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Interview Zukunftsforscher Leonhard: „Die Branche muss sich fragen, was ein Hotel jetzt noch leisten kann“

Gerd Leonhard sieht die Coronakrise als Chance für den heimischen Hotelmarkt. Ein Zurück zu einem alten Normalen werde es aber nicht mehr geben.
27.11.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren
„Das Stichwort heißt Staycation.“ Quelle: FuturistGerd
Gerd Leonhard

„Das Stichwort heißt Staycation.“

(Foto: FuturistGerd)

Düsseldorf Die mehr als 11.000 Hotels in Deutschland stecken in der großen Krise der Nachkriegszeit. Der zweite Lockdown drängt viele Häuser nahe an die Insolvenz. Dennoch haben sie eine Chance, sich zu erholen, sagt der Trendforscher Gerd Leonhard. Er zeigt auf, mit welcher Strategie Hotels sich für die Zukunft wappnen können.

Herr Leonhard, Sie beschäftigen sich als Vorstandschef der Futures Agency auch mit der Zukunft der Hotellerie. Wie geht es der Branche in der Coronakrise?
Der lokale Tourismus hat die Corona-Auswirkungen bisher eigentlich sehr gut aufgefangen. Das Stichwort heißt Staycation – man bleibt da, wo man ist. Das ist ein Megatrend für die nächsten Jahre.

Die Menschen wollen also auch nach Corona keine Fernreisen mehr machen?
Die Leute werden weniger dramatisch reisen, also weniger das Land oder zumindest den Kontinent verlassen. Warum soll man nach Thailand fliegen, wenn man auch nach Spanien kann oder an die Nordsee?

Wie wirkt sich das auf die Zukunft der Hotellerie aus?
Das kommt immer auf die Region an. Ich denke, dass die heimische Hotellerie profitieren wird. Man muss den Gästen hier etwas Besonderes kreieren, mehr anbieten, die Qualität erhöhen. Es ist Erfindungsreichtum gefragt.

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    Das wird die Kunden was kosten.
    Im Gegenteil. Die Hotels werden mit den Preisen enorm runtergehen müssen. Die alte Logik, dass die Leute zu Messezeiten nach Frankfurt kommen und man dafür das Dreifache fordern kann, ist vorbei. Die Leute sehen das Lokale etwas sensitiver, was die Preise betrifft. Ich glaube, die nächsten zwei Jahre werden haarig, aus vielerlei Gründen.

    Welche Gründe sind das?
    Die Leute müssen mehr sparen. Es kommt ein bisschen darauf an, wie schnell die Wiederherstellung des Normalen stattfindet. Aber die Leute werden vorsichtiger bleiben – sei es beim Reisen oder beim Geldausgeben im Allgemeinen. Wir gehen nicht zurück zu einem alten Normalen.

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    Wie wird das neue Normale aussehen?
    Wir werden verantwortlicher mit den Dingen umgehen, auch im Tourismus. Wir denken mehr darüber nach, ob das, was wir tun, unbedingt notwendig ist. Die Leute werden mehr gezwungen, den Kontext zu sehen. Den Kontext von Gesundheit, von Geldausgaben, von Klimawandel. Natürlich kann man Thailand und die Nordsee nicht vergleichen, aber ein Urlaub ist ein Urlaub.

    Das klingt nach rosigen Zeiten für den heimischen Hotelmarkt.
    Das ist eine große Chance für alle, die jetzt den Kontext verstehen. Die Branche muss sich fragen, was ein Hotel jetzt noch leisten kann, was in dieser besonderen Atmosphäre in den nächsten zwei oder drei Jahren gebraucht wird.

    Und was wird gebraucht?
    Zum Beispiel Working from Home – das Homeoffice im Hotel. Wenn ich zu Hause nicht arbeiten kann, weil es zu laut ist oder mein Internet für die permanenten Videokonferenzen nicht ausreicht, dann gehe ich von 9 bis um 18 Uhr ins Hotel. Wenn der Preis nicht 300 Euro ist, sondern 80 und man dafür in Ruhe an einem Projekt arbeiten kann, könnte daraus ein Business werden. Wenn ich Hotelier wäre, würde ich ein paar Zimmer leer räumen und daraus virtuelle Meetingräume gestalten. Richtig hightechmäßig ausstatten und mit Support versehen. Das wird sicher nachgefragt.

    Beim Thema Customer Relationship Management ist in Deutschland noch ganz viel Luft nach oben.

    Worauf legt der Kunde sonst nach Corona wert?
    Flexibilität, Extraservice, Kommunikation. Man muss die Zimmer auch kurzfristig stornieren können, ohne ein Vermögen zahlen zu müssen, die Hotels sollten Geschenke anbieten, und sie müssen die Gäste viel direkter ansprechen.

    Inwiefern direkter?
    Beim Thema Customer Relationship Management ist in Deutschland noch ganz viel Luft nach oben. Man muss wissen, wer der Kunde ist und was er will.

    Das kann man doch alles in seinen Datenbanken erfassen.
    Man muss die Technik da einsetzen, wo sie sinnvoll ist, und das automatisieren, was automatisierbar ist. Zum Beispiel, dass der Gast sich virtuell ein Zimmer aussuchen oder das Menü online einsehen kann. Aber im Endeffekt ist jemand, der da sitzt und persönlich mit einem spricht, deutlich wichtiger als der bisherige 08/15-Service, den viele bieten. Vor allem nach dieser Krise, wo alle immer mehr vor dem Computer hängen und immer mehr virtuell machen.

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