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Kapitalmarkttag Scout24 wird zum Makler für Makler

Der Plattformbetreiber will sich noch stärker auf die Beziehungen seiner Nutzer fokussieren. Was mit der Autosparte passiert, bleibt beim Kapitalmarkttag offen.
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Auf dem Kapitalmarkttag bleibt die Frage nach der Zukunft von AutoScout24 unbeantwortet. Quelle: dpa
Scout24

Auf dem Kapitalmarkttag bleibt die Frage nach der Zukunft von AutoScout24 unbeantwortet.

(Foto: dpa)

München Die Zukunftsfrage der Autosparte von Scout24 bleibt vorerst unbeantwortet. Da konnten die Kapitalmarktteilnehmer die Führung um CEO Tobias Hartmann an diesem Dienstag noch so geschickt fragen. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte Hartmann. Und dabei blieb es an diesem Tag auch.

Allerdings ist der Betreiber mehrerer Onlinehandels-Marktplätze offenkundig auf eine mögliche Aufspaltung vorbereitet. Das Unternehmen hat sich um seine Kerngeschäfte mit Immobilien und Autos neu aufgestellt. Alle Dienstleistungen aus dem Geschäftsfeld Consumer Services laufen je nach Schwerpunkt künftig unter dem Dach der Immobilienscout24 oder der Autoscout24. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Vermittlung von Versicherungen. Auch die übernommene Finanzcheck wird künftig zum Automobilbereich gehören. Aber das, so betonte Scout24, sei in allen Fällen besser so.

Seit Monaten herrscht Unruhe bei dem MDax-Unternehmen. Denn bei den Münchnern ist der aktivistische Investor Elliott eingestiegen, der sich immer wieder mit öffentlichen Forderungen massiv bei diversen Unternehmen einmischt. Auf seinen Druck hin prüft die Scout24-Führung jetzt die strategischen Optionen für seine Geschäftsfelder und muss sich immer wieder fragen lassen, ob und wann nun Autoscout24 verkauft wird.

Das Scout-Management hatte am Dienstag zumindest für beide Sparten Zukunftspläne parat. Und die stimmten viele Teilnehmer zufrieden.

In beiden Geschäftsfeldern setzt das Unternehmen auf Abo-Modelle für Anbieter und Kunden. Dabei geht es um weitere Käufe und Verkäufe, vor allem aber um die Zeit dazwischen. Je mehr Kontakt Scout24 mit seinen Nutzern hat, desto mehr erfährt das Unternehmen über sie und desto gezielter kann es ihnen in bestimmten Lebenssituationen das passende Angebote machen.

Der Schlüssel dazu sind Daten und maschinelles Lernen: Aus Kaufentscheidungen ähnlicher Nutzer lernen Algorithmen, wann ein Kunde an einem Familienauto oder an einem Eigenheim interessiert sein könnte und wie er sich diese wahrscheinlich vorstellt. Analyst Marius Fuhrberg überzeugen die neuen Produkte: „Das ist die logische Weiterentwicklung des Plattformgeschäfts“, sagte er dem Handelsblatt.

Neue Zielgruppe für Immobilienscout

Für die Immobiliensparte hat das Unternehmen auf dem Kapitalmarkttag eine neue Zielgruppe ausgemacht: und zwar Immobilienbesitzer. Diese Gruppe ist für die Handelsplattform naturgemäß interessant, gehe aber erst jetzt zunehmend online. „Wir tun alles, um diese Hausbesitzer zu bekommen“, sagte Thomas Schroeter, Vorstandsmitglied der Scout24 und Geschäftsführer bei der Immobilienscout beim Kapitalmarkttag.

Die Immobilienanbieter sollen über ein reibungsloses Geschäft mit den Maklern gebunden werden. Dazu wird die Immobilienscout künftig noch stärker den Zugang regulieren: Ein neues Modell sieht vor, jeweils drei Maklern Zugang zu einem Immobilienanbieter zu verkaufen, die dann um das Geschäft werben können. Damit hilft die Plattform den Immobilienanbietern bei der Auswahl, den Maklern bei der Konzentration auf Geschäfte, auf die sie gute Chancen haben. Gewissermaßen wird Immobiliencout24 zum Makler für Makler.

„Die Fokussierung auf eine verbesserte Beziehung mit den Maklern sowie das Herausstellen des Mehrwertes der Plattform für die Makler erscheinen strategisch sinnvoll“, sagte Analyst Fuhrberg. De facto zwingt Scout24 als deutscher Marktführer mit solchen Lösungen auch immer mehr Immobilienvermittler auf seine Plattform, weil das Unternehmen über den exklusiven Zugang zu den Immobilienanbietern verfügt. "Diese Lead-Vermittlung zwischen Maklern und potenziellen Hausverkäufern sollte für beide Seiten vorteilhaft sein und stellt für Scout eine weitere Umsatzquelle dar", sagte Marius Fuhrberg.

Unterschiede zur Konkurrenz

Mit solchen Angeboten könnte sich Immobilienscout auch vom wichtigsten Konkurrenten abheben. Seit der Investor KKR bei Immowelt eingestiegen ist, haben Analysten und auch die Scoutführung den Wettbewerber stärker im Auge. Vertriebschef Ralf Weitz sagte, Immowelt arbeite mit „Dumpingpreisen“, würde aber allmählich realisieren, dass der Wettbewerb über den Preis sich nicht lohne.

Bei Chancen und Risiken eines Spartenverkaufs zeigte sich Analyst Fuhrberg vorsichtig: „Bei einem entsprechend hohen Kaufpreis kann eine Abspaltung Sinn machen.“ Ihm erschiene die kursierende Zwei-Milliarden-Bewertung von Autoscout allerdings „vor diesem Hintergrund eher zu niedrig“.

Als Argument gegen die Trennung der Sparten wird eine mögliche gegenseitige Absicherung in Krisenzeiten angeführt. Dabei gibt es unterschiedliche Meinungen, wie sich eine Rezession auswirken würde und auch wie weit sich ein Trend zum Teilen und Ressourcenschonen niederschlagen könnte. Manchen Aktionären dürfte das egal sein, wenn die Einnahmen aus dem Verkauf der Autosparte sich kurzfristig in Dividenden niederschlagen, zumal unklar ist, wie das Geld reinvestiert würde.

Elliott will den Wert der Aktie jedenfalls bald bei 65 Euro statt bei etwa 52 Euro sehen. In einem offenen Brief hatte der Investor der Scout24-Führung Anfang August „verpasste Chancen“ vorgeworfen.

Die Anleitung zur Besserung lieferte der Brief gleich mit: die Abspaltung von Autoscout24, massive Aktienrückkäufe und eine bessere Zusammenarbeit mit den Aktionären. Ein Aktienrückkaufprogramm hatte das Unternehmen da bereits angekündigt. Seit Anfang September hat Scout24 Aktien im Wert von knapp 100 Millionen Euro zurückgekauft. Insgesamt sollen binnen eines Jahres Anteile im Wert von bis zu 300 Millionen Euro in Unternehmensbesitz rücküberführt werden - gemessen am Kurswert bei Ankündigung sechs Prozent des Stammkapitals.

Die Botschaft, dass noch mehr drin sein könnte, kam bei anderen Aktionären an. Bei der Hauptversammlung gut drei Wochen nach der Elliott-Provokation wählten sie den vom Hedgefonds Pelham ins Spiel gebrachte Christoph Brand in den Aufsichtsrat, der als stellvertretender Vorsitzender der Schweizer Mediengruppe Tamedia Erfahrung mit Abspaltungsfragen hat. Ein Kandidat des Unternehmens musste dafür weichen.

Die Wahl war ein erstes Zeichen für Misstrauen und ein Hinweis darauf, mit welchen strategischen Maßnahmen Tobias Hartmann aus ihrer Sicht beim Kapitalmarkttag aufzuwarten habe. Auf die Entscheidung dürfte er sie nicht mehr all zu lange warten lassen.

Mehr: Die Mietanstiege haben sich in den deutschen Großstädten zuletzt allgemein verlangsamt. Für Studentenwohnungen gilt das jedoch nicht. Im Gegenteil.

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