Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Logistikkonzern Post-Chef Appel setzt auf Globalisierung – und verteidigt den Streetscooter-Ausstieg

Auf der Hauptversammlung stimmt der Vorstand seine Aktionäre auf eine profitable Zukunft ein. Die aber stellen kritische Fragen zur Nachhaltigkeit.
27.08.2020 Update: 27.08.2020 - 16:18 Uhr Kommentieren
Deutsche-Post-Chef Frank Appel verteidigt den Streetscooter-Ausstieg Quelle: Deutsche Post
Virtuelle Hauptversammlung

Post-Chef Frank Appel (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Nikolaus von Bomhard mussten mehr als 300 Fragen der Aktionäre beantworten.

(Foto: Deutsche Post)

Düsseldorf Post-Chef Frank Appel konnte sich kurzfassen. Sein Eingangsstatement auf der digitalen Hauptversammlung 2020 dauerte keine 20 Minuten. Appel, mit zwölf Jahren Amtszeit einer der dienstältesten Chefs eines Dax-Konzerns, stimmte die Aktionäre auf eine entspannte Zukunft ein. Der Gewinn (Ebit) für das laufende Geschäftsjahr dürfte nach seinen Angaben zwischen 3,5 Milliarden und 3,8 Milliarden Euro liegen und bis 2022 auf 4,7 bis 5,3 Milliarden Euro steigen. Je nachdem, wie sich die Wirtschaft nach dem Coronaschock entwickeln wird.

Der Bonner Logistikkonzern zählt zu den Profiteuren der Krise, auch wenn die Pandemie in einigen Geschäftsbereichen negative Spuren hinterlässt. Denn die Richtung stimmt, glaubt Appel. In der Pandemie zeige sich, dass die Globalisierung nicht das Problem, sondern die Lösung sei.

Erst die Globalisierung ermögliche die Versorgung der Menschen mit den Dingen des täglichen Bedarfs und helfe, die wirtschaftlichen Folgen der Krise durch stabile Lieferketten und durch den Zugang zum Weltmarkt zu mildern. „Daher glauben wir nicht an ein Ende der Globalisierung“, sagte Appel. Die Post werde „gestärkt aus der Krise hervorgehen“.

Wesentlich zeitaufwendiger fiel dagegen die Beantwortung der zuvor eingereichten Aktionärsfragen aus. Ein Schwerpunkt dabei: die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Post. Appel verteidigte in diesem Zusammenhang erneut den Ausstieg aus der Streetscooter-Produktion, den er im Februar verkündet hatte. Die Post wolle kein Automobilkonzern sein. Hoffnungen Appels, Investoren für die Herstellung der elektrischen Fahrzeuge zu finden, hatten sich nicht erfüllt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Allein in diesem Jahr muss die Post fast 400 Millionen Euro wertberichtigen. Eine Gesamtsumme, wie viel den Konzern Entwicklung und Fertigung des Streetscooters gekostet hat, wollte Appel auch auf Nachfrage nicht nennen.

    Klimaneutral bis 2050

    Finanzchefin Melanie Kreis betonte, dass der Ausstieg „keine Entscheidung ist, aus der E-Mobilität auszusteigen“. Die Zustellung in der sogenannten letzten Meile sei inzwischen zu einem Drittel emissionsfrei. Bis zum Jahr 2025 sollen es nach ihren Worten 55 Prozent sein.

    Der Postkonzern will bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein. „Wobei wir uns vorbehalten“, sagte Kreis, das Ziel auch mit Kompensationen zu erreichen. Die Finanzchefin wies darauf hin, dass 77 Prozent der Emissionen des Konzerns in der Luft- und Seefracht anfielen und sich derzeit alternative, das heißt emissionsarme Antriebstechniken in der Luftfahrt kaum abzeichneten. „Ich fürchte, dass das in der Luftfahrt noch ein weiter Weg sein wird“, sagte die Post-Vorständin.

    Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard stellte nach Fragen von Aktionären auch klar, dass er wenig davon hält, Klimaziele zu einem zentralen Bestandteil der Vorstandsvergütung zu machen. Die Post überarbeitet gerade ihr Vergütungssystem und wird darüber auf der Hauptversammlung 2021 abstimmen lassen. „Es ist ein Irrglaube, dass Ziele nur verfolgt werden, wenn sie auch vergütet werden“, sagte von Bomhard. Man sei „mittendrin“ in der Ausarbeitung des neuen Systems und prüfe, ob bei dieser Gelegenheit Nachhaltigkeit (ESG-Ziele) prominent platziert werden sollten.

    Kritisch gingen Aktionäre und Investoren auch mit den beiden Neuzugängen im Aufsichtsrat um. Fragen nach fachlicher Qualifikation, Unabhängigkeit oder zeitlicher Verfügbarkeit bezogen sich aber nicht allein auf den ehemaligen Finanzchef der Post Lawrence Rosen sowie Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, die den Post-Aufsichtsrat verstärken sollen, sondern auch auf Stefan Schulte.

    Fraport-Chef Schulte hat bereits mehrere Aufsichtsmandate und ist seit 2009 im Post-Aufsichtsrat. Die Fondsgesellschaft DWS zum Beispiel zweifelt daher an seiner Unabhängigkeit. Von Bomhard wies Zweifel an den Räten zurück. Er verwies darauf, dass die neuen Post-Aufseher die Anforderungsprofile „in hervorragender Weise“ erfüllten und laut Satzung drei Mandatsperioden zulässig seien.

    Sechs Stunden und 300 Fragen

    Am Ende der ersten virtuellen Post-Hauptversammlung waren 300 Fragen von Aktionären beantwortet. Vieles hätten die Fragesteller schon im Geschäftsbericht nachlesen können. Viel schneller als in Vor-Coronazeiten ging es daher doch nicht. Sechs Stunden musste ausharren, wer auch noch die Abstimmungsergebnisse sehen wollte. Die meisten Punkte erhielten Zustimmungsquoten von 99 Prozent.

    Nur bei der Bestellung des Abschlussprüfers PwC und einer Satzungsänderung, die den Vorstand ermächtigt, Hauptversammlungen auch virtuell abzuhalten, konnten sich mit rund 92 Prozent nicht alle Investoren zu einem „Ja“ durchringen.

    Ob die Post-Aktionäre am 6. Mai im kommenden Jahr tatsächlich wieder persönlich ihre Fragen an Vorstand und Aufsichtsrat stellen werden, steht in den Sternen. Chefkontrolleur von Bomhard versicherte allerdings, er würde sich „sehr freuen“.

    Mehr: Deutsche Post geht mit reichlich Cash durch die Krise

    Startseite
    Mehr zu: Logistikkonzern - Post-Chef Appel setzt auf Globalisierung – und verteidigt den Streetscooter-Ausstieg
    0 Kommentare zu "Logistikkonzern: Post-Chef Appel setzt auf Globalisierung – und verteidigt den Streetscooter-Ausstieg"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%