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Lieferdienste Kochen in Lagerhallen: Wie solide ist das Geschäft der „Dark Kitchens“?

Boom oder Geldvernichtung? Ghost-Kitchens, in denen für Lieferdienste gekocht wird, sind der Trend im Silicon Valley. Aber Zweifel sind angebracht.
18.11.2019 - 16:10 Uhr Kommentieren
Ghost Kitchen: Die dunklen Küchen Amerikas Quelle: AP
Mitarbeiter bei Ghost Kitchen

In vielen Küchen wird nur für Lieferdienste produziert.

(Foto: AP)

New York, San Francisco Travis Kalanick hat es wieder einmal geschafft. Der in Ungnade gefallene frühere Chef des Fahrdienstvermittlers Uber hat sich laut „Wall Street Journal“ eine Finanzierung von 400 Millionen Dollar für sein neues Start-up gesichert: CloudKitchens, Küchen in den Wolken.

Dabei handelt es sich um Küchen mit Kühl- und Lagerräumen in Gewerbeimmobilien, in denen im Industriestil Gerichte vor allem für die zahlreichen App-basierten Essenslieferdienste wie Grubhub oder Uber Eats gekocht werden.

Kalanick liegt damit voll im Trend: Immer mehr Start-ups setzen auf solche „dark kitchens“, wie die dunklen Küchen in den Lagerhallen auch etwas weniger schmeichelhaft genannt werden. Sie bieten Restaurants die Möglichkeit, ihr Liefer-Essen zu günstigeren Mieten fernab ihrer Restaurants vorzubereiten. Vor allem an der Westküste gibt es zahlreiche Anbieter. Aber es mehren sich Zweifel an dem Geschäftsmodell. Dabei geht es sowohl um die Ausbeutung der dort Arbeitenden als auch um die vermeintliche Rentabilität.

Zusammen mit seinem eigenen Geld kommt Kalanick mittlerweile auf 700 Millionen Dollar Finanzierung und damit laut „Wall Street Journal“ (WSJ) auf eine Firmenbewertung von fünf Milliarden Dollar. CloudKitchens wird einmal „größer sein als Uber“, verspricht Kalanick vollmundig. Was anderes bleibt ihm auch nicht übrig.

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    Denn der Geldgeber, der Public Investment Fund aus Saudi-Arabien, hat schon einmal in Kalanicks Ideen investiert und 3,5 Milliarden Dollar in Uber gesteckt, den an der Börse gefloppten Fahrdienst. Die Küchenfinanzierung ist laut „WSJ“ bereits im Januar festgemacht worden. Da glaubte alle Welt noch, der Uber-Börsengang werde ein rauschendes Fest. Aber es kam anders. Der Aktienkurs notierte schon bald fast 40 Prozent unter dem Emissionspreis.

    WeWork der Gastronomie?

    Noch mehr: Nach dem Uber-Debakel kollabierte mit lautem Getöse die nächste große Idee der New Economy: WeWork, ein Vermieter von Büroflächen, sollte zunächst für über 40 Milliarden Dollar an die Börse gehen. Doch der Börsenprospekt war eine einzige Katastrophe. Die Bewertung wurde drastisch gesenkt, der Börsengang schließlich abgesagt, und der Großaktionär Softbank sucht heute händeringend nach einem Ausweg.

    Der Uber-Gründer will vom Lieferdienst-Trend profitieren. Quelle: imago/IPON
    Travis Kalanick

    Der Uber-Gründer will vom Lieferdienst-Trend profitieren.

    (Foto: imago/IPON)

    Vor diesem Hintergrund fürchten nun einige Beobachter, Cloud-Küchen könnten nichts anderes sein als WeWork für die Restaurantindustrie. Hohe Investitionen in Gebäude und Geräte mit langfristigen Verbindlichkeiten, die dann auf Basis kurzfristiger Verträge an Kunden weitervermietet werden, die dort Essen zubereiten und Gemüse schälen.

    Vor einigen Wochen kam ein weiterer Schlag für die neue Hype-Industrie: Grubhub, die Nummer eins der Essensauslieferer in den USA, legte weit schlechtere Quartalszahlen als erwartet und einen sehr zurückhaltenden Ausblick vor. Die Konkurrenz unter den Diensten sei extrem hart, die Kunden zeigten keine Loyalität, die Essenslieferungen subventioniert, hieß es zur Begründung. Die Aktie kollabierte an einem Tag um 42 Prozent und kassierte extrem seltene „Doppelabwertungen“. Merrill Lynch etwa senkte die Bewertung von „kaufen“ auf „verkaufen“.

    Vor diesem Hintergrund kamen dann auch noch Schreckensnachrichten von Uber Eats, dem Essensdienst von Uber. Mit seinen Verlusten im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich ist es das Sorgenkind des Fahrdienst-Vermittlers. Analysten fordern schon, dass Uber den Dienst komplett aufgeben soll. Für die Geister-Küchen, wie die versteckten Küchen auch genannt werden, wäre das der nächste Schlag.

    Bisher boomt die Branche trotz der beunruhigenden Vorboten weiter. Auch vor dem Backstein-Gebäude in der 30 Vandam Street in New York ist von Problemen nichts zu spüren. Unter dem Firmenschild von Zuul herrscht reges Treiben. Lieferboten steigen von ihren motorisierten Fahrrädern und halten sich gegenseitig die Tür auf, während sie in das Ladenlokal eilen, um mit ihren voll bepackten Thermo-Taschen wieder hinauszukommen. Darin bringen sie Salate von Sweetgreen, geröstete Sesam-Hähnchen von Junzi und Falafel von Naya zu den Kunden in der Nachbarschaft.

    Hier in einer Seitenstraße im angesagten New Yorker Soho-Viertel hat vor wenigen Wochen die erste Geisterküche von Zuul eröffnet. Hier können sich Restaurants einmieten und ihr Liefer-Essen zu deutlich günstigeren Mieten als in ihren Restaurants zubereiten. Die Mitarbeiter der Restaurant-Ketten kochen und verpacken ihre Gerichte selbst. Auch ihre Küchen müssen sie mitbringen. Zuul koordiniert die Boten und säubert nachher die Geräte und die Räume.

    „Der Trend geht zum Delivery-Essen. Und da ist es günstiger, hier zu kochen als in Restaurants, wo Sie zwei Millionen Dollar Jahresmiete zahlen“, ist Co-Gründer und CEO Corey Manicone überzeugt. Der junge Mann mit blondem Kinnbart und Männerdutt schaut sich das Treiben von der Einfahrt an, während er einen Burrito vertilgt.

    Es ist kein Wunder, dass diese junge Industrie vor allem in Ballungszentren wie Silicon Valley, New York oder London boomt. Die Mieten für Restaurants und Ladengeschäfte steigen, ohne dass ein Ende in Sicht wäre, besonders im Eldorado der neuen Superreichen, in der Hauptstadt des Silicon Valleys, in San Francisco.

    Die Gourmet-Gründer in Kalifornien waren immer schon einfallsreich, was ihren Kampf gegen den Immobilienwahnsinn angeht. Pop-up-Restaurants öffnen nur für ein paar Monate und ziehen weiter, Food-Trucks durchstreifen die Partymeilen, aber die Realität ist: Der Kampf gegen die Vermieter ist nicht zu gewinnen. Food-Delivery-Dienste wie Grubhub, Caviar, Doordash oder Uber Eats, die fertiges Essen zu den Kunden bringen, sind nur der neueste Trend.

    Virtuelle Restaurants
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