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Lünendonk-Analyse Wirtschaftsprüfer vor Rekordjahr: „Big Four“ erwarten zehn Prozent mehr Umsatz

Die Branche spürt die Konjunktureintrübung bisher kaum. Die „Big Four“ rechnen im Schnitt mit zehn Prozent mehr Umsatz. Schon in wenigen Jahren könnten auch Roboter zum Einsatz kommen.
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PWC, KPMG, EY: Wirtschaftsprüfer erwarten weiteres Rekordjahr Quelle: Imago
PwC-Hochhaus in Frankfurt

Die Wirtschaftsprüfer fürchten derzeit keine Konjunkturflaute.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Die deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben 2018 erneut deutlich zugelegt und erwarten auch 2019 ein Rekordjahr. Das zeigt die aktuelle Branchenanalyse des Marktforschers Lünendonk, die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellt wurde. Eine starke Zurückhaltung der Kunden bei Beratungsprojekten im Zuge der Konjunktureintrübung ist nach Aussage vieler Anbieter noch nicht spürbar.

2018 war ein Rekordjahr für die Wirtschaftsprüfer. Sie kamen nach Berechnungen von Lünendonk auf ein Umsatzvolumen von 15,3 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 5,8 Prozent entspricht. Für 2019 prognostiziert die gesamte Branche im Schnitt ein Plus von 3,9 Prozent, was von einer gewissen Vorsicht zeugt.

Schaut man aber nur auf die großen Anbieter, so zeigt sich ein ungebrochener Optimismus: So erwarten die „Big Four“ für 2019 ein stabiles Wachstum von durchschnittlich zehn Prozent. Zu ihnen gehören Markführer PwC mit zuletzt 2,2 Milliarden Euro Umsatz, EY mit 1,97 Milliarden Euro, KPMG mit 1,83 Milliarden Euro und Deloitte mit 1,47 Milliarden Euro.

Auf die „Big Four“ entfällt mittlerweile gut die Hälfte des Volumens in dem ansonsten stark zersplitterten Markt. Die vier großen Anbieter profitieren weiterhin von Beratungsgeschäft, in das sie in den vergangenen Jahren stark investiert haben. „Dort gibt es weiterhin die größte Dynamik“, sagt Martin Plendl, Deutschlandchef von Deloitte.

Doch gerade das Beratungsgeschäft gilt als grundsätzlich konjunktursensibel: Halten die Kunden angesichts unsicherer Aussichten ihr Geld zusammen oder gehen gar auf Sparkurs, so trifft das die Consultants schnell. Zwar halten sich Firmen in einigen Bereichen, etwa was Regulatorik angeht, mit Projekten derzeit zurück, heißt es bei den Servicefirmen.

Doch von einem Geschäftseinbruch kann keines der großen Prüfungshäuser berichten. Das hat zwei Gründe: Zum einen erhalten deren Beratungseinheiten seit einigen Monaten verstärkt neue Aufträge für Kostensenkungen und mehr Effizienz. Zum anderen stecken die Kunden bei den langfristigen Projekten nicht zurück. Dazu gehört vor allem die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle, an der auch die Prüfer gut verdienen.

Konsolidierung im Markt

Hinter den vier großen Anbietern stechen im Markt mittlerweile sechs Verfolger heraus, die auf Umsätze zwischen 100 und 300 Millionen Euro Umsatz kommen: Die Gruppe wird angeführt von BDO, dahinter kommen Rödl & Partner, Ebner Stolz, Baker Tilly, Mazars und Warth & Klein Grant Thornton. Viele von ihnen haben sich zuletzt in der Steuerberatung verstärkt, so hat etwa Wart & Klein den Berliner Konkurrenten Trinavis übernommen.

Die Konsolidierung im Markt hängt auch damit zusammen, dass die Unternehmen in den nächsten Jahren hohe Investitionen stemmen müssen – vor allem in die Digitalisierung des eigenen Geschäfts. Die Lünendonk-Umfrage ergab: Die Wirtschaftsprüfer rechnen damit, dass im Jahr 2026 mehr Prüfungsleistungen von Maschinen ausgeführt werden als durch Menschen.

Für die Branche bringt das massive Veränderungen mit, die nicht nur den Finanzbedarf betreffen. Jahrelang sind einfache Tätigkeiten wie Beleganalyse von jungen Prüfungsmitarbeitern am Anfang ihrer Karriere erledigt worden – den sogenannten Häkchenmachern. Das übernehmen künftig Maschinen, die den Anbietern auch eine tiefergehende und schnellere Arbeit ermöglichen sollen.

Das wird mit Sicherheit Jobs bei den Prüfern kosten, doch unterm Strich rechnen die Firmen nicht mit einem Rückgang der Belegschaft. Im Gegenteil: „Wir brauchen moderne Prüfer, die die Arbeit der Computer begleiten und steuern können“, sagt Rainer Grote, Geschäftsführer der Düsseldorfer Wirtschaftsprüfung RSM.

Das sieht Andrea Bruckner, Vorstandsmitglied von BDO, ebenso. „Der Mensch muss die Ergebnisse der Maschinen kritisch hinterfragen“, sagt sie. Dafür aber braucht der moderne Wirtschaftsprüfer neue Kompetenzen. Einig sind sich die Dienstleister zwar, dass sich der Beruf nicht zum IT-Spezialisten wandeln wird.

Weniger Prüfer, mehr Maschinen

Dennoch werden von Prüfern künftig viel stärker analytische Fähigkeiten in Zusammenarbeit mit den Robotern verlangt. Der Job werde sich mehr und mehr in Richtung Steuerung und Führung internationaler Teams und Technologien bewegen, erwartet Joachim Riese, Vorstandschef von Warth & Klein.

Die bisherige Ausbildung der Wirtschaftsprüfer bildet dieses Profil nicht ab, kritisierten die Firmen in der Lünendonk-Studie. Sie sorgen sich ohnehin um die Attraktivität des Berufs. Die Zahl der Absolventen mit bestandenem Wirtschaftsprüferexamen sinkt rapide. Nach Angaben der Wirtschaftsprüferkammer nahmen 2010 noch 977 Personen am Prüferexamen teil, wovon 555 bestanden. Voriges Jahr strebten nur noch 597 den Abschluss an, davon 348 mit Erfolg.

Weniger Prüfer und mehr Maschinen, das passt ja eigentlich gut zusammen. Doch die Dienstleister brauchen die Spezialisten auch für Geschäfte, in denen sie stärker wachsen als mit Bilanztestaten. Etwa in der prüfungsnahen Beratung, wozu beispielsweise das Risikomanagement in Unternehmen zählt. Zudem investieren Anbieter wie Deloitte kräftig in Services zur Cybersicherheit.

Viele Prüfer warnen aber davor, beim Fokus auf neue Dienstleistungen das traditionelle Kerngeschäft der Abschlussprüfung zu vernachlässigen. Bei den meisten Anbietern macht dies mit rund einem Drittel noch immer das größte Volumen des Geschäfts aus. PwC und Deloitte hingegen erwirtschaften hingegen bereits mehr Umsatz in der Beratung als im Audit.

Doch auch Deloitte-Chef Plendl fordert, man müsse „alles tun, um die Audit-Qualität zu verbessern“. Er sagt dies mit Blick auf die Attraktivität des Berufs und auf die Folgen, die sich durch Fehler in der Anschlussprüfung ergeben und rufschädigend sein können.

Die Bedeutung in der Abschlussprüfung bleibe das entscheidende Element in der Markenbildung und Bekanntheit der Firmen, zeigen sich die Prüfer überzeugt. „Ohne Leuchtturm-Mandate wird es im Kampf um Talente noch schwieriger“, sagt Christoph Regierer, geschäftsführender Gesellschafter von Mazars. Die Firma hat im Mai einen prestigeträchtigen Auftrag gewonnen: Mazars wird neuer Abschlussprüfer der Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland und Großbritannien.

Mehr: „Maschinen werden den Wirtschaftsprüfer nicht ablösen“ – Der Chef der Prüfungsgesellschaft Warth & Klein sieht neue Technologien als Segen. KI und Robotik könnten der Branche mehr Qualität bringen.

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