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Kaminkehrer und die Bürokratie Bürojob Schornsteinfeger

Ein Schornsteinfeger soll Glück bringen – doch trifft ihn heute noch. Die Kaminkehrer sind kaum noch auf den Dächern der Republik unterwegs. Schuld ist die überbordende Bürokratie. Genauer: Feuerstättenbescheide.
30.12.2015 - 15:33 Uhr
Rund 20.000 Kaminkehrer verbringen inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro. Quelle: Imago
Schornsteinfeger

Rund 20.000 Kaminkehrer verbringen inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro.

(Foto: Imago)

München Wer in Deutschland einen Schornsteinfeger auf dem Dach oder der Straße sieht, hat wirklich Glück: Denn die rund 20.000 Kaminkehrer verbringen inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Büro.

Seit der Einführung der verpflichtenden Feuerstättenbescheide vor drei Jahren gehören Schreibarbeiten und Formulare genauso zum Beruf dazu wie der Kaminbesen und das Zuggewicht. „Die wachsende Bürokratie betrübt uns schon“, sagt Petra Ittlinger, die seit 30 Jahren Schornsteinfegerin in München ist und ihren Beruf eigentlich noch immer liebt.

Sie freut sich, wenn Menschen sie auf der Straße fragen, ob sie einmal ihre Kleidung anfassen dürfen – denn das soll ja bekanntlich Glück bringen. Schornsteinfeger-Figuren aus Marzipan sind in diesen Tagen wieder Verkaufsschlager im Supermarkt und beim Bäcker. Der Aberglaube stammt aus dem Mittelalter, als Häuser häufig Feuer fingen. Kaminkehrer schützten so das heimische Glück.

Inzwischen geht es den Menschen längst nicht nur ums traute Heim: „Manchmal kommt auch jemand auf mich zu und fragt, ob er an einem Knopf drehen darf – weil er gleich eine Prüfung schreibt“, erzählt Schornsteinfegerin Ittlinger lachend. Der Kontakt zu den Menschen ist für sie immer noch das Schönste an ihrem Beruf. Zwei Drittel ihrer Zeit, so schätzt sie, verbringt sie inzwischen jedoch am Schreibtisch. „Es ist nicht das, was man eigentlich wollte.“

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    Größter Zeitfresser ist der Feuerstättenbescheid, den die Bezirksschornsteinfeger für alle Gebäude in ihrem Gebiet ausstellen müssen. Er wurde eingeführt, als Anfang 2013 das langjährige Schornsteinfeger-Monopol fiel. Hausbesitzer können seitdem selbst entscheiden, wer ihnen aufs Dach steigt und Aufträge europaweit an freie Schornsteinfeger vergeben.

    Im Gegenzug müssen sie aber bestimmte Fristen für die Besuche einhalten und sicherstellen, dass die Heizanlage regelmäßig gewartet und auf ihre Sicherheit überprüft wird. Festgelegt sind diese Fristen im Feuerstättenbescheid, der zweimal innerhalb von sieben Jahren erstellt werden muss und mehrere Seiten Papier umfasst.

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