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Interview „Unser Geschäftsmodell heilt sich selbst“: Mitgründer Blecharczyk sieht Airbnb für zweite Corona-Welle gut aufgestellt

Trotz Krise gelingt der Reiseplattform ein fulminanter 87-Milliarden-Dollar-Börsengang. Im Interview spricht einer der Gründer über die Zukunft von Airbnb.
10.12.2020 - 22:15 Uhr Kommentieren
Der Reiseplattform ist ein fulminanter Börsenstart gelungen. Dass das noch dieses Jahr klappen würde, war für Mitgründer Blecharczyk nicht immer klar. Quelle: Reuters
Nathan Blecharczyk, Mitgründer und Technikvorstand von Airbnb

Der Reiseplattform ist ein fulminanter Börsenstart gelungen. Dass das noch dieses Jahr klappen würde, war für Mitgründer Blecharczyk nicht immer klar.

(Foto: Reuters)

San Francisco Es ist der größte Börsengang des Jahres. Am ersten Handelstag schoss der Wert der Reiseplattform Airbnb zeitweise auf mehr als 100 Milliarden Dollar. Der vom Unternehmen angepeilte Wert von 48 Milliarden Dollar wurde um mehr als das Doppelte übertroffen.

Und das, obwohl Airbnb das wohl schwierigste Jahr seiner Geschichte hinter sich hat. Der Tourismus brach wegen der Corona-Pandemie weltweit radikal ein. Auch wenn sich Airbnbs Geschäft seit dem Sommer erholt, lag der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres mit 2,5 Milliarden Dollar deutlich unter den 3,7 Milliarden Dollar des Vorjahreszeitraums.

Im Interview spricht Mitgründer und Strategievorstand Nate Blecharczyk über die Zukunft seines Unternehmens und darüber, was langfristig von der Krise bleiben wird.

Blecharczyk sieht sein Unternehmen für eine zweite Corona-Welle gut aufgestellt. „Die Pandemie hat die Resilienz und Anpassungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells bewiesen“, sagte der Mitgründer. „Unser Geschäftsmodell heilt sich selbst.“

Airbnb habe „jede Menge Angebote in ländlichen Gegenden – in der Umgebung, wo viele Leute gerade lieber hinreisen. Und wenn die Pandemie ausgestanden ist, wird es einen Riesendrang geben, wieder zu reisen.“

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Herr Blecharczyk, jetzt, wo Airbnbs Börsengang geschafft ist, können Sie ja darüber reden: Gab es in den letzten Monaten einen Zeitpunkt, an dem Sie nicht mehr daran geglaubt haben?
Anfang des Jahres dachten wir, es würde viel früher passieren. Im März und April lösten sich unsere Pläne in Luft auf. In der Zeit hätte ich nicht vorausgesagt, dass wir vor Ende des Jahres an dieser Stelle stehen würden.

Airbnb steckt immer noch mitten in der Erholungsphase, trotzdem bewertet die Börse Sie mit rund 100 Milliarden Dollar. Ist das nicht etwas übertrieben?
Ich bin kein Wall-Street-Analyst und kann den Aktienkurs nicht kommentieren. Aber die Pandemie hat die Resilienz und Anpassungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells bewiesen. Airbnb hat jede Menge Angebote in ländlichen Gegenden – in der Umgebung, wo viele Leute gerade lieber hinreisen. Und wenn die Pandemie ausgestanden ist, wird es einen Riesendrang geben, wieder zu reisen.

Airbnb stand traditionell für das WG-Zimmer in der Metropole, in das sich Städte-Touristen einmieten. Der Markt für Ferienhäuser ist viel professionalisierter und von Konkurrenten umkämpft.
90 Prozent unserer Gastgeber sind Individuen, diese Zahl ist schon lange ziemlich stabil. Es stimmt, es sind mehr professionelle Vermieter dazugekommen, aber auch viele Einzelpersonen. In der Zukunft werden wir andere Arten von Reisen sehen: Menschen können flexibler arbeiten und mieten sich für drei, vier Tage in einer Stadt ein, die sie mit dem Auto erreichen können. Die Zahl der Trips steigt.

Wie erreichen Sie in den kleinen Städten und Dörfern neue Gastgeber?
Eine der größten Stärken von Airbnb ist, wie organisch unser Netz von Gastgebern wächst. Wenn es an einem Urlaubsziel eine hohe Nachfrage gibt, erzählen erfolgreiche Gastgeber ihren Freunden davon. Unser Geschäftsmodell heilt sich selbst. Mit klassischer Werbung wie Suchmaschinen-Marketing muss man nur am Rande nachhelfen.

Sie haben durch den Börsengang 3,5 Milliarden Dollar eingenommen. Wo investieren Sie das Geld?
Wir wollen unsere Produkte weiter verbessern. Wir haben unsere Seite völlig neu designt, damit man Ziele in der eigenen Umgebung leichter finden kann. Bislang hatten Leute einen sehr engen Blick auf Reisen: Wohin? An welchem Datum? Jetzt wollen wir mehr inspirieren. Wir investieren dazu auch weiter in unsere Technologie, um unsere Empfehlungsalgorithmen mit sehr klaren Daten füttern und unseren Nutzern intelligente Empfehlungen geben zu können.

Die Nasdaq gratuliert den Airbnb-Gründern Brian Chesky (oben) und Nathan Blecharczyk zu ihrem erfolgreichen Börsengang. Quelle: AP
Nasdaq-Videowall am Times Square in New York

Die Nasdaq gratuliert den Airbnb-Gründern Brian Chesky (oben) und Nathan Blecharczyk zu ihrem erfolgreichen Börsengang.

(Foto: AP)


Sie mussten auch ein Viertel Ihrer Mitarbeiter entlassen. Stellen Sie die jetzt wieder ein?
Es ist unheimlich hart, so eine enge Gemeinschaft von Kollegen auseinanderzureißen. Wenn wir Gelegenheiten sehen, werden wir diese Leute natürlich gern wieder einstellen. Und ich hoffe, sie wollen dann auch zurückkommen. Airbnb geht es besser, aber wir sind natürlich noch nicht über den Berg.

In den USA und Europa steigen die Covid-Fälle derzeit wieder rasant. Trifft die zweite Welle ihr Geschäft erneut?
Es ist eine dynamische Situation, die an jedem Ort anders aussieht. Wir haben seit dem Frühjahr aber Sauberkeit priorisiert. Mehr als eine Million unserer Gastgeber hat ein Training durchlaufen, das wir mit Vivek Murthy, dem ehemaligen obersten Gesundheitsbeamten der USA, entwickelt haben. Ich glaube, das hat auch stark zu unserem Comeback beigetragen.

Seit einigen Jahren versucht Airbnb, neben Übernachtungen auch sogenannte Erlebnisse wie Reiseführungen zu vermitteln. Wie viel Umsatz Sie damit machen, kommunizieren Sie aber nicht.
Erlebnis-Angebote sind jedes Jahr sehr ordentlich gewachsen. Vor der Pandemie dachten wir, 2020 würde das große Jahr für diesen Geschäftsbereich. Nun kommen diese Angebote online zurück. Und wenn es einmal wieder sicher ist, sich zu treffen, werden sie sehr erfolgreich sein. So viele Menschen sind durch die Krise arbeitslos geworden. Ich hoffe, viele können als Gastgeber oder Anbieter von Erlebnissen künftig Geld verdienen. Bis heute haben Airbnb-Gastgeber auf der Plattform 110 Milliarden Dollar verdient.

Was wird für Airbnb von dieser Krise bleiben, selbst wenn Sie sie überwunden haben?
Als wir das Unternehmen schrumpfen mussten, haben wir auch neue Prioritäten definiert. Wir haben uns auf unsere Stärken fokussiert. Wir können so viele wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen, allein dadurch, dass wir die Zahl unserer Gastgeber steigern. Dafür haben wir unsere Organisation verändert. Statt einer Abteilung für jedes Produkt haben wir nun eine funktionelle Organisation, in der jeder auf dieselben Ziele hinarbeitet: Wie bekommen wir mehr Gastgeber auf die Plattform, wie helfen wir Menschen beim Reisen?

Herr Blecharczyk, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Risiken, Einstiegschancen, Wachstum: Was Anleger zum Börsengang von Airbnb wissen müssen

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