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Jill Ader Eine Frau an der Spitze des Personalberaters Egon Zehnder

Wenn Dax-Konzerne oder der DFB neue Chefs suchen, mischt Jill Ader mit. Nun will die Britin die Personalberatung behutsam erneuern.
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Die Britin arbeitet seit 1996 für Egon Zehnder. Quelle: Christian Grund/Wirtschaftswoche
Jill Ader

Die Britin arbeitet seit 1996 für Egon Zehnder.

(Foto: Christian Grund/Wirtschaftswoche)

Zürich Als Jill Ader vor 23 Jahren bei Egon Zehnder anfing, konnte sie sich vieles vorstellen, aber eines nicht: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages die Firma führen würde“, erinnert sich die Britin heute. Doch es kam anders.

Seit November 2018 ist die Managerin „Chairwoman“ von Egon Zehnder – und damit nicht nur die erste Frau an der Spitze der Firma, sondern auch die erste Chefin bei einem der großen Personalberater überhaupt. „Ich liebe diese Firma, ihre Werte bedeuten mir viel“, sagt Ader, 59, beim Gespräch in der Schweizer Firmenzentrale.

In der Villa auf dem Zürichberg hatte Firmen-Übervater Egon Zehnder in den 1960er-Jahren den Grundstein für das globale Headhunter-Imperium gelegt. Seine Ideen sollen die Firma auch in Zukunft prägen, doch zugleich setzt Ader auf behutsame Reformen: Sie will die Beratung von Führungskräften ausbauen und für mehr Transparenz sorgen.

Egon Zehnder gilt als einer der einflussreichsten Headhunter der Welt. Nicht nur große Konzerne greifen bei der Chefsuche auf die Dienste der Schweizer zurück – auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Zehnder jüngst mandatiert. Die Personalberater sollen ein „Anforderungsprofil“ für den nächsten DFB-Präsidenten erstellen.

Mehr will das Unternehmen nicht verraten. Niemals über die Kunden zu sprechen, gehört zu den eisernen Regeln. Mancher Ex-Mitarbeiter vergleicht die Gemeinschaft der rund 450 Berater mit einem Jesuitenorden. Und den führt mit Jill Ader nun erstmals eine Frau.

Nicht nur deshalb gleicht Aders Berufung einer Revolution. Eigentlich besagte ein ungeschriebenes Gesetz bei Zehnder, dass der CEO die Ablösung des Verwaltungsratschef übernimmt. Der Aufstieg des langjährigen Geschäftsführers Rajeev Vasudeva galt aus ausgemacht – doch Ader setzte sich in einer Kampfkandidatur durch. „Partner sollen sich wie Partner fühlen und eine Wahl haben“, sagt die Managerin. „Dazu wollte ich mit meiner Kandidatur beitragen“.

Auch sei es nicht mehr zeitgemäß, dass der CEO eines Unternehmens nahtlos in den Verwaltungsrat wechselt. Ihr unterlegener Rivale galt als zahlengetriebener Manager. Insidern zufolge war Vasudeva angeeckt, weil er sich von manchen Partnern trennen wollte. Bei den Zehnder-Leuten, die ihrer Firma meist bis zur Pension die Treue halten, kam das nicht gut an. „Jill verkörpert dagegen eher die ursprünglichen Werte der Firma“, sagt ein Kenner, der anonym bleiben möchte.

Ader, die die London Business School absolviert hat, kam 1996 zu Egon Zehnder. Dort stieg sie zur Leiterin des Londoner Büros auf und verantwortete die Beratung von Konsumgüterfirmen. Nun hat es sie beschaulichere Zürich verschlagen. Bei Egon Zehnder will Ader die Beratung von Führungskräften, genannt „Leadership Advisory“ ausbauen. „Wenn jemand eingestellt wird, den wir vermittelt haben, dann möchten wir ihm auch dabei helfen, in der neuen Position erfolgreich zu sein“, sagt Ader.

Im Idealfall findet die Arbeit der Personalberater dabei im Verborgenen statt: Interne Kandidaten werden langfristig vorbereitet, damit sie sich als CEO-Nachfolger qualifizieren können. Während so manches auf den Prüfstand kommt, will die Britin die Grundfesten nicht antasten: Egon Zehnder holt keine Berater von der Konkurrenz ins eigene Haus. Und ein Manager, der bereits von Egon Zehnder an einen Klienten vermittelt wurde, wird anderen Kunden nicht vorgeschlagen. „Unsere Werte sind da glasklar“, sagt Ader.

Auch am eisernen Verbot von Provisionen will sie weiter festhalten: Anders als bei der Konkurrenz erhalten die Berater bei Zehnder ein vorab vereinbartes Honorar. „Wir sind unabhängige Berater, keine Broker“, sagt die Managerin dazu. Kritik, dass Zehnder sich durch solche Regeln selber lähmt, weist sie zurück: „Wir arbeiten zusammen und teilen unsere Gewinne – unabhängig vom individuellen Erfolg.“

Dafür spricht, dass das Geschäft offenbar gut läuft: Zahlen zum Gewinn veröffentlichen die Schweizer zwar nicht. Den weltweiten Umsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr aber um zehn Prozent auf 738 Millionen Franken gesteigert. Künftig sollen Frauen eine stärkere Rolle spielen.

Zwar vermitteln die Zehnder-Berater immer mehr weibliche Führungskräfte. Doch von der Parität sind die Chefetagen globaler Konzerne weit entfernt. Gerade erst hat Ader mit einigen Finanzchefinnen gesprochen. „Als ich fragte, was ihre Aufsichtsräte tun, um sie als Nachfolgekandidatinnen für den CEO-Posten aufzubauen, war die Antwort sehr deutlich“, sagt sie. „Nichts. Das reicht natürlich nicht.“

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