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Klinikbetreiber Corona-Angst belastet das Geschäft der Sana-Kliniken

Die Kliniken sind weiterhin nicht ausgelastet, weil Patienten aus Angst vor einer Sars-CoV-2-Infektion fernbleiben. Das bekommt auch der private Klinikkonzern Sana zu spüren.
14.09.2020 - 04:08 Uhr Kommentieren
Deutschlandweit werden derzeit nur etwa 200 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Quelle: dpa
Freies Intensivbett

Deutschlandweit werden derzeit nur etwa 200 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Auf die kommende Wintersaison blickt Sana-Kliniken-Chef Thomas Lemke mit Sorge. Wenn mit der wachsenden Zahl an Erkältungen auch die Angst der Bürger vor einer möglichen Corona-Infektion wieder steigt. Unabhängig davon, ob die Angst begründet ist oder nicht.

„Die Sorge der Menschen, sich mit dem Virus zu infizieren, ist für die Klinikbranche zu einem schwer kalkulierbaren Faktor geworden“, sagt Lemke. Hat sie doch seit Ausbruch der Krise dazu geführt, dass viele Patienten Operationen verschoben und Arzttermine abgesagt haben.

In der Spitze – im April etwa – standen bis zu 50 Prozent der Klinikbetten leer. Die Räumung der Betten war im Frühjahr allerdings auch politisch angestoßen worden, um Kapazitäten für mögliche schwer kranke Covid-19-Patienten zu schaffen. Aber dass so lange so viele andere Patienten fernbleiben, war in der Branche nicht erwartet worden.

Auch heute, wenn einzelne Städte und Kreise mit steigenden Infektionszahlen zum Risikogebiet werden, bekommen die Klinikbetreiber vor Ort das direkt zu spüren. „Wenn eine Stadt medial zum Hotspot erklärt wird, verzeichnen wir sofort einen Rückgang von OP-Terminen. Und die umliegenden Ärzte weisen spürbar weniger Patienten ein als sonst“, sagt Lemke. Sana ist der drittgrößte private Klinikbetreiber in Deutschland nach der zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörenden Helios-Gruppe und der Hamburger Asklepios.

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    Bis Ende September gleicht der Rettungsschirm der Bundesregierung die Kosten des Leerstands für die Krankenhäuser mit Tagespauschalen für nicht belegte Betten weitgehend aus. Auch die Mehrkosten etwa für Schutzkleidung werden vom Staat mit Sonderzahlungen aufgefangen. Etwas mehr als acht Milliarden Euro sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) bisher an Kompensationszahlungen in die Krankenhausbranche geflossen. Die mehr als 1900 Kliniken in Deutschland erwirtschaften einen Jahresumsatz von zuletzt rund 95 Milliarden Euro.

    Betten abgebaut, Dividende gestrichen

    Ab Oktober aber gilt eine neue Regelung: Dann soll pro Klinik individuell ausgehandelt werden, inwieweit Mindereinahmen durch die Kostenträger – also die Krankenkassen - ausgeglichen werden. Über die Modalitäten verhandeln derzeit die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen.

    „Diese Regelung gibt den Krankenhäusern die Chance, wirtschaftlich in einem vertretbaren Rahmen abschließen zu können – vorausgesetzt, die Mindereinnahmen werden angemessen erstattet“, sagt Lemke. Unter dem Strich dürften aber wohl fast alle Krankenhäuser in diesem Jahr weniger Umsatz und ein schlechteres Ergebnis verzeichnen, erwartet der Klinikmanager, der auch Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist.

    Die DKG schätzt, dass derzeit rund 70 Prozent der Kapazitäten ausgelastet sind. Bis maximal 75 Prozent könnten es werden, so ein Sprecher, denn viele Krankenhäuser haben durch ihre neuen Hygienekonzepte Betten abgebaut und beispielsweise von Drei- auf Zweibettzimmer umgestellt.

    Viele Klinikbetreiber haben ihre Erwartungen für das laufende Jahr bereits zurückgenommen, auch wenn sich das Ausmaß in Zahlen noch schwer abschätzen lässt. Der börsennotierte Rhön-Klinikum-Konzern, der im Juli vom Wettbewerber Asklepios übernommen wurde, hatte mit Verweis auf die Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie seine Dividende gestrichen und erwartet schon jetzt einen starken Rückgang des operativen Ergebnisses.

    Auch Sana wird in diesem Jahr weniger Umsatz und Gewinn erzielen, erwartet Lemke: „Viel hängt jetzt von der Entwicklung im vierten Quartal ab. Wenn es normal läuft, werden wir die Chance haben, das gesamte Geschäftsjahr mit schwarzen Zahlen abzuschließen“, sagt er. Auch weil neue Geschäftsfelder wie Servicedienstleistungen, digitale Angebote oder andere Gesundheitsangebote mittlerweile rund 15 Prozent zum Ertrag der Sana-Kliniken beitragen würden.

    Zahl der behandlungsbedürftigen Corona-Patienten sinkt

    Im vergangenen Jahr hatte Sana bei einem Umsatz von 2,84 Milliarden Euro einen operativen Gewinn (Ebit) in Höhe von 105 Millionen Euro erzielt. Der war allerdings deutlich zurückgegangen, weil Sana Abschreibungen auf ein paar Häuser vorgenommen hat.

    So sollten die Kliniken Ostholstein eigentlich an den Wettbewerber Ameos verkauft werden. Daraus wurde aber wegen kartellrechtlicher Bedenken nichts, weswegen die Häuser wertberichtigt wieder in die Konzernbilanz einbezogen wurden. Sana gehört rund 25 privaten Krankenversicherungen.

    Kommt eine neue Welle an Covid-19-Patienten, könnte die Prognose für dieses Jahr aber schnell hinfällig werden. „Dann kommt es auf die Verhandlungen mit den Kassen an, inwieweit steigende Kosten übernommen werden“, sagt Lemke.

    Hoffnung macht dem Sana-Kliniken-Chef, dass zurzeit trotz steigender Infektionszahlen in der Bevölkerung die Zahl der behandlungsbedürftigen Covid-19-Patienten vergleichsweise gering ist. Mussten im April bundesweit zeitweise mehr als 2900 Covid-19-Erkrankte intensivmedizinisch betreut werden, sind es aktuell rund 230. „Das liegt zum einen natürlich daran, dass viele der getesteten Reiserückkehrer jüngeren Alters sind“, sagt Lemke.

    „Zum anderen haben die Kliniken mittlerweile auch Erfahrungen gesammelt, mit welchen Behandlungsansätzen und Medikamenten ein Erkrankungsverlauf abgemildert werden kann“, so Lemke. Neue wissenschaftliche Veröffentlichungen aus den USA zeigen zudem, dass sich die Schwere einer Sars-CoV-2-Infektion durch das Tragen der Masken reduziert, weil weniger Viren aufgenommen werden.

    Mehr: Rhön-Klinikum-Gründer will Gastronomie mit Luftfiltern helfen

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