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Kanzlei Buse Heberer Fromm Gericht setzt Haftbefehl gegen Top-Anwalt Hartmut Fromm wieder in Kraft

Hat der Berliner Jurist Gelder eines Mandanten veruntreut? Die Staatsanwälte erweitern ihre Vorwürfe sogar noch. Fromm wehrt sich und attackiert die Ermittler scharf.
03.08.2020 - 22:20 Uhr Kommentieren
Bei großen Namen der deutschen Wirtschaft ging und geht der Anwalt ein und aus, in der Berliner High Society ist er schon lange eine feste Größe. Quelle: dapd
Hartmut Fromm

Bei großen Namen der deutschen Wirtschaft ging und geht der Anwalt ein und aus, in der Berliner High Society ist er schon lange eine feste Größe.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Dem wegen möglicher Untreue zulasten seines hochvermögenden Mandanten Erich Marx beschuldigten Berliner Juristen Hartmut Fromm droht nun doch wieder Haft. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin war mit einer Beschwerde gegen die Aufhebung des Haftbefehls erfolgreich. Das Landgericht setzte sie jetzt wieder in Kraft.

Zudem erweiterten die Staatsanwälte ihre Vorwürfe. Sie ermitteln nun über die Untreuevorwürfe hinaus auch wegen des dringenden Verdachts des schweren Parteiverrats. Dies teilte die Behörde heute mit.

Ende Juni waren Fromm sowie ein weiterer Anwalt seiner Kanzlei Buse Heberer Fromm verhaftet worden, darüber hinaus ein dritter Haftbefehl gegen die ehemalige Lebensgefährtin des bekannten Bauunternehmers und Kunstmäzen Erich Marx erlassen worden. Kurz darauf wurden die Haftbefehle aber wieder aufgehoben.

Bereits seit dem vergangenen Jahr laufen Ermittlungen gegen das Trio, weil der Verdacht besteht, dass es Gelder des 99-Jährigen veruntreut haben könnte. Alle drei Beschuldigten weisen die Vorwürfe vollständig und vehement zurück. Fromm kündigte bereits an: „Ich werde gegen die aus meiner Sicht und nach Einordnung meiner Verteidigung unverständliche Entscheidung des Landgerichts weitere Beschwerde einreichen.“

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    Untreueverdacht über knapp 40 Millionen Euro

    Durch komplizierte Gesellschafts- und Stimmrechtskonstrukte soll das Trio um Fromm unberechtigt mehrere Millionen Euro abgezweigt haben, so der Verdacht der Staatsanwälte. Dazu kamen dann in diesem Jahr weitere Vorwürfe: Konkret geht es dabei unter anderem um eine Aktienbeteiligung von Marx in Höhe von knapp 40 Millionen Euro.

    Die Beschuldigten sollen Aktien im Wert von über 38 Millionen Euro verkauft, übertragen und auf einen Kaufpreis verzichtet haben und so Vermögensbetreuungspflichten verletzt haben.

    Die neuen Anschuldigungen sollen dann letztlich auch der Auslöser für die Haftbefehle gewesen sein. Doch dann nach nur wenigen Tagen die erste Wende: Fromm und sein Kanzleipartner kamen wieder frei, ihre Haftbefehle wurden ebenso aufgehoben wie der gegen die Ex-Lebensgefährtin, die sich zu dieser Zeit in Polen aufgehalten haben soll.

    Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sah plötzlich keinen dringenden Tatverdacht mehr. Zuvor hatte sich ein Sprecher Fromms bereits sehr optimistisch gezeigt, „dass die Strafanzeige und der Haftbefehl rechtlich und tatsächlich widerlegt werden“.

    Die Geschäftsanteile, um die es gehe, befänden sich nach wie vor bei der Gesellschaft, daher könne dieser kein Schaden entstanden sein, hatte ein Sprecher der Kanzlei Fromms nach dessen Inhaftierung verlauten lassen. Dies ergebe sich „aus einem öffentlich einsehbaren Register über die wirtschaftlichen Eigentümer der Geschäftsanteile“.

    Daran hat das Landgericht nun offenbar wieder Zweifel. Es vollzog die nächste Kehrtwende, setzte alle drei Haftbefehle wieder in Kraft und nimmt laut Informationen des Handelsblatts nun wieder dringenden Tatverdacht an. Die Kanzlei Fromms bleibt in der Angelegenheit bei ihrer bisherigen Position“, teilte ein Sprecher mit.

    Haftverschonung gegen Kaution von 150.000 Euro

    Die drei Beschuldigten müssen die Untersuchungshaft unterdessen nicht antreten, wenn sie eine Kaution erbringen und weitere Auflagen erfüllen, so die Staatsanwaltschaft. Fromm und die Ex-Lebensgefährtin von Marx haben demnach nun knapp drei Wochen Zeit 150.000 Euro zu zahlen, der jüngere Kanzleipartner von Fromm 80.000 Euro. Daneben müssen alle drei Meldeauflagen erfüllen.

    Marx hatte sich vor acht Jahren mit einem komplizierten Mandat an Fromm gewandt. Aus diesem Beratungsauftrag erwuchs in den folgenden Jahren eine enge Vertrauensbeziehung. Was dann passierte, davon existieren zwei sehr unterschiedliche Versionen: Die eine bringt die Kanzlei Danckert Bärlein Sättele vor, die die Interessen von Marx vertritt. Sie argumentiert, dass der betagte Mäzen auf perfide Weise hinters Licht geführt wurde – von seinem Vertrauensanwalt und der Frau, die er liebte. Im Zusammenspiel mit dem Dritten im Bunde, dem Kanzleipartner Fromms sollen sie angestrebt haben, hinter dem Rücken von Marx die Kontrolle über dessen Vermögensgesellschaften zu übernehmen.

    Die andere Version der Geschichte, die aus der Kanzlei Fromms stammt, zielt dagegen in die Richtung, dass die von den Anwälten geschaffenen Strukturen darauf abzielen, das Vermögen des Unternehmers zu schützen, teils auch gegenüber dessen eigener Familie. Und das hinter dem Vorgehen von Erich Marx womöglich dessen in der Schweiz lebende Kinder stecken, die auf ihn einwirken sollen, um sich mehr vom Erbe zu sichern. Diese könnten ihn gar in der Schweiz festhalten, heißt es hinter den Kulissen.

    Fromm soll inzwischen gar selbst Strafanzeige gestellt haben und dem Staatsanwalt vorwerfen, auf strafbare Weise mit den Anwälten von Erich Marx zusammengearbeitet und dabei Dienstgeheimnisse verraten zu haben.

    Nun greift er die Ermittler erneut scharf an: „Dass die Berliner Staatsanwaltschaft es nötig hat, auf eine noch im Instanzenzug befindliche Gerichtsentscheidung mit meiner öffentlichen Vorverurteilung zu reagieren, ist für den schlechten Ruf kennzeichnend, den sie in Fachkreisen genießt.“ Den Ermittlern fehle offensichtlich jeder Respekt vor der Unschuldsvermutung und dem Gericht, das über seine weitere Beschwerde entscheiden werde.“

    Mehr: Der Fall Middelhoff. Auf der Spur der Millionen.

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