Knappe Abstimmung Bürger lehnen Ausbau der Messe Essen ab

Die Bewohner Essens haben den millionenschweren Ausbau der eigenen Messe gestoppt. Der Rat hatte eine Modernisierung für 123 Millionen Euro beschlossen, doch mit denkbar knapper Mehrheit scheiterte das Vorhaben.
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Die Messe Essen sollte ausgebaut werden, doch die Mehrheit der Bürger wehrt sich erfolgreich. Quelle: dpa

Die Messe Essen sollte ausgebaut werden, doch die Mehrheit der Bürger wehrt sich erfolgreich.

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EssenIn Essen haben die Bürger Pläne der Stadt für die Modernisierung der Messe gestoppt. Bei einem Bürgerentscheid bekamen die Gegner der Ausbaupläne am Sonntag eine knappe Mehrheit. Ihr Antrag, den Beschluss des Stadtrats aufzuheben, erhielt 50,4 Prozent der Stimmen. Für die Erweiterung der Messe stimmten nach Angaben der Stadt 49,6 Prozent der Teilnehmer am Bürgerentscheid.

Der Rat hatte im Sommer mit großer Mehrheit beschlossen, für 123 Millionen Euro neue Messehallen zu bauen. Dadurch sollte die Abwanderung von wichtigen Ausstellungen in andere Städte verhindert werden. Die Kritiker befürchten, dass die hoch verschuldete Stadt sich mit der Investition übernimmt. Ihnen ging es nach eigenen Angaben nicht darum, eine Modernisierung der Messe grundsätzlich zu verhindern. Die Pläne der Stadt enthalten nach ihrer Einschätzung aber zu hohe Kostenrisiken.

Die Beteiligung an dem Bürgerentscheid betrug 28,8 Prozent. Am Ende hatten die Gegner der Pläne mit gut 66.000 Stimmen knapp 1000 Stimmen Vorsprung vor den Befürwortern des Messeausbau.

Essen ist der neuntgrößte Messestandort in Deutschland. Jedes Jahr finden dort 50 Ausstellungen statt, darunter umsatzbringende Fachmessen wie die Internationale Pflanzenmesse oder Publikumsmagnete wie die Tuning-Messe „Essen Motorshow“. Jedes Jahr bringe das Messegeschäft 360 Millionen Euro als sogenannte Umwegrendite in die Stadt, hatten die Befürworter der Modernisierung argumentiert. 3500 Arbeitsplätze hingen an der Messe.

In den vergangene Jahren sind allerdings wichtige Ausstellungen weggebrochen, zudem schreibt die Messe Verluste. Diese Entwicklung könne nur mit attraktiveren Messehallen gestoppt werden, hatten Stadt und Wirtschaft argumentiert.

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13 Kommentare zu "Knappe Abstimmung: Bürger lehnen Ausbau der Messe Essen ab"

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  • Wer Ahnung hat, hätte besser recherchiert.

    Ich habe einmal die Zahl der Messen nachgeschlagen, die im Kalender der Internetseiten der Messe Essen für das Jahr 2014 gelistet sind, und komme nur auf 30. In Worten: dreißig. Wer faselt denn da etwas von fünfzig Messen?

    Außerdem können die Einnahmen noch so hoch sein. Es bleibt bei Einnahmen. Gewinn müßte her, damit sich die Messe Essen trägt. Und diesen Gewinn gibt es seit längerem nicht mehr. Die gesamtwirtschaftliche Lage macht auch keine Hoffnung. Oder sollte man noch hinzufügen: "keine Hoffnung mehr".

  • Sie haben völlig recht.

    Gerade heute stand in der WAZ, daß die erste Messe "Reifen", die die Messehallen nur zu gut 50% belegt haben soll, den Messestandort Essen verlassen will. Sonntag haben die Bürger entschieden, und nur zwei Tage später weiß der Veranstalter schon, daß er abwandert. Eher sollte man an den Weihnachtsmann glauben.

    Fakt ist, es gibt zu viele Messeplätze in Deutschland. So, wie es auch zu viele (Regional-)Flughäfen gibt, wie z.B. Coburg, Hof, Münster-Osnabrück, Lippstadt usw. Alles nur Verlust-Projekte. Aufgrund der Überalterung der Deutschen ist es abzusehen, daß nahezu jeder Lebensbereich zurückfährt bzw. zurückgefahen wird. Auch der der Messen.

    Außerdem steht die Messe Essen am falschen Platz. Aufgrund der umgebenden Wohnbebauung etc. kann man sich an fünf Fingern abzählen, daß eine Erweiterung entweder gar nicht oder nur unter schwersten Widerständen möglich und sinnvoll erscheint. Wie wäre es denn, wenn man die Messe auf das Zeche-Zollverein-Gelände verlegt? Platz ohne Ende (mindestens dreifaches Platzangebot). Die Messe würde für Arbeitsplätze in der Umgebung sorgen. Es würde eine bessere Infrastruktur geschaffen, die den Essener Norden belebt. Usw. usf.

  • @ anonym

    Was wollen Sie denn mit Ihrem völlig unsubstantiierten Beitrag ausdrücken? Thema verfehlt.

    Erstens wurden am Sonntag die Bürger gefragt, und nicht der Gruga-Betreiber.

    Zweitens können Sie niemandem weismachen, daß durch einen "ästhetischen" Umbau einer Messe ein Grugapark profitieren soll. Wäre gespannt, wenn Sie zur Abwechslung einmal begründen könnten, statt immer nur Unterstellungen in Frageform abzusondern.

    Habe ich drittens hrem doch recht unlogisch aufgebauten Gedankenkonstrukt entnehmen dürfen, daß Sie sich zum Sprachrohr der 5-km-Nachbarschaft machen wollen? Ich jedenfalls nicht.

    Wenn Sie behaupten, daß Sie es bedauern, daß wir beide - also Sie und ich - darüber abstimmen durften, gehören Sie genau zu der Klientel, die eine höchst bedenkliche Form der Freiheit propagieren, die wir in diesem Staate nicht wollen. Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.

    Heute (Mittwoch, 22.01.14) konnte man den Tageszeitungen entnehmen, daß bereits die erste Messe "Reifen" abwandert. Meinen Sie allen Ernstes, daß sich der Veranstalter der "Reifen"-Messe vom Ergebnis des Bürgerentscheids hat leiten lassen? Sonntagabend haben die Bürger gegen die Messe-Erweiterung gestimmt. Und schon am Dienstag sagt der "Reifen"-Veranstalter einen weiteren Messe-Auftritt in Essen ab? Sie werden mir verzeihen, daß ich nicht auf den Kopf gefallen bin. Das war doch ein lange vorbereitetes Spielchen.

    Aufwachen, "anonym". Dann brauchen Sie sich auch nicht mehr hinter "anonym" zu verstecken.

  • Ja ein guter Tag für die Stadt Essen. Denn erstens, was angeblich 123 Mio EUR kosten soll, wird hinterher mit Sicherheit viel teurer und noch eine Menge Probleme, Mängel und Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen. Zweitens gibt es mit Sicherheit keine sachgerechte, ehrliche Kosten-nutzenanalyse. Wo kommen denn die Zahlen her, die da behauptet werden? Man kommt doch mit gesundem Menschenverstand sehr viel weiter: Der Umbau wird zwar teuer, bringt aber keine zusätzliche Ausstellungsfläche. Um Gewinne zu machen, müßten also bei heutigem Status Quo wesentlich mehr Einnahmen her und/oder die Kosten erheblich reduziert werden. Nun kostet ein Messeneubau aber sehr viel (zusätzliches) Geld. Und wie bitte sollen sich diese Investitionskosten amortisieren, also erstens müßten die bisherigen Ergebnisse ins Positive gehievt werden, zweitens müßten Kosten für Finanzierung und Abschreibung der neuen Zusatzinvestition von mindestens 123 Mio EUR zusätzlich erwirtschaftet werden. Wer glaubt denn, dass das funktioniert? Wo sind denn Absichtserklärungen grosser Aussteller, zukünftig in die essener Messehallen zu gehen, wenn der Neubau steht? Kein wichtiger Aussteller wird aus Düsseldorf, Köln oder München nach Essen wechseln, da kann so viel gebaut werden, wie will. Man braucht sich nur die Besucherzahlen von internationalen Fachkongresssen anzuschauen, z.B. Ärztekongresse. In Essen verhaltene Besuchszahlen, in Düsseldorf wesentlich mehr, Dresden liegt auch sehr gut, die meisten Besucher lockt aber München an. Der Oberbürgermeister soll seiner Frau doch einfach mal 5.000 EUR zum Shoppen geben und schauen, wo sie denn Meissner Porzellan oder gediegene Kleidung kauft? In der essener Innenstadt, wo die alteingesessenen Fachhändler längst aufgegeben haben oder in Düsseldorf, Köln etc?
    In Wahrheit kann es also in Essen nur um die Frage gehen, ob man mit mindestens 123 Mio EUR Investition einen vielleicht drohenden Abzug von Veranstaltern auf
    halten kann? Antwort Nein.

  • Sie haben hoffentlich den lokalen Medien entnommen, dass die Betreiber der Gruga den geplanten Messeumbau befürwortet haben. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach, dass die grüne Lunge Essens von einem ästhetisch wertvollen Messeumbau sogar profitiert hätte.
    Finden Sie es außerdem angemessen, sich als Sprachrohr für die Anwohner im Umkreis von 5 km zu gerieren? Da ich selbst in diesem Umkreis wohne, muss ich Ihnen nun zumindest eine Stimme entgegensetzen: Ich würde den winzigen Hauch von internationalem Flair, das Rüttenscheid vor allem durch die Messebesucher hat, sehr vermissen! Die Geschäfts- und Gastronomiebetreiber entlang der Rüttenscheider Straße sehen das ähnlich, wie Sie ebenfalls den lokalen Medien entnehmen konnten.
    Insgesamt frage ich mich, wie intensiv Sie sich eigentlich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, bevor Sie gestern zum Bürgerentscheid gegangen sind. Ich wüsste gerne, wie Sie reagieren, wenn nun weitere Messen abwandern. Haben Sie sich klargemacht, was das Signal dieses Bürgerentscheids für Veranstalter bedeutet? Haben Sie auch weitergedacht, wer die Messe dann weiterhin bezuschussen muss? Wissen Sie, was der bisherige Baustopp und ein weiter andauernder Baustopp für die Messe und damit für die Stadt Essen eigentlich bedeutet? Oder können Sie das am Ende doch nicht so sicher beurteilen? Ich muss gestehen, dass ich persönlich mich mit diesen schwierigen Fragen ein wenig überfordert fühle. Die lokalen Politiker haben sich damit sicher ausgiebiger befasst als ich. Und Ihre Argumente finde ich ebenso einleuchtend, wie die der "Messegegner". Ich finde den Ausgang der gestrigen Abstimmung sehr bedauerlich, aber fast noch bedauerlicher scheint mir der Umstand, dass wir beide darüber abstimmen durften. Ich glaube nicht, dass das Abstimmungsergebnis wirklich zum Wohl der Essener Bürger beitragen wird.

  • Zitat: "Das Beispiel Essens zeigt aber auch, daß diejenigen, die keine Ahnung haben, einfach einmal die Klappe halten sollten."

    Wer hat nun keine Ahnung?

    Haben die keine Ahnung, die die immer roten Zahlen als Beweis für den Unsinn einer Messe ansehen?

    Oder haben die keine Ahnung, die diese roten Zahlen der Messe als Kleinigkeit betrachten und auf die jährlich 350 Millionen Euro Einnahmen verweisen, die die Stadt Essen durch die ca. 50 Messen jährlich hat?

    Ich schlage vor, dass ICH entscheide, wer Ahnung hat und so zur Wahl darf; einverstanden? ;)

  • Der dumme Bürger hat mindestens fünf Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler in dreieinhalb Zeilen. Und er ist nicht ein bißchen von Sachkenntnis getrübt. Hauptsache das Maul aufmachen.

  • Wir brauchen in Deutschland mehr direkte Demokratie. Der Verweis auf Art. 20 II 2 GG sei erlaubt: "... in Wahlen und Abstimmungen ...". Das Beispiel Essens zeigt, daß direkte Demokratie prima funktioniert. Nur so läßt sich der Politikverdrossenheit bzw. der Politikerverdrossenheit begegnen.

    Das Beispiel Essens zeigt aber auch, daß diejenigen, die keine Ahnung haben, einfach einmal die Klappe halten sollten. Seit über 20 Jahren, fast 25 Jahren, steckt die Messe Essen in den (tief)roten Zahlen. Irgendwann einmal ist Schluß mit dem Spaß, der die Bürger jährlich einen Haufen Geld kostet und der weder den Bürgern Essens noch dem Steuerzahler insgesamt dient. Die Verantwortlichen hatten viele Jahre Zeit zu beweisen, daß sie es besser können und daß sie der Stadt und der Messe eine Perspektive geben können. Sie haben sie nicht genutzt. Einen Schüler einer weiterführenden Schule läßt man ein Schuljahr nur einmal wiederholen. Schafft er es wieder nicht, muß er die Schule verlassen. Und die Verantwortlichen sollen bis zum Exzeß weitermachen können?

    Selbst wenn die Messe hin und wieder einmal Gewinne erwirtschaftet hätte, wäre der weitere Ausbau für sämtliche direkten Anwohner und diejenigen, die innerhalb eines Umfeldes von bis zu 5 Kilometern wohnen, die pure Zumutung: Parkplatzmangel, wo es nur geht, Lärm und Abgase etc. Außerdem steht da immer noch die rechtlich äußerst fragwürdige Nutzung des Messe-Parkplatzes am Verkehrslandeplatz Essen-Mülheim im Raum, zu dem ein Buszubringerdienst eingerichtet wurde.

    Dumm ist, wer die besten Pferde im Stall an Ställe anderer abgibt. Der Caravansalon im Herbst, die Camping-Messe im Frühjahr (der schlechte Ersatz hierfür heißt jetzt Reisemarkt Rhein-Ruhr oder wurde wieder neubenannt) und weitere publikumsträchtige Messen finden nicht mehr in Essen statt.

    In diesem Stile kann man noch weitermachen. Nur noch eins: Von der Gruga (grüne Lunge Essens) darf kein Quadratzentimeter mehr an die Messe abgegeben werden.

    Ein gutes Zeichen

  • ...und den "ProKapitalisten" muss man endlich einen Riegel vorschieben.
    Das sind genau die Leute , die beim ADAC rumtoben und die Massen verblöden wollen.
    Eine Geschäftsidee entwickeln, bei der die Masse manipuliert und abgezockt werden kann...

  • Wenn man sich das Ergebnis genauer ansieht, erkennt man das Dilemma von Bürgerentscheidungen.

    Bei dem knappen Ergebnis kann man eigentlich nicht sagen, dass „die Bürger Essens“ für oder gegen etwas sind. 66066 Bürger und Bürgerinnen stimmten mit JA und waren damit gegen den Ausbau der Messe. 65104 Bürger und Bürgerinnen stimmten mit NEIN und waren damit für den Ausbau der Messe. (Die Fragestellung war missverständlich)

    An einem anderen Tag hätten vielleicht 500 Menschen mehr ihr Kreuz bei NEIN gemacht und das Ergebnis wäre auf den Kopf gestellt. Eindeutig ist anders.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass aufgrund eines so knappen Wahlergebnisses ein Millionenprojekt einfach ad acta gelegt wird. Es zeigt sich aber auch hier, dass die Politik den Bürgern intensiver klar machen muss, worum es bei solchen Großprojekten eigentlich geht. Gelingt dies, so werden Großprojekte von einer großen Mehrheit getragen (siehe Energiewende). Gelingt dies nicht, werden sich viele Bürger weiterhin solchen Projekten verweigern, auch wenn dadurch objektiv Schaden für die Entwicklung der Region entseht.

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