will er bewegen.

    In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, den er gleichzeitig Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Justizministerin Christine Lambrecht zustellen ließ, kritisiert er ein schweres Versäumnis im BGB-Einführungsgesetz, das Berlin anlässlich der Corona-Pandemie verabschiedete.

    „Geschäftsbetrieb wird unmöglich“

    Dort legte die Bundesregierung zwar fest, dass Pächtern die Miete Corona-bedingt drei Monate lang gestundet werden muss, ohne dass sie eine Kündigung zu fürchten haben. Anstoß nimmt der Dorint-Aufsichtsrat aber an „Artikel 240“ der Bestimmungen: So geraten Mieter oder Pächter in Zahlungsverzug, wenn sie im Anschluss an diese Frist den angehäuften Verpflichtungen nicht nachkommen. „Auf dieser Basis können Verpächter ihre Forderungen einklagen, titulieren lassen und diese mit neun Prozent pro Jahr über Basiszins vollstrecken“, warnt Iserlohe. „Damit wird der Geschäftsbetrieb des Pächters unmöglich.“

    Eine Vollstreckung lasse sich schnell bewirken und würde damit den Kündigungsausschluss ad absurdum führen. Ab dem 1. Oktober, wenn die vorübergehend ausgesetzte Insolvenzantragspflicht wieder eintritt, erwartet der Hotelier in seiner Branche deshalb eine Pleitewelle.

    Dass Pächter kaum in der Lage sind, die geschuldeten Mietrückstände aus dem laufenden Geschäft aufzubringen, verdeutlicht der Dorint-Manager an den eigenen Unternehmenszahlen: Der für dieses Jahr erwartete Verlust von 52 Millionen Euro entspreche etwa der Höhe der zu zahlenden Pachten. Bei dem vor Corona erzielten Jahresgewinn von etwa fünf Millionen Euro sei diese Last nicht zu tragen. „Das könnte die Dorint nicht verkraften“, schreibt Iserlohe an Merkel, „damit wären circa 3 000 Mitarbeiter arbeitslos.“

    Als Lösung empfiehlt er, den Pächtern ein einseitiges Sonderkündigungsrecht für den Fall einräumen zu lassen, dass der Vermieter auf die vollen Zahlungen besteht. „Damit käme der Verhandlungsweg in Gang“, weiß Iserlohe.
    In der Tat dürfte mancher Vermieter darauf eingehen, wie Einar Skjerven, Geschäftsführer der Berliner Immobilien-Investmentfirma Skjerven Group, angesichts der aktuellen Wirtschaftsflaute nahelegt. „Denn es könnte Monate dauern“, sagt er, „bis ein neuer Mieter gefunden ist.“

    Setzt sich Iserlohe mit seinem Anliegen durch, wäre dies sein zweiter Erfolg während der Coronakrise. Für sein „Hoteloffices statt Homeoffice“ gewann er inzwischen reichlich Firmenkunden – darunter eine große Bank in München. Von montags bis samstags zwischen sieben und 21 Uhr offeriert der Dorint-Manager seine Zimmer als „Privat-Büro“ – samt WLAN, Druckerservice, Frühstück und Mittagessen auf dem Zimmer. „An einigen Standorten haben wir immerhin bis zu 25 Prozent Belegung damit erzielt“, berichtet der Krisenmanager.

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