Korruption Warum Bilfinger seine Ex-Vorstände verklagt

Korruptionsfälle haben Bilfinger Millionen gekostet. Nun verklagt der Aufsichtsrat Ex-Vorstände auf Schadensersatz. Unter ihnen ist auch Roland Koch.
Update: 20.02.2018 - 16:22 Uhr 6 Kommentare
Bilfinger verklagt Ex-Vorstände um Roland Koch Quelle: dpa
Roland Koch

Der frühere hessische Ministerpräsident war von 2011 bis 2014 Chef von Bilfinger.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/MannheimGerade noch konnte Vorstandschef Tom Blades verkünden, dass er mit Bilfinger auf einem guten Weg ist. Die Jahreszahlen ließen für den Mannheimer Industriedienstleister hoffen – auch, dass es nun ein wenig ruhiger wird um den krisengeschüttelten Konzern.

Doch von Ruhe ist man in Mannheim weit entfernt. Am späten Nachmittag teilte Bilfinger mit, dass der Aufsichtsrat ehemalige Vorstände auf Schadensersatz verklagt. Betroffen sind alle Vorstandsmitglieder aus den Jahren 2006 bis 2015, die bis Jahresende 2014 in das Gremium eintraten. Der Grund: fehlendes Handeln in Sachen Compliance – also die Nicht-Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Die Ansprüche belaufen sich laut Bilfinger auf einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag.

Die fraglichen Vorgänge fielen in die Amtszeit der Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner (1999 bis 2011 sowie 2014/15) und Roland Koch (2011 bis 2014), dem früheren hessischen Ministerpräsidenten. In dem genannten Zeitraum waren insgesamt zwölf Manager als Vorstände für Bilfinger tätig. Aus Kreisen hört man, die rechtliche Lage habe den Schritt erforderlich gemacht.

„In welcher genauen Höhe Schadensersatzansprüche bestehen und inwieweit diese tatsächlich durchgesetzt werden können, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest“, teilte das Unternehmen mit. „Auch wurde noch keine Entscheidung darüber getroffen, welche ehemaligen Vorstandsmitglieder in welcher konkreten Höhe in Anspruch genommen werden sollen."

Roland Koch erklärte in einer Stellungnahme, er sei „befremdet“ und sich keinerlei Schuld bewusst. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben, so sein Sprecher. Der Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes wollte sich nicht äußern.

Wer das Vorgehen verstehen will, muss ein Stück zurückgehen in der Bilfinger-Geschichte. Damals war Bilfinger noch ein Baukonzern und in vielen Regionen aktiv – auch in Afrika. Und dort gab es Korruptionsfälle, die das Unternehmen bis heute belasten.

2003 waren drei Bilfinger-Manager in Nigeria an der Bestechung einer staatlichen Ölgesellschaft beteiligt gewesen. Bilfinger hatte nigerianischen Regierungsvertretern sechs Millionen Dollar Bestechungsgelder gezahlt, um an Aufträge bei dem Pipeline-Projekt Eastern Gas Gathering System (EGGS) zu kommen.

Zehn Jahre nach dem Korruptionsfall in Nigeria zahlte Bilfinger eine Strafe in Höhe von 32 Millionen US-Dollar und akzeptierte eine Aufsicht der US-Justizbehörde, einen sogenannten Monitor, und deren Auflagen. Roland Koch, der Bilfinger damals anführte, sagte: „Wir sind froh, diese Vorgänge aus lang zurückliegender Vergangenheit nun abschließen zu können.“ Doch ganz so einfach war es nicht.

2014 gab es einen weiteren Korruptionsfall: Die Bilfinger-Tochter Mauell zahlte hohe Summen an Schmiergeldern, um sich Bauaufträge für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu sichern. Auch dieser Vorfall fällt in die Zeit, als Koch Bilfinger-Chef war.

Im Nachhinein ging der Fall für Bilfinger glimpflich aus – wenigstens rein monetär. Denn der Kauf des Unternehmens wurde rückabgewickelt, und es gab eine Kompensationszahlung an Bilfinger. Doch der Imageschaden ist gewaltig.

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6 Kommentare zu "Korruption: Warum Bilfinger seine Ex-Vorstände verklagt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie als Ex-Politiker hat man im neuen Job keine Imunität?
    OHHHH

    Als Steuerzahler kann ich leider die Politiker nicht in Haftung nehmen.
    Vieleicht sollte man aus Deutschland eine AG machen,
    dann sind die Steuerzahler die Aktionäre.
    Und könnte die dann in Haftung nehmen,
    wenn sie dem Unternehmen (Deutschland) schaden

  • Erst als Ministerpräsident den Ausbau eines Flughafens mit rabiaten Mitteln durchdrücken und sich dann von der Firma anheuern lassen, die die Landebahn baut. Durchaus afrikanische Verhältnisse. In Deutschland darf man leider den Teppich nicht hochheben. Zuviel Dreck drunter. Aber eine christliche Partei!!

  • ROLAND der KOCH......der NASEWEIS & Platituede-Sprueche-Klopper & Schueler der Reichspropaganda-Schule ...
    Schuster bleibe bei deinem ....
    POLITIK = breite Riemen aus Anderer Leut's Leder schneiden....

    ja das koenne die Politiker eben!

    Koch, der passt gut zu (FDP)- Lindner....oder?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Diese Ex-Politiker verhalten sich also in einem Unternehmen so, wie sie sich in der Politik verhalten haben, so was muss ja dann schiefgehen.

    :)

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